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Rufin von Aquileia (345–411/412) - Kommentar zum apostolischen Glaubensbekenntnis (Expositio Symboli)

8.

"Der geboren ist vom heiligen Geiste aus Maria der Jungfrau."

Diese nun ist eine Geburt der freien Veranstaltung für die Menschen, jene Geburt 1 war die der göttlichen Substanz: diese ist eine Geburt der Erbarmung, jene der Natur. Geboren wird er (d. h. der Erlöser) vom heiligen Geist aus der Jungfrau: und Dieses aufzufassen ist schon ein reineres Ohr und ein geklärterer Sinn erfordert. Denn von dem, von welchem wir soeben hörten, daß er auf eine unaussprechliche Weise vom Vater geboren sei, wird nun behauptet, daß ihm vom heiligen Geiste in der Verborgenheit des jungfräulichen Schooßes ein Tempel bereitet worden: wie aber in der Heiligung des hl. Geistes keine Gebrechlichkeit obwaltet, so ist in der Geburt der Jungfrau keine Makel anzunehmen. Diese Geburt nämlich ist der Welt geboten worden als eine vollständig neue, und Dieß ist ganz in der Ordnung. Denn der im Himmel einziger Sohn ist, der ist es folgerichtig auch auf Erden, und seine Geburt ist eine einzig in ihrer Art dastehende. Allgemein bekannt ist, was in Bezug hierauf die Propheten geschrieben, und was auch die Evangelien anführen, daß eine Jungfrau empfangen und einen Sohn gebären solle. 2 Über die wunderbare Weise dieser Geburt aber hatte schon vordem der Prophet Ezechiel geweissagt, indem er Maria das Thor des Herrn nannte, das Thor nämlich, durch welches der Herr in die Welt trat. Seine Worte lauten also: "Das Thor aber, welches gen Osten schaut, wird geschlossen bleiben und nicht geöffnet werden, und Niemand wird durch selbiges gehen: denn der Herr, der Gott Israels, wird durch dasselbe gehen, und dann wird es geschlossen bleiben." 3 Was hätte Klareres über die [S. 37] dauernde Unversehrtheit der Jungfrau gesagt werden können? Geschlossen war das Thor der Jungfräulichkeit, es schritt durch dasselbe hindurch der Herr, der Gott Israels, durch dasselbe trat er aus dem Schooße der Jungfrau in diese Welt, und für ewig blieb fortan das Thor der Jungfrau geschlossen, ihre Jungfrauschaft gewahrt. Als Schöpfer nun des Fleisches des Herrn und seines Tempels wird der heilige Geist aufgeführt. Schon hieraus ist des heiligen Geistes Majestät zu erschließen. Es bezeugt nämlich auch das Evangelium von ihm, daß, als der Engel die Jungfrau anredete und zu ihr sprach: "Du wirst einen Sohn gebären und seinen Namen Jesus nennen, denn dieser wird das Volk erlösen von seinen Sünden," 4 und Jene nun antwortete: "Wie soll das geschehen, da ich keinen Mann erkenne?" 5 der Engel ihr erwiderte: "Der heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Allerhöchsten wird dich überschatten; und deßhalb wird das Heilige, das aus dir geboren werden soll, der Sohn Gotttes genannt werden." Man erkennt hieraus das gegenseitige Zusammenwirken der Dreieinigkeit. Der heilige Geist, so heißt es, kommt über die Jungfrau, die Kraft des Allerhöchsten überschattet sie. Wer aber anders ist die Kraft des Allerhöchsten, als Christus selbst, der Gottes Kraft und Gottes Weisheit ist? Wessen aber ist diese Kraft? Des Allerhöchsten, heißt es. Gegenwärtig also ist der Allerhöchste, gegenwärtig die Kraft des Allerhöchsten, gegenwärtig auch [S. 38] der heilige Geist. Das ist die Dreieinigkeit, überall verborgen, überall ersichtlich, nach Namen und Personen getheilt, untheilbar aber in der göttlichen Substanz: und wenn auch der Sohn allein aus der Jungfrau geboren wird, so fehlt doch nicht der Allerhöchste und nicht der heilige Geist, um der Jungfrau Empfängniß und Geburt zu heiligen.

1: Die Geburt des Sohnes aus dem Vater nämlich, von der oben die Rede war.
2: Jes 7,14. Citirt wird diese Stelle im Evangelium des hl. Matthäus 1,23.
3: Ez 44,2. So nach den LXX; - die Vulg. zieht noch den Anfang des folgenden Verses zu und übersetzt: … eritque clausa (porta) principi. Das Zitat ist entnommen aus der Vision des Propheten Ezechiel über den neuen Tempel Israels, d.i. die neutestamentliche Kirche. Die Deutung unserer Stelle durch Rufin auf Maria wird bestätigt durch den hl. Hieronymus (Comm. in Ez. ad c. XLIV.), welcher schreibt: Pulchre quidam portam clausam, per quam solus dominus Deus Israel ingreditur, et dux, cui porta clausa est, Mariam virginem intelligunt: quae et ante partum et post partum virgo permanisit.
4: Mt 1.
5: Lk 1,3.

 

 

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Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Einleitung: Rufin's Leben und Schriften.

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger