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Cassian († 430/35) - Sieben Bücher über die Menschwerdung Christi (De incarnatione Domini contra Nestorium)
Siebentes Buch

30. Nun fügt er noch den hl. Johannes Chrysostomus hinzu.

Nun höre, was Johannes, die Zierde der Bischöfe von Konstantinopel, dessen Heiligkeit ohne jeden Sturm heidnischer Verfolgung zu dem Verdienste des Martertums gelangte, über die Menschwerdung des Sohnes Gottes gedacht und gepredigt habe! Er sagt: „Jenen, welchen nicht Himmel, nicht Erde, nicht die Meere oder irgend ein Geschöpf hätten halten können, wenn er in der bloßen Gottheit [S. 628] gekommen wäre, ihn hat, ohne Schaden zu nehmen, der Schoß der Jungfrau getragen.“ Wenn du auch die andern nicht beachten wolltest, so hättest du doch gewiss den Glauben und die Lehre dieses Mannes befolgen und bewahren sollen, da dich ja das fromme Volk aus Liebe und Sehnsucht nach ihm zu seinem Bischofe gewählt hat. Denn da es dich aus der antiochenischen Kirche zu seinem Priester nahm, aus welcher es auch jenen früher erwählt hatte, glaubte es in dir wieder zu erhalten, was ihm mit jenem dahingegangen war. Haben nun diese alle nicht längst mit prophetischem Geiste alles gesagt, was zur Vernichtung deiner Gotteslästerung gehört? Du rufst, unser Herr und Erlöser sei Christus, nicht Gott; jene aber, er sei Christus der Herr, der wahre Gott. Du lästerst, dass Maria Christusgebärerin, nicht Gottesgebärerin sei; jene leugnen nicht, dass sie Christusgebärerin sei, aber so, dass sie auch erkennen, sie sei Gottesgebärerin. Nicht nur der Inhalt ist deinen Lästerungen entgegengeset, sondern auch der Ausdruck desselben, damit wir klar einsehen, es sei längst von Gott gegen deine Lästerungen eine unerstürmbare Wehr ausgerichtet, welche mit der bereitstehenden Mauer der Wahrheit die einst kommende Macht des häretischen Augriffes brechen sollte. Und du nun, der du die herrliche Stadt so ruchlos und schamlos befleckst und das katholische, heilige Volk so schwer und tödlich ansteckst, du wagst es, in der Kirche Gottes zu stehen und zu reden und mit deinem lästernden und wütenden Geschrei Priester von stets unvsehrtem Glauben und katholischem Bekenntnisse herabzuwürdigen als sei das Volk der Stadt Konstantinopel durch den Fehler früherer Lehrer in Irrtum! Du also bist der Meister der frühern Bischöfe, du der Richter der alten Priester, du ausgezeichneter als Gregor,1 bewährter als [S. 629] Nektarius,2 vortrefflicher als Johannes3 und als alle Priester der orientalischen Städte, welche, wenn auch nicht denselben Ruhm wie die genannten, so doch denselben Glauben hatten? Und das genügt ja für diese Sache; denn wenn es sich um den Glauben handelt, so sind alle in dem, worin sie die Genossen der Besten sind, den Besten auch gleich.

1: Gregor v. Nazianz, der bis 381 Bischof von Konstantinopel war und freiwillig abdankend dem Neide und Streite wich.
2: Nektar. Sein Nachfolger, + 397.
3: Johannes Chrysostomus, der Nachfolger des vorigen, 397-407, ist ohnehin bekannt.

 

 

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Einleitung zu den sieben Büchern über die Menschwerdung Christi
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger