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Hilarius von Poitiers († 367) - Zweites Schreiben des heiligen Hilarius an Konstantius Augustus.

Viertes Hauptstück.

[S. 279] Lerne das Glaubensbekenntnis kennen, welches du schon lange, bester und frömmster Kaiser! von den Bischöfen zu hören wünschest, und nicht hörst. Denn da diejenigen, von welchem es gefordert wird, das Ihrige niederzuschreiben, und nicht das, was Gottes Lehre ist, kund thun; haben sie einen ewigen Kreis, von Irrthum und immer in sich wiederkehrendem Streite gezogen. Denn die Bescheidenheit der menschlichen Schwäche hätte das ganze Geheimnis der göttlichen Erkenntniß nur mit jenen Grenzen ihres Wissens umfassen, mit welchen sie geglaubt hat, und nicht nach der bei der Taufe eingetretenen Bekennung und Beschwörung des Glaubens „im Namen des Vaters, und des Sohnes, und des heiligen Geistes,“ etwas anders entweder bezweifeln oder erneuern sollen. Aber Einige haben entweder aus Anmaßung, oder aus Leichtfertigkeit oder aus Irrthum die unveränderlichen Bestimmungen der apostlischen Lehre theils arglistig dargestellt, theils frech überschritten; indem sie im Bekenntnisse des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes die wahre natürliche Bedeutung verfälschen, damit der Sinn das nicht behalten möchte, was bei dem Geheimnisse der Wiedergeburt bekannt werden muß. Daher ist nach der Ansicht gewisser Menschen weder der Vater Vater, noch der Sohn Sohn, noch der heilige Geist heiliger Geist. Und bei dem Drange dieser Gelegenheit hat sich, als wenn sie zu billigen wäre, seitdem der Gebrauch den Glauben niederzuschreiben und zu erneuern, festgesetzt. Dieser hat dann, nachdem er angefangen, vielmehr Neues zu bilden, als das, Empfangene beizubehalten, weder das Alte vertheidiget, noch das Neue bekräftiget; und so entstand mehr ein Glaube der Zeiten, als der Evangelien; indem er nach Jahren niedergeschrieben, und nicht dem bei der Taufe abgelegten Bekenntnisse gemäß festgehalten wird. Sehr gefährlich ist es für uns und auch sogar beklagenswerth ist es, [S. 280] daß es jetzt so viele Glauben gibt, als Willensmeinungen; und daß wir so viele Lehren haben, als Sitten, und daß so viele Ursachen von Gotteslästerungen um sich greifen, als es Laster gibt; indem entweder die Glauben so niedergeschrieben werden, wie wir wollen, oder so verstanden werden, wie wir nicht wollen. Und da, wie Ein Gott und Ein Herr und Eine Taufe, so auch Ein Glaube ist, weichen wir von jenem Glauben ab, welcher der einzige ist; und da mehrere entstehen, fangen sie an, dazu da zu seyn, damit es keinen gebe.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger