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Leo der Grosse († 461) - Sämtliche Sermonen (Sermones)
Sermo LII-LXX: Neunzehn Passionspredigten.

Sermo LIV. 3. Predigt über das Leiden des Herrn.

1.

Geliebteste! Unter allem, was Gottes Barmherzigkeit von Anfang an für das Wohl der Sterblichen getan hat, ist nichts wunderbarer und nichts erhabener als der Kreuzestod Christi für die Erlösung der Welt. Diesem Geheimnisse dienten alle Mysterien der früheren Jahrhunderte. Die ganze vielgestaltige Reihe der auf göttliche Anordnung zurückgehenden Unterscheidungen der Opfer1 , Weissagungen der Propheten und Bestimmungen des Gesetzes2 wies im voraus auf diesen Plan hin und verhieß seine Verwirklichung. Darum bringt auch jetzt, wo Zeichen und Vorbilder aufgehört haben, der Glaube an die nunmehr "eingetretene" Erlösung den gleichen Gewinn, den vorher der Glaube an die "eintretende" gebracht hatte. In allem, was mit dem Leiden unseres Herrn Jesus Christus zusammenhängt, ist es nun die Lehre der katholischen Kirche und ihr Gebot, daß wir eine Vereinigung zweier Naturen in unserem Heiland erkennen.3 , daß beide Wesenheiten, trotz Wahrung ihrer Eigenart, zu einer solchen Einheit verbunden wurden, daß man sich von jenem Zeitpunkt an, wo um der Lage der Menschen willen "das Wort" im Schoße der seligen Jungfrau "Fleisch angenommen hat"4 , weder den Menschen ohne das, was Gottes ist, noch Gott ohne das, was zum Menschen gehört, vorstellen darf. Wenn auch beide Naturen ihr wahres Sein durch wohlunterschiedene Handlungen zun Ausdruck bringen, so ist doch keine von der anderen getrennt. Nichts gibt es, woran sie nicht gegenseitig Anteil nähmen5 . In der Majestät wohnt die gesamte Niedrigkeit und in der Niedrigkeit die ganze Majestät. Trotzdem bringt die Einheit keine Vermischung mit sich und die Eigenart keine Spaltung. Das eine6 ist "leidensfähig", das andere "unverletzlich", und doch wird der geschmäht, der in Herrlichkeit thront. Der gleiche ist er in seiner Schwäche und in seiner Kraft. Er, der des Todes fähig ist, ist zugleich auch der Sieger über den Tod7 . So hat also Gott die volle Menschheit angenommen. Aus Barmherzigkeit und vermöge seiner Macht hat er sich so mit dem Menschen und diesen mit sich vereint, daß die Natur des einen auch der des andern innewohnt und keine etwas von ihrer Eigenart an die andeere verliert.

1: vgl.Lev 1 ff.
2: vgl.Gal 3,24
3: Wir müssen daran festhalten
4: Joh 1,14
5: "perichoresis eis allela"
6: am Herrn
7: vgl. 2 Tim 1,10

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
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