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, Vorwort. In: Die Briefe der Päpste und die an sie gerichteten Schreiben. Band 1: von Linus bis Pelagius II. Zusammengesetzt, übersetz, mit Einleitungen und Anmerkungen versehen von Severin Wenzlowski (Bibliothek der Kirchenväter, 1. Serie, Band 31), Kempten 1875.

Vorwort

Die Aufnahme der Papstbriefe in die „Bibliothek der Kirchenvater" bedarf wohl keiner Rechtfertigung. Zählen immerhin nur wenige der Päpste zu den Kirchenlehrern und Kirchenvätern im gewöhnlichen Sinne des Wortes, so sind sie doch alle in ihrer amtlichen Stellung die erhabensten Lehrer der Offenbarungs-Wahrheit und sind daher ihre Schriften, ganz vorzugsweise aber ihre Briefe. eine unschätzbare, überreiche und zugleich die reinste Quelle, aus welcher wir die göttliche Lehre in vollen Zügen und ungetrübter Reinheit schöpfen können. Wie wir aber in den Briefen der Päpste neben den Acten der Concilien die wichtigsten Documente für die Geschichte der Dogmen besitzen, so entrollt sich in denselben auch ein lebendiges Bild von der großartigen, die gesammte Kirche umfassenden Wirksamkeit der Päpste als Väter der Kirche, indem wir aus ihnen ersehen, wie die Päpste zu allen Zeiten mit wahrhaft väterlicher Liebe und Auctorität für das geistige wie materielle Wohl der ihrer Leitung Anvertrauten sorgten; denn in diesen Briefen sind uns aufbewahrt jene herrlichen Mahn-, Trost- und Straf-Worte, mit welchen die Päpste die Schwachen ermuthigten, die Gebeugten und Gekränkten aufrichteten, die Verächter der Ordnung und des Rechtes ohne Ansehen der Person zurechtwiesen. Die Papstbriefe liefern den unwiderleglichen, [S. 6] weil thatsächlichen Beweis für den göttlichen Primat der Nachfolger Petri, da sie uns zeigen, wie man in ihnen allenthalben Diejenigen erkannte, von welchen man sich nach Christi Wort im Glauben und in allen Fragen und Stürmen des Lebens bekräftigen lassen solle und auch wirklich bekräftigt wird. Die Kenntniß der Papstbriefe ist daher für das gründliche Studium der Theologie, insbesondere aber der Dogmatik, der Kirchengeschichte und des Kirchenrechtes geradezu unentbehrlich.

Ausführlicher muß ich mich über die Durchführung und Anordnung meiner Arbeit erklären. Bekanntlich exstiren von den Päpsten echte und unechte Schreiben, von vielen nur oder auch einzelne vorkommende Brief-Fragmente (gleichfalls echte und unechte). Bezüglich der echten Briefe nun konnte entweder alles uns Erhaltene und Bekannte aufgenommen oder eine Auswahl getroffen werden; ich entschied mich für das Erstere; denn abgesehen davon, daß über die größere oder mindere Wichtigkeit eines Stückes verschiedene Urtheile möglich sind, schien mir der Vorzug der (erreichbaren) Vollständigkeit einer unbedeutenden Erweiterung des Umfanges werth zu sein, um so mehr, als das hieher gehörige Material in der durch die neuesten Forschungen möglichen Berichtigung und Ergänzung zum Theile noch gar nicht, zum Theile bloß in solchen Werken gesammelt ist, welche ihrer Seltenheit und ihres Umfanges wegen nur Wenigen zugänglich sind. Dieselbe Rücksicht bestimmte mich auch, alle bekannten Fragmente aufzunehmen, wozu überdieß bald ihr ehrwürdiges Alter, bald ihr Inhalt aufforderte. Was aber die unechtenSchriften betrifft, glaubte ich zwischen ihrer gänzlichen Uebergehung oder einfachen Aufzählung und ihrer vollständigen Aufnahme einen Mittelweg dahin einschlagen zu sollen, daß ich deren Inhalt kurz, doch so anführte, daß eine richtige und vollständige Vorstellnng von denselben ermöglicht wird; nur was Gratian aus ihnen in sein den ersten Theil des Corpus juris canonici bildendes Decret aufnahm, ist mit Bemerkung wichtigerer Abweichungen vom Originale voll- [S. 7] ständig übersetzt.1 Auch den von allen bisherigen Sammlern der Papstbriefe aus guten Gründen adoptirten Gebrauch, nicht nur die Briefe der Päpste, sondern auch die an sie gerichteten Schreiben einzureihen, behielt ich bei, schon deßhalb, weil sie größtentheils zum richtigen Verständnisse der hierauf erfolgten Antwortschreiben nothwendig sind.

Demnach werden die den einzelnen Päpsten gehörenden Stücke je nach deren Beschaffenheit in drei Abtheilungen vorgeführt werden: in der ersten die echten und vollständigen, in der zweiten die Fragmente, in der dritten die unechten Schreiben, denen zum Schlusse eine Aufzählung der verloren gegangenen Schriften folgen wird. Die historischen und kritischen Einleitungen setzte ich den einzelnen Stücken unmittelbar voraus, hierin Coustant's Manier des leichteren Gebrauches wegen jener des Herrn Thiel vorziehend, welcher die Einleitungen zu den sämmtlichen von ihm edirten Briefen vereint dem ununterbrochenen Texte vorausschickte. Dagegen glaubte ich, um den ohnehin großen Umfang der Arbeit nicht noch zu erweitern, von der Abfassung kurzer Biographien der einzelnen Päpste Umgang nehmen zu sollen und auch unbeschadet der Brauchbarkeit der Sammlung zu können, da dieselben nicht unmittelbar zum Zwecke der Arbeit gehören und, was hieraus zum Verständnisse der Schriften nothwendig oder nützlich ist, in den Einleitungen und Anmerkungen gesagt wird.

Der Text der echten Schriften ist im Großen und Ganzen bis Leo I. aus Coustant, von Leo I. selbst aus der Ballerini'schen Edition der sämmtlichen Werke Leo's I. von Hilarus bis Hormisdas aus Thiel entnommen; für [S. 8] die unechten Schreiben sind in erster Linie die von Dr. Paul Hinschius edirten Decretales pseudoisidorianae benützt. Namentlich für die Papstbriefe bis Leo I. wäre gewiß Manches richtiger und vollständiger anzugeben möglich gewesen, wenn die schon lange vorbereitete, am 8. Dezember 1869 angekündigte, großartige Conciliensammlung, welche Dr. Nolte auf Grund des großen Mansi'schen Werkes ediren wollte, wirklich erschienen wäre, gleichwie es für die letzte Periode (von Johannes I bis Pelagius II) sehr bedauerlich ist, daß wir auf eine Fortsetzung des Thiel 'schen Meisterwerkes seit 1868 sehnsüchtigst, aber bisher vergebens warten. Alle übrigen für den Text wie für die Einleitungen und Anmerkungen benutzten und zu benützenden Quellen und Hilfswerke an dieser Stelle aufzuzählen, geht schon wegen deren großen Anzahl, die durch den bedeutenden Umfang wie durch die Wichtigkeit des Gegenstandes bedingt ist, nicht an; sie werden an dem jeweiligen Benützungsorte angegeben werden; hier möge die Versicherung genügen, daß ich bemüht war, durchgehends die neuesten Forschungen zu verwerthen, wobei ich erwähnen muß, daß mit Rücksicht auf den mir vorgezeichneten Plan in der Regel nur die Resultate derselben verzeichnet sind und nur ausnahmsweise in eine weitläufigere Discussion eingegangen wurde.

Somit übergebe ich meine, ich darf es sagen, mit Lust und Liebe unternommene Arbeit der gütigen Nachficht der geehrten Leser; sollte durch Gottes Gnade dieselbe in einem derselben die Ergebenheit und Anhänglichkeit an das sichtbare Oberhaupt der Kirche befestigen und vermehren, bei so manchem Freunde der „Bibliothek der Kirchenväter" eine gerechte und vorurtheilsfreie Anschauung über das Wirken und Streben der Päpste vorbereiten helfen, so finde ich hierin den schönsten Lohn für meine Mühe.

Klosterneuburg am Feste des hl. Clemens, Papstes und Märtyrers, 1874

Der Übersetzer.

1: Bekanntlich ist der Stoff für die unechten stücke der pseudoisidorischen Sammlung keineswegs rein ersonnen, sondern vielfach den Schriften von Kirchenvätern und Kirchenschriftstellern entnommen; ein Grund mehr, solche stücke nicht schlechthin von unsrer Uebersetzung auszuschließen.

 

 

Informationen
Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis

Einleitung zu:
Echte und unechte Papstbriefe 1 (42-309) (Papstbriefe)

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger