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Hilarius von Poitiers († 367)
Schreiben des heiligen Hilarius gegen den Kaiser Konstantius

Gegen den Kaiser Konstantius

Erstes Hauptstück.

[S. 288] Nun ist es Zeit, zu reden; denn die Zeit des Schweigens ist bereits vorüber. Man erwarte Christum; denn der Antichrist hat die Oberhand erhalten. Nun mögen die Hirten rufen; denn die Miethlinge sind geflohen. Lasset uns das Leben für die Schafe hingeben; denn die Diebe sind hereingebrochen, und der Löwe geht wüthend umher. Lasset uns mit diesen Worten zum Martertode hinausgehen, weil der Engel des Satans sich in den Engel des Lichtes umgestaltet hat. Lasset uns eintreten durch die Thüre, weil Niemand zu dem Vater gelangt, ausser durch den Sohn. Mögen sich die falschen Propheten in ihrem Frieden offenbaren; denn durch Ketzerei und Spaltung werden die Erprobten geoffenbart werden. Erduldet werde die Drangsal, wie seit der Schöpfung der Welt noch keine gewesen ist; [S. 289] aber man erkenne, daß die Tage abgekürzt werden um der Auserwählten Gottes willen. Erfüllt ist die Weissagung, welche spricht:1 „Es wird eine Zeit seyn, wo sie die gesunde Lehre nicht ertragen, sondern nach ihren eigenen Lüsten sich Lehrer verschaffen werden, welche die Ohren kitzeln; und von der Wahrheit werden sie das Ohr abwenden, und sich zu Fabeln kehren;“ aber man erwarte die Verheißung dessen, welcher versichert:2 „Selig seyd ihr, wenn euch die Menschen lästern und verfolgen, und Böses aller Art gegen euch lügen werden um der Gerechtigkeit willen. Freuet euch und frohlocket; denn groß ist euer Lohn im Himmel. Denn so haben sie auch die Propheten verfolgt, welche vor euch waren.“ Lasset uns stehen vor Richtern und Obrigkeiten für den Namen Christi; denn selig ist der, welcher bis an das Ende ausharret. Wir wollen uns nicht fürchten vor dem, welcher den Leib tödten kann, die Seele aber nicht tödten kann; sondern wir wollen den fürchten, welcher Leib und Seele in die Hölle verderben kann. Lasset uns nicht um uns bekümmert seyn; denn die Haare unsers Hauptes sind gezählt. Und lasset uns durch den heiligen Geist der Wahrheit folgen, damit wir nicht durch den Geist des Irrthumes der Lüge glauben. Lasset uns mit Christo sterben, auf daß wir mit Christo herrschen. Denn noch länger zu schweigen, wäre ein Zeichen von Mißtrauen, kein Beweis der Bescheidenheit; weil es eben so gefährlich ist, immer zu schweigen, als niemals.

1: II. Timoth. IV. 3, 4.
2: Matth. V, 11, 12.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger