Cassian († 430/35) - Sieben Bücher über die Menschwerdung Christi (De incarnatione Domini contra Nestorium) Siebentes Buch
26. Zu den genannten kommt auch das Zeugnis des hl. Hieronymus. Hieronymus, der Lehrer der Katholiken, dessen Schriften in der ganzen Welt wie göttliche Leuchten glänzen, sagt in dem Buche an Eustochium: ,,Der Sohn Gottes ist für unser Heil Sohn des Menschen geworden; zehn Monate wartet er im Schoße, dass er geboren werde, und jener, in dessen Hand die Welt eingeschlossen ist, wird von der engen Krippe umfangen.“ Ebenso steht in seinem Kommentare zu Jesaja:1 „Denn der Herr der Kräfte, der da ist ein König der Herrlichkeit, er selbst stieg herab in den jungfräulichen Schoß und ging ein und aus durch die Pforte des Aufganges (Ostens).2 welche immer geschlossen ist. Von ihm sprach Gabriel zu der Jungfrau:3 „ „Der hl. Geist wird auf dich herabkommen, und die Kraft des Allerhöchsten wird dich überschatten. Deshalb wird auch das Heilige, welches aus dir geboren werden wird, Sohn Gottes genannt werden.“ “ Und in den Sprichwörtern heißt es:4 „Die Weisheit erbaute sich ein Haus.“ “ Vergleiche nun dies, wenn es dir beliebt, mit deiner Lehre oder vielmehr deiner Gotteslästerung, da du sagst: „Gott ist ja der Schöpfer der Monate und nicht die Frucht der Monate.“ Aber sieh, Hieronymus, ein Mann von größter Wissenschaft, sowie von ganz bewährter und reiner Lehre, bezeugt fast mit denselben Worten den Sohn Gottes als eine Frucht der [S. 624] Monate, mit welchen du leugnest, dass er eine solche denn „zehn Monate“ sagt er, „wartete er im Schoße, um geboren zu werden.“5 Scheint dir aber vielleicht die Autorität dieses Mannes noch zu klein, so glaube, dass eben dasselbe alle und mit den gleichen Worten sagen; denn wer immer nicht leugnet, dass der Sohn Gottes eine Frucht der Jungfrau sei, der bekennt, dass er eine Frucht der Monate sei.
1: zu Jes 7:14 2: Ez 44:1;2 3: Lk 1:35 4: Spr 9:1 5: Die Stelle ist aus dem 22. Briefe des hl. Hieronymus an die gottgeweihte Tochter der Römerin Paula, Eustochium, „über die Bewahrung der Jungfräulichkeit.“ Die „zehn Monate“ können uns etwas befremden, allein Salomon sagt ja ebenso, Weish 7:2, und wir haben eben 9 Monate als voll, den zehnten als angefangen zu denken. Dem entspricht die Zeit von 276 Tagen vom 25. März bis 25. Dez., welche den Monat zu 30 Tagen gerechnet, 9 Monate und 6 Tage gibt. Siehe August. de Trinitat. 1. 4, c. 5.
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