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Rufin von Aquileia (345–411/412) - Kommentar zum apostolischen Glaubensbekenntnis (Expositio Symboli)

19.

Hinwiederum wird berichtet, daß, als Pilatus ihn entlassen wollte, das ganze Volk geschrieen habe: "Kreuzige ihn, kreuzige ihn." Auch Dieses ist vorhergesagt durch den Propheten Jeremias, welcher den Herrn selbst sprechen läßt: "Es ist mir geworden," so sagt er, "meine Erbschaft, wie ein Löwe bin ich im Walde: er hat erhoben über mir seine Stimme, deßhalb haßte ich sie: und deßhalb," sagt er, "habe ich verlassen mein Haus." 1 Und wiederum heißt es anderswo: "Über wen habt ihr euern Mund geöffnet, und gegen wen habt ihr losgelassen eure Zungen?" 2 Als er gerichtet wurde, so steht geschrieben, schwieg er. Viele Schriftsteller legen hiefür Zeugniß ab. In den Psalmen heißt es: "Ich bin geworden wie ein Mensch, der nicht hört, der in seinem Munde keine Scheltworte hat." 3 Und wiederum: "Ich bin wie ein Tauber, der nicht hört, und wie ein Stummer, der seinen Mund nicht öffnet." 4 Und wiederum sagt ein anderer Prophet: "Wie ein Lamm vor Demjenigen, der es scheert, so hat er nicht geöffnet seinen Mund: in [S. 54] Niedrigkeit wurde sein Gericht vollzogen." 5 Es steht geschrieben, daß ihm eine Dornenkrone aufgesetzt worden sei. Man höre, was hierüber im hohen Liede Gott der Vater, in Staunen über die Ruchlosigkeit Jerusalems, sagt über die Unbild des Sohnes: "Gehet hinaus und schauet, ihr Töchter Jerusalems, die Krone, womit ihn gekrönt hat seine Mutter." 6 Aber ebenfalls der Dornen wird Erwähnung gethan durch einen andern Propheten in folgender Weise: "Und ich erwartete, daß er Trauben machte, er machte aber Dornen: und nicht Gerechtigkeit, sondern Geschrei." 7 Um jedoch das Geheimniß in seiner Tiefe aufzufassen, ist zu bemerken, daß Derjenige, welcher kam, um die Sünden der Welt hinwegzunehmen, auch die Erde von dem Fluche reinigen mußte, dessen Strafsentenz sie nach der Sünde des ersten Menschen in den Worten des Herrn empfangen hatte: "Verflucht sei die Erde in ihren Werken! Dornen und Disteln soll sie dir hervorbringen." 8 Aus dem Grunde also wird Jesus mit Dornen gekrönt, damit jenes erste Verdammungsurtheil gelöst würde. Er wird an's Kreuz gebracht, und am Holze wird das Leben der ganzen Welt aufgehangen. Sollen wir auch hierüber eine Bestätigung durch prophetische Zeugnisse geben? Man höre den Jeremias. der hiervon sagt: "Kommt und laßt uns hineinwerfen Holz in sein Brod und ihn austilgen aus dem Lande der Lebendigen ." 9 Und Moses hinwiederum sagt, indem er diese beweint: "Und es wird aufgehangen sein dein Leben vor deinen Augen, und du wirst Furcht haben Tag und Nacht, und du wirst nicht glauben an dein Leben." 10 Doch wir müssen voraneilen: denn bereits überschreiten wir das Maß der Kürze, welche wir uns vorgenommen, und ziehen die kurze Abhandlung durch weitschweifige Auseinandersetzung in die Breite. Weniges jedoch wollen wir noch zufügen, damit wir nicht den Schein [S. 55] gewinnen, als hätten wir das, was wir begonnen, geradezu aufgegeben.

1: Jer 12.
2: Jes 57.
3: Ps 37
4: Ebd.
5: Jes 53.
6: Cant 2.
7: Jes 5.
8: Gen 3.
9: Jer. 2
10: Dtn 28,66.

 

 

Informationen
Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Einleitung: Rufin's Leben und Schriften.

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger