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Rufin von Aquileia (345–411/412) - Kommentar zum apostolischen Glaubensbekenntnis (Expositio Symboli)

12.

Als Gott nämlich (um in Kürze auch einiges Fernliegende zu berühren) im Anfange die Welt erschaffen hatte, setzte er über sie und stellte ihr vor gewisse Mächte himmlischer Gewalten, damit durch diese das Geschlecht der Sterblichen regiert und geleitet würde. Daß Dieß so geschehen sei, deutet Moses in dem Gesange des Deuteronomium an, wo er sagt: "Als der Höchste die Völker theilte, stellte er fest die Grenzen derselben nach der Zahl der Engel Gottes." 1 Aber auch von diesen machten einige, wie auch Jener, welcher der Fürst der Welt genannt worden ist, von der ihnen von Gott übertragenen Gewalt nicht einen Gebrauch nach den Satzungen, unter welchen sie dieselbige empfangen hatten: und sie lehrten das menschliche Geschlecht, nicht den göttlichen Geboten zu gehorchen, sondern ihrem eigenen Treubruch sich anzuschließen; und aus dieser Quelle stammt die Abfassung der Sündenhandschrift wider uns; denn, wie der Prophet sagt, "durch unsere Sünden sind wir verkauft." 2 Ein Jeder nämlich verkauft seine Seele, der den Willen seiner Begierlichkeit thut. Durch jene Handschrift also war ein Jeder jenen nichtswürdigen Gewalten verfallen, eine Handschrift, welche Christus, als er kam, getilgt und so jene ihrer Gewalt entblößt hat. Dieß deutet auch Paulus in tief geheimnißvoller Weise an, wenn er von ihm sagt "Vernichtend die Handschrift, welche wider uns bestand, und dieselbe anheftend an sein Kreuze führte er die Oberherrschaften und Gewalten einher und triumphirte über sie durch sich selbst." 3 Jene Führer also, welche Gott über das [S. 45] menschliche Geschlecht gesetzt hatte, und die in eine halsstarrige Tyrannei sich verkehrten, gingen dazu über, die ihnen anvertrauten Menschen anzufeinden und durch die Kämpfe der Sünde zu bekriegen, wie der Prophet Ezechiel in geheimnißvollen Worten spricht: "An jenem Tage werden die Engel ausziehen in Eile, um Äthiopien zu vernichten, und es wird Verwirrung unter ihnen sein (wie) am Tage Ägyptens, denn siehe, er kommt." 4 Von Christus nun heißt es, daß er über sie, nachdem sie ihrer hohen Macht entkleidet worden, triumphirt und die ihnen genommene Gewalt Menschen übergeben habe, wie er selbst im Evangelium zu seinen Jüngern spricht: "Siehe ich habe euch die Macht gegeben, über Schlangen und Skorpionen einherzuschreiten und über alle Macht des Feindes." 5 So hat also das Kreuz Christi Jene, welche ihre empfangene Gewalt in schlechter Weise mißbraucht haben, denen unterworfen, welche ehedem ihre Untergebenen waren. Uns aber d. h. das menschliche Geschlecht lehrt es 6 zuerst vor allem Andern der Sünde zu widerstehen bis zum Ende und den Tod gern anzunehmen aus Liebe. Dann ferner stellt uns dasselbe Kreuz ein Beispiel des Gehorsams vor Augen, wie es Jenen, die ehedem unsere Führer waren, die Strafen der Widerspenstigkeit dargestellt hat. Man höre also, wie der Apostel durch Christi Kreuz uns den Gehorsam lehren will: "So sollet ihr gesinnt sein, wie auch Christus Jesus gesinnt war: welcher, da er in Gottes Gestalt war, es für keinen Raub hielt, Gott gleich zu sein, aber sich selbst entäußerte, Knechtesgestalt annahm, den Menschen gleich und im Äussern wie ein Mensch erfunden ward, gehorsam wurde bis zum Tode, ja bis zum Tode des Kreuzes." 7 Weil Jener nun der große Lehrer ist, der gethan und gelehrt hat, deßhalb hat er den Gehorsam, den die Frommen auch mit Aufopferung des Lebens bewahren müssen, dadurch halten gelehrt, daß er selbst zuerst für denselben starb.

1: Dtn 32,8.
2: Jes 1,1.
3: Kol 2,14.15
4: Ez 30,9.
5: Lk 10,19.
6: Sc. das Kreuz.
7: Phil 2,5 ff.

 

 

Informationen
Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Einleitung: Rufin's Leben und Schriften.

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger