Titel newsletter aktuell suche Titel werke start
Rufin von Aquileia (345–411/412) - Kommentar zum apostolischen Glaubensbekenntnis (Expositio Symboli)

35.

Es folgt sodann: "eine heilige Kirche."

Schon oben wurde der Grund angegeben, warum es auch hier nicht heißt: "in eine heilige Kirche." Diejenigen also, welche vordem belehrt wurden, an den einen Gott zu glauben in dem Geheimniß der Trinität, müssen auch Dieses glauben, daß es eine heilige Kirche gibt, in welcher ein Glaube ist und eine Taufe, in welcher geglaubt wird an den einen Gott den Vater, an den einen Herrn Jesus Christus, seinen Sohn, und an den einen heiligen Geist. Das ist also die heilige Kirche, die keine Makel hat noch Runzel. Es haben nämlich auch viele Andere kirchliche Gemeinschaften zusammengebracht, wie Marcion, Valentinus, Ebion, Manichäus und Arius und alle übrigen Häretiker. Aber jene Kirchen sind nicht frei von Makel oder der Runzel der Treulosigkeit, und deßhalb sagte von ihnen der Prophet: [S. 72] "Ich hasse die Versammlung der Böswilligen, und mit den Gottlosen will ich nicht zusammensitzen." Von dieser Kirche aber, welche den Glauben Christi unverfälscht bewahrt, höre man, was der heilige Geist im hoben Liede sagt: "Eine ist meine Taube, eine die Vollendete ihrer Gebärerin." 1 Wer also diesen Glauben in der Kirche empfängt, der möge nicht abbiegen zu dem Unterfangen der Gottlosigkeit und nicht einherwandeln mit denen, die Übles unternehmen. Ein gottloses Unterfangen ist es, dessen sich Marcion schuldig macht, indem er läugnet, daß der Vater Christi Gott der Schöpfer sei, der durch seinen Sohn die Welt gemacht hat. Ein gottloses Unterfangen ist es. wenn Ebion lehrt, man müsse in der Weise an Christus glauben, daß die fleischliche Beschneidung, die Haltung des Sabbaths, die feierlichen Opfer und alle übrigen Gebräuche nach dem Buchstaben des Gesetzes gehalten würden. Ein gottloses Unternehmen ist es, wenn Manichäus lehrt, einmal daß er selbst der Paraklet sei, dann wenn er sagt, die Welt sei von einem bösen Princip gemacht, Gott sei nicht ihr Schöpfer, und wenn er das alte Testament verwirft: wenn er behauptet, es gebe eine gute und eine böse Natur, die sich gegenseitig widerstritten: wenn er nach den Pythagoräern lehrt, die menschlichen Seelen, die mit Gott gleich ewig seien, kehrten in verschiedenen Phasen der Geburt zurück in Viehheerden, Thiere und Bestien: wenn er die Auferstehung unseres Fleisches läugnet: wenn er von dem Leiden und der Geburt des Herrn behauptet, daß sich diese nicht wahrhaft im Fleische, sondern nur in Scheinbildern vollzogen hätten. Eine Sekte der Gottlosigkeit ist die des Paul von Samosata und seines Nachfolgers Photin, die da behaupten, Christus sei nicht geboren von Ewigkeit aus dem Vater, sondern er habe aus Maria seinen Anfang genommen: und er sei nicht Gott, der als [S. 73] Mensch geboren worden, sondern aus einem Menschen sei er Gott geworden. Eine Sekte der Gottlosigkeit ist die des Arius und Eunomius, welche lehren, der Sohn Gottes sei nicht aus der eigenen Substanz des Vaters geboren, sondern er sei aus Nichts erschaffen: der Sohn Gottes habe einen Anfang und sei geringer als der Vater: und die auch behaupten, der heilige Geist sei nicht nur ein Geringerer als der Sohn, sondern auch ein Sendling. Eine Sekte der Gottlosigkeit bilden auch Diejenigen, welche zwar zugeben, daß der Sohn Gottes von der Substanz des Vaters sei, den heiligen Geist davon aber trennen und ausschließen: da doch der Heiland im Evangelium uns eine und dieselbe Kraft und Gottheit der Dreieinigkeit zeigt, wenn er sagt: "Taufet alle Völker im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes." 2 Gottlos ist es offenbar, wenn ein Mensch Dasjenige auseinanderreißt, was göttlich verbunden ist. Eine Sekte der Gottlosigkeit ist auch diese, welche ehedem sich bildete durch die hartnäckige und nichtswürdige Behauptung, Christus habe zwar das menschliche Fleisch angenommen, nicht aber auch eine vernünftige Seele: da doch sowohl dem Fleische als der Seele, sowohl dem sinnlichen Theile der menschlichen Natur als dem Geiste ein und dasselbe Heil von Christus geworden ist. Aber auch jene ist eine Sekte der Gottlosigkeit, welche Donatus in Afrika zusammengebracht, indem er die Tradition der Kirche fälschlich deutete, und jene, die Novatus in's Leben rief, indem er den Gefallenen die Buße verweigerte und die zweite Ehe in Fällen, wo ein Bedürfniß gerade ihre Eingehung verlangte, verdammte. Diese alle soll man fliehen als Sekten der Ruchlosen. Aber auch Diejenigen, wenn es etwa Solche geben sollte, von denen gesagt wird, daß sie behaupten, der Sohn Gottes sehe oder erkenne den Vater nicht so, wie er selbst vom Vater [S. 74] erkannte oder gesehen wird, oder die Herrschaft Christi werde ein Ende nehmen, oder die Auferstehung des Fleisches werde sich nicht in der unversehrten Substanz seiner Natur vollziehen; es gebe kein gerechtes Gericht Gottes gegen Alle; der Teufel werde von der verschuldeten Verdammung erlöst: von Dem allem, sage ich, soll der Gläubige sein Ohr wegwenden. Halte aber fest an der heiligen Kirche, die Gott den allmächtigen Vater und seinen eingeborenen Sohn Jesus Christus unsern Herrn und den heiligen Geist in der vollen Einheit der Substanz bekennt und glaubt, daß der Sohn Gottes geboren sei aus der Jungfrau, daß er gelitten habe für das Heil der Menschen, und daß er von den Todten auferstanden sei in demselben Fleische, in welchem er gestorben ist. Von demselben hofft sie, daß er kommen werde als Richter Aller, in ihm verkündet sie auch die Vergebung der Sünden und die Auferstehung des Fleisches.

1: Cant 6,8.
2: Mt 28,19.

 

 

Informationen
Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Einleitung: Rufin's Leben und Schriften.

Navigation
. . Mehr
. . 27.
. . 28.
. . 29.
. . 30.
. . 31.
. . 32.
. . 33.
. . 34.
. . 35.
. . 36.
. . 37.
. . 38.
. . 39.
. . 40.
. . 41.
. . 42.
. . 43.
. . Mehr

Titel Top Back Next
 
Kontakt: Griechische Patristik und orientalische Sprachen - Miséricorde - Av. Europe 20 - CH-1700 Fribourg
Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger