Titel newsletter aktuell suche Titel werke start
Hilarius von Poitiers († 367) - Gegen die Arianer, oder gegen Auxentius von Mailand

Sechstes Hauptstück.

Denn sie wollen, daß dieser ihr Christus nicht jenen Grad von Göttlichkeit habe, welchen der Vater hat; sondern daß er ein mächtiges und alle übrigen Geschöpfe übertreffendes Geschöpf sey, und daß er durch den Willen Gottes aus Nichts entstanden sey; er sey zwar, sagen sie, vor allen Jahrhunderten, und überhaupt vor aller Zeit als Gott aus Gott geboren worden, aber er sey nicht aus Gottes Wesenheit, und man dürfe nicht annehmen, daß er wirklich aus Gott geboren worden sey und wahrhaft jene Majestät habe, welche Gott hat; damit nicht der, welcher Sohn ist, ein eben so wahrer Gott sey, wie der wahrer Gott ist, welcher Vater ist; so daß dieses, daß Sohn und Vater in den Evangelien als Eins verkündet werden, nur auf der Gemeinschaft des Willens und der Liebe, nicht auf wahrer Gottheit beruhe. Ist diese bei dem Söhne nicht eben die- [S. 331] selbe, welche sie bei Gott ist, sodaß im Glaubensbekenntnisse Ein Gott sey; warum nennen sie ihn dann Gott Sohn, warum nehmen sie an, daß er vor den Zeiten und Jahrhunderten gewesen sey, wenn nicht deßwegen, weil der Name Gott jedem Heiligen durch die Verleihung der Ewigkeit bestimmt ist? Oder sind nicht alle, welche wiedergeboren sind, wahrhaft Kinder Gottes; oder sind nicht alle Engel, welche allerdings durch Christum geschaffen sind, vor allen Zeiten und vor allen Jahrhunderten geschaffen worden? Jedoch nur, um den Antichristen mit geringem Aufsehen einzuführen und um die Unglücklichen zum Glauben an ihn zu bewegen, theilen sie Christo den Namen Gottes zu, weil dieser auch Menschen verliehen worden sey; sie behaupten, daß er wahrhaft Gottes Sohn sey, weil durch das Geheimniß der Taufe ein Jeder wahrhaft Gottes Sohn wird; sie lehren, daß er vor den Zeiten und Jahrhunderten gewesen sey, weil man dieses von den Engeln und dem Teufel nicht läugnen kann. Somit werden Christo dem Herrn nur solche Dinge beigelegt, welche entweder den Engeln, oder uns eigen sind. Was aber Christo mit Recht gebührt und wahrhaft eigen ist, nämlich daß Christus wahrer Gott ist, das heißt, daß die Gottheit des Sohnes ebendieselbe sey, wie die des Vaters, wird ihm abgesprochen. Und zwar wird durch den Trug dieser Gottlosigkeit bis jetzt bewirkt, daß unter den Priestern des Antichristen das Volk Christi noch nicht untergeht, weil sie meinen, es werde das geglaubt, was gesagt wird. Sie hören, Christus sey Gott; sie halten ihn für das, was er genannt wird. Sie hören, er sey Gottes Sohn; sie glauben, weil er Gott von Geburt sey, sey er in Wahrheit Gott. Sie hören, er sey vor den Zeiten gewesen, und meinen, eben dieses sey vor den Zeiten, was immer ist. Heiliger sind die Ohren des Volkes, als die Herzen der Priester. Wenn die Arianer lehren, daß Christus wahrer Gott sey, so behaupten sie ohne Trug, daß er Gott sey; weil sie, wenn sie ihn Gott nennen, auch be- [S. 332] haupten, daß er nicht wahrer Gott sey; sie geben ihm den Namen und nehmen ihm die Wahrheit.

 

 

Informationen
Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis

Navigation
. . Schreiben des heiligen ...
. . Erstes Hauptstück.
. . Zweites Hauptstück.
. . Drittes Hauptstück.
. . Viertes Hauptstück.
. . Fünftes Hauptstück.
. . Sechstes Hauptstück.
. . Siebentes Hauptstück.
. . Achtes Hauptstück.
. . Neuntes Hauptstück.
. . Zehntes Hauptstück.
. . Eilftes Hauptstück.
. . Zwölftes Hauptstück.
. . Dreizehntes Hauptstück.
. . Vierzehntes Hauptstück.
. . Fünfzehntes Hauptstück. ...

Titel Top Back Next
 
Kontakt: Griechische Patristik und orientalische Sprachen - Miséricorde - Av. Europe 20 - CH-1700 Fribourg
Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger