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Hilarius von Poitiers († 367) - Über die Synoden oder über den Glauben der Orientalen.

Eilftes Hauptstück.

[S. 353] Abschrift der Gotteslästerung, welche zu Sirmium durch Osius und Potamius verfaßt wurde.

„Da einiger Streit über den Glauben zu bestehen schien, wurde zu Sirmium in Gegenwart unserer heiligsten Brüder und Mitbischöfe, des Valens, Ursacius und Germinius Alles sorgfältig verhandelt und untersucht. Es ist gewiß, daß Ein allmächtiger Gott und Vater ist, wie auf dem ganzen Erdkreise geglaubt wird, und daß sein einziger Sohn Jesus Christus, der Herr, unser Heiland, aus ihm vor den Zeiten gezeugt wurde. Zwei Götter aber können und dürfen nicht verkündiget werden, weil der Herr selbst gesagt hat:1 „Ich werde hingehen zu meinem Vater und zu euerem Vater, zu meinem Gott und zu euerem Gott.“ Also ist der Gott Aller Einer, wie der Apostel gelehrt hat.2 „Oder ist er nur der Gott der Juden? Nicht auch der der Heiden? Allerdings auch der der Heiden. Denn es ist ja nur Ein Gott, welcher die Beschnittenen gerecht macht aus dem Glauben, und die Unbeschnittenen durch den Glauben.“ Aber auch das Uebrige stimmte überein, und konnte keine Abweichung enthalten. „Was aber mehrere beunruhigte, war, daß im Betreff der Wesenheit, welche in der griechischen Sprache Usia genannt wird, das ist, damit es genauer verstanden werde, in Betreff dessen, was Homousion, oder was Homöusion genannt wird, durchaus keine Erwähnung gethan werden sollte, und daß Niemand davon sollte sprechen dürfen aus [S. 354] dem Grunde und der Ursache, weil es theils in den göttlichen Schriften nicht enthalten sey, theils die menschliche Kenntniß übersteige, und weil Niemand die Geburt des Sohnes erklären könne, von welchem geschrieben steht:3 „Wer wird seine Geburt erklären?“ Es ist aber offenbar, daß es der Vater allein wisse, wie er seinen Sohn gezeugt habe, und der Sohn, wie er vom Vater gezeugt worden sey. Es ist kein Zweifel, daß der Vater größer ist. Niemand kann es bezweifeln, daß der Vater an Ehre, Würde, Herrlichkeit, Majestät und selbst schon durch den Namen „Vater“ größer sey, als der Sohn, welcher selbst bezeugt: „Der, welcher mich gesandt hat, ist größer, als ich.“ Und daß dieses katholisch sey, weiß Jedermann, nämlich daß zwei Personen seyen, die des Vaters und die des Sohnes; daß der Vater größer, und der Sohn ihm unterworfen sey mit allem demjenigen, was ihm der Vater unterworfen hat. Daß der Vater keinen Anfang habe, unsichtbar sey, unsterblich sey, keiner Leiden fähig sey; daß aber der Sohn geboren sey aus dem Vater, Gott aus Gott, Licht aus Licht. Daß die Geburt dieses Sohnes Niemand kenne, wie zuvor erwähnt worden ist, als sein Vater. Daß aber selbst der Sohn Gottes, unser Herr und Gott, wie man liest, Fleisch oder Körper, das heißt, den Menschen angenommen habe aus dem Leibe der Jungfrau Maria, wie der Engel vorhergesagt hat. Daß er aber, wie alle Schriften lehren, und hauptsächlich der Apostel, der Lehrer der Völker, selbst, den Menschen angenommen habe aus Maria der Jungfrau, mittelst dessen er auch mitgelitten hat. Dieses ist aber die Hauptsache, und dieses die Bestätigung des ganzen Glaubens, daß die Dreieinigkeit immer bewahrt werden muß, wie wir lesen im Evangelium:4 „Gehet also hin, und taufet alle Völker im Namen des Vaters, und des Sohnes, und des heiligen Geistes.“ Ganz, voll- [S. 355] kommen ist die Zahl der Dreieinigkeit. Der Tröster aber, der Geist, ist durch den Sohn; er, welcher gesandt ward und gekommen ist zu Folge der Verheißung, daß er die Apostel und alle Gläubigen unterweisen, lehren und heiligen sollte.“

1: Joh. XX, 17.
2: Röm. III, 29, 30.
3: Isai. LIII, 8.
4: Matth. XXVIII, 19.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger