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Rufin von Aquileia (345–411/412) - Kommentar zum apostolischen Glaubensbekenntnis (Expositio Symboli)

39.

Doch wir wollen uns bemühen, die schwachgläubigen Seelen durch aus der Natur genommene Vernunftgründe zu unterstützen. Wenn Jemand Samenkörner verschiedener Art zusammenmischt und dieselben unterschiedlos säet oder hier und da in die Erde streut: wird dann nicht das Korn einer jeden Samenart, wohin es auch immer geworfen sein mag, zur bestimmten Zeit der Beschaffenheit seiner Natur gemäß einen Keim hervorsprossen, um den Bestand seiner Form und seines Körpers wieder herzustellen? Wenn daher auch die Substanz eines jeden fleischlichen Leibes verschiedentlich und mannigfach zerstreut ist, so ist doch die Grundidee, welche einem jeden Körper innewohnt, eine unsterbliche: denn er ist einer unsterblichen Seele Fleisch von der Zeit an, in welcher es zuerst dem Willen des wahren Gottes gefiel, nachdem er die Körper aus die Erde gesäet, einem jeden derselben seinen aus Erde gesammelten und verbundenen substanziellen Bestand wieder zu geben und wieder herzustellen zu jener Gestalt, welche einstmals der Tod gelöst hatte. Und daher kommt es, daß einer jeden Seele nicht ein beliebiger oder ein fremder Körper, sondern der ihrige, den sie vordem besaß, wieder hergestellt wird, so daß folgerichtig das Fleisch mit seiner Seele für die Kämpfe des gegenwärtigen Lebens entweder als keusches gekrönt oder als unkeusches bestraft werden könne. Und deßhalb spricht unsere Kirche ganz vorsichtig den Glauben im Symbolum dahin aus, daß sie Demjenigen, was von andern überliefert wird, "Auferstehung des Fleisches" ein einziges Fürwort beifügt und sagt: " dieses Fleisches Auferstehung." Das Wort "dieses" bezieht sich ohne Zweifel auf das Fleisch Desjenigen, der das Bekenntniß ablegt und seine Stirn mit dem Zeichen des Kreuzes bezeichnet: damit ein jeder Gläubige wisse, daß sein Fleisch, wenn er es frei bewahrt von der Sünde, in Zukunft ein Gefäß der Ehre sein werde, wohlbereitet dem Herrn zu jeglichem guten Werke; wenn er es [S. 79] aber besudelt in Sünden, daß es dann sein werde ein Gefäß des Zornes zum Untergange. Wenn aber Jemand über die Glorie der Auferstehung selbst und über die Größe der Verheißung ein Mehreres zu wissen verlangt, so wird er Solches in fast allen göttlichen Schriften angezeigt finden. Wenn wir hiervon nur der Erinnerung wegen einiges wenige an dieser Stelle erwähnen, so wollen wir zugleich das von Dir 1 aufgetragene Werkchen zu Ende führen. Der heilige Paulus also bezeugt, daß das sterbliche Fleisch auferstehen werde, mit folgenden Argumenten: "weil," sagt er, "wenn es eine Auferstehung nicht gibt, auch Christus nicht auferstand den ist. 2 Wenn aber Christus nicht auferstanden ist, dann ist eitel unsere Predigt, leer unser Glaube." 3 Und ein wenig später: "Nun aber ist Christus von den Todten auferstanden, der Erstling der Entschlafenen: denn durch einen Mensch ist der Tod und durch einen Menschen die Auferstehung von den Todten. Denn gleichwie in Adam Alle sterben, so werden auch in Christo Alle lebendig gemacht werden: ein Jeder aber in seiner Ordnung. Der Erstling ist Christus, darnach die, welche Christo angehören in seiner Ankunft: dann ist das Ende." Und in der Folge fügte er auch Dieses bei: "Siehe ein Geheimniß sage ich euch: Alle zwar werden wir auferstehen, nicht alle aber werden wir verwandelt werden. (Oder ähnlich, wie wir es in andern Exemplaren finden.) Alle zwar werden wir schlafen, nicht alle aber verwandelt werden: plötzlich, in einem Augenblick, beim Schall der letzten Posaune. Denn erschallen wird die Posaune, und die Todten werden unverweslich auferstehen, und wir werden verwandelt werden." Gleicher Weise schreibt er aber auch an die Thessalonicenser und sagt: "Wir wollen euch aber, Brüder, nicht in Unwissenheit lassen über die Entschlafenen, daß ihr nicht betrübt seid wie die Übrigen, die keine Hoffnung haben. Denn wenn wir glauben, [S. 80] daß Jesus gestorben und auferstanden ist, so wird auch Gott die, welche entschlafen sind durch Jesus, mit ihm herzuführen. Denn das sagen wir euch als das Wort des Herrn, daß wir, die wir leben und übrig bleiben bis zur Ankunft des Herrn, denen, die entschlafen sind, nicht zuvorkommen werden: denn der Herr selbst wird beim Aufgebot und bei der Stimme des Erzengels und bei der Posaune Gottes vom Himmel herabsteigen und die Todten, die in Christo sind, werden zuerst auferstehen. Dann werden wir, die noch leben, die übrig geblieben sind, zugleich mit ihnen entrückt werden in Wolken, Christo entgegen in die Lüfte und werden so immerdar bei dem Herrn sein." 4

1: D.i. der Bischof Laurentius.
2: 1Kor.15,13.
3: Ebd. V. 14.
4: 1Thess 4,12 ff.

 

 

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Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Einleitung: Rufin's Leben und Schriften.

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger