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Hilarius von Poitiers († 367) - Schreiben des heiligen Hilarius gegen den Kaiser Konstantius
Gegen den Kaiser Konstantius

Eilftes Hauptstück.

Aber jetzt, reissender Wolf, höre die Früchte deiner Werke! Ich führe keine andern mehr an, als solche, welche an der Kirche verübt worden sind; auch werde ich keine andere Tyrannei, als die, welche gegen Gott verübt wird, in Erwähnung bringen. Ich klage nicht, weil ich die Sache nicht gewiß weiß; aber doch ist die Klage durch das Gerücht begründet, daß diejenigen, welche du keine Bischöfe mehr seyn ließest, und die keiner zu verurtheilen sich getraute, auch jetzt noch1 an den kirchlichen Stirnen bezeichnet sind, und unter denen aufgeführt werden, welche zu den Bergwerken verurtheilt sind. Zugegen ist mit mir Alexandria, welches, erschüttert durch so viele Kriege, schon vor dem bloßen Geräusche vorgenommener Rüstungen zittert. Denn nicht so lange wurde gegen den Perser, wie gegen dieses mit den Waffen gekämpft. Die Vorgesetzten wurden verändert, Führer erwählt, Völker verdorben, Legionen in Bewegung gesetzt, damit nur Christus von Athanasius nicht verkündet würde. Ich schweige von den klei- [S. 301] nern Völkern und Städten, welchen durch den ganzen Orient entweder Schrecken oder Krieg droht. Nachdem du alle Waffen gegen den Glauben des Abendlandes gesammelt, und deine Heere gegen die Schafe Christi gewendet hast; hätte ich unter Nero entfliehen dürfen. Du hingegen hast den Paulinus, einen Mann, welcher ehrenvoll bei seinem Bekenntnisse beharrte und litt, durch Schmeichelei angelockt, und verwiesen, und die heilige Kirche der Trevirer eines solchen Priesters beraubt. Du hast den Glauben desselben durch Edikte erschreckt. Du hast ihn selbst durch Veränderungen der Verbannungsorte bis zum Tode ermüdet, hast ihn auch2 ausser den Bereich des christlichen Namens verbannt; damit er weder ein Brod aus deiner Scheune erhielte, noch ein entweihtes aus der Hölle des Montanus und der Maximilla erwartete. Mit welcher Wuth versetztest du die durch Frömmigkeit ausgezeichnete Bevölkerung von Mailand in Schrecken? Deine Tribunen drangen in das Heiligthum, bahnten sich mit aller Grausamkeit den Weg durch das Volk, und schleppten die Priester von dem Altare. Glaubst du, Gottloser, ein geringeres Verbrechen, als die verruchten Juden begangen zu haben? Zwar haben diese das Blut des Zacharias vergossen; du aber hast, so viel bei dir steht, die mit Christo Vereinigten von Christo getrennt. Du hast dann deinen Krieg bis nach Rom gewendet, und von dort den Bischof gewaltsam hinweggeführt; und, o Elender!, der du ihn, ich weiß nicht, ob mit größerer Gottlosigkeit verbannt oder zurückgerufen hast. Welche Wuth hast du dann gegen die Kirche zu Tolosa ausgeübt? Die Geistlichen wurden mit Prügeln geschlagen, die Diakonen mit Bleikolben zerschmettert, und selbst, wie die Heiligen [S. 302] mit mir einsehen, selbst an Christus wurde Hand angelegt. Wenn ich hierin, Konstantins, die Unwahrheit sage, so bist du ein Schaf; wenn du aber dieses vollbringst, so bist du ein Antichrist.

1: Hieraus sieht man, daß Kaiser Konstantius die Sitte, welche sein Vater abgeschafft hatte, im Gesetz 2. de poenis. cod. Th. wo es heißt: „Daß, wenn Jemand zum Schauspiele oder zu den Bergwerken verurtheilt ist, keineswegs auf sein Gesicht geschrieben werden sollte, damit dadurch das Gesicht, welches nach den Aehnlichkeit der himmlischen Schönheit gestaltet ist, nicht befleckt werde.“
2: Baronius bemerkt zum Jahre 355, daß Hilarius dieses darum von Paulinus gesagt habe, weil er zuerst nach Phrygien, wo die Cataphrygier, Anhänger des Montanus und der Maximilla, waren, verwiesen, und von da aus zu den Barbaren verbannt wurde.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger