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Hilarius von Poitiers († 367) - Zweites Schreiben des heiligen Hilarius an Konstantius Augustus.

Fünftes Hauptstück.

Denn wir sind uns gegenseitig bewußt, daß seit der Synode der nicäischen Versammlung, nichts anders, als der Glaube, niedergeschrieben werde. Während über Worte gestritten, während über die Neuerungen Untersuchung gepflogen, während über Zweideutigkeiten zu sprechen Gelegenheit dargeboten, während über die Urheber1 Klage erhoben, während über die Ansichten Streit erregt, während die Uebereinstimmung erschwert wird, während Einer dem Andern verflucht zu seyn anfängt; gehört fast Niemand mehr Christo an. Denn wir schwanken, von dem unsichern Winde der Lehren getrieben, umher, und verwirren, wenn wir lehren, oder irren, wenn wir belehrt werden. Welche Veränderungen faßt nicht der Glaube2 auch nur vom letzten Jahre [S. 281] in sich? Erstens der Glaube, welcher beschließt, daß man von dem Homousion schweigen sollte; zweitens wieder der, welcher das Homousion3 ausspricht und verkündiget; dann drittens der, welcher die von den Vätern einfach angenommene Usia aus Nachsicht entschuldiget; und endlich viertens der, welcher nicht entschuldiget, sondern verdammt. Und wie weit ging man endlich, so daß weder bei uns, noch bei Jemandem vor uns von nun an Etwas heilig und unverletzt bleibt. Was aber die Gleichheit Gottes des Sohnes mit Gott dem Vater betrifft, so setzen wir durch unsere Glaubensbekenntnisse, wenn unsere erbärmliche Zeit ja noch einen Glauben hat, daß er entweder nicht ganz, oder theilweise gleich sey, nämlich wir trefflichen Schiedsrichter über die himmlischen Sakramente, und Durchforscher der unsichtbaren Geheimnisse den Glauben, an Gott herab. Wir beschließen jährliche und monatliche Glauben an Gott, bereuen die beschlossenen, vertheidigen die, welche sie bereuen, verfluchen die, welche wir vertheidigt haben; wir verdammen entweder im Unsrigen Fremdes, oder im Fremden das Unsrige, und sind, da wir uns gegenseitig zerbeissen, bereits von einander aufgerieben.

1: Zunächst vorher, ehe Hilarius dieses schrieb, wurde über den Urheber der Lästerungen geklagt, welche die Abgeordneten der zu Seleucia gehaltenen Synode dem Eudoxius zuschrieben, Euooxius aber auf den Aetius schob.
2: Wenn man diesen Ausdruck in einem etwas weitern Winne nehmen will, so mag man hier folgende Glaubensbekenntnisse darunter verstehen: Das Erste zu Sirmium, welches bestimmt, daß nicht nur von dem Homousion, sondern auch von dem Homousion geschwiegen werden soll. Das Zweite zu Ancyra; das Dritte zu Rimini, und dann zu Nicäa in Thrazien, und zuletzt zu Selcucia von Acacius veranstaltet.
3: Da sich kein Glaubensbekenntniß der Arianer vorfindet, worin das Homousion angenommen wird, so ist wohl statt homousion zu lesen homoeusion.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger