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Cassian († 430/35) - Sieben Bücher über die Menschwerdung Christi (De incarnatione Domini contra Nestorium)

Fünftes Buch

1. Er geht nun auf das Heftigste vor gegen die Pelagianisten, welche behaupten, Christus sei ein bloßer Mensch.

[S. 519] Wir haben im ersten Buche gesagt, daß diese Häresie, eine Schülerin und Nachahmerin der pelagianischen, Das auf jede Weise erstrebt und erkämpft habe, daß unser Herr Jesus Christus, der Sohn Gottes, der aus der Jungfrau Geborene, nur für einen bloßen Menschen gehalten würde, so daß er nach betretenem Tugendpfade durch sein frommes, religiöses Leben erreicht habe, wegen der Heiligkeit seines Lebens würdig zu werden der Vereinigung mit der göttlichen Majestät. So war die Würde seines hochheiligen Ursprunges völlig von ihm ausgeschlossen, und ihm nur die Erwählung wegen seiner Verdienste gelassen. Dabei war es ihr Streben und Mühen, ihn gleichsam in die allgemeine Menge herabzudrängen und dem großen Haufen des Menschengeschlechtes beizugeben, um sagen zu können, alle Menschen vermöchten durch einen Wandel voll guter Thaten Dasselbe [S. 520] zu verdienen, was Jener durch sein gutes Leben verdient habe. Wahrhaftig eine Behauptung voll Pest und Tod, welche Gott das ihm wahrhaft Zukommende abspricht, den Menschen Falsches verheißt und in Beidem wegen schändlicher Lüge zu verdammen ist, da sie Gott eine sakrilegische Unbild anthut, und den Menschen zu falschen Hoffnungen und Forderungen verleitet. Ja es ist die verkehrteste und gottloseste Behauptung, wenn man der Sterblichkeit zuschreibt, was sie nicht war, und Gott nimmt, was er war. Indem nun also diese neue, eben entstandene Häresie gleichsam die Asche dieser verderblichen und tödlichen Verkehrtheit wieder zum Leben erweckt, erregt sie in den alten Funken einen neuen Brand. Sie lehrt also, daß der Herr Jesus Christus als bloßer Mensch geboren wurde; und was brauchen wir dann noch zu untersuchen, ob sie in den Folgerungen von gleicher Verkehrtheit ist, wenn sie im Hauptsatze dieselbe Schändlichkeit enthält? Ist’s ja doch überflüssig, zu warten, wie sie im Nachfolgenden sein werde, wenn sie schon im Anfange keinen Grund zum Abwarten ließ. Oder welchen Grund hat man denn, zu untersuchen, ob sie nach Ähnlichkeit der frühern Häresie dem Menschen das Gleiche verspreche, wenn sie, was doch das schrecklichste Verbrechen ist, Gott das Gleiche nimmt? So kommt es, daß es fast gottlos ist, zu untersuchen, was folgt, wenn wir sehen, was vorausgegangen ist; als ob in dem Nachfolgenden irgend ein Grund beigebracht werden könnte, mit welchem sich beweisen ließe, daß Derjenige nicht gottlos sei, welcher Gott läugnet. Es lehrt also, wie wir schon oft gesagt haben, die neue Häresie, daß der Herr Jesus Christus nur als bloßer Mensch aus der Jungfrau geboren worden sei, und daß deßhalb Maria nicht Gottesgebärerin, sondern Christusgebärerin zu nennen sei, als Mutter Christi, nicht Gottes. Sie fügt dann noch der sakrilegischen Behauptung Beweise bei, die ebenso verkehrt als leichtfertig sind, und sagt: Niemand gebiert Einen, der vor ihm war. Als ob die Geburt des eingeborenen Gottes, die von den Propheten vorhergesagt, und seit Jahrhunderten verkündet worden war, nach [S. 521] menschlichen Begriffen zu behandeln oder abzuschätzen sei! Oder, o Häretiker, wer du auch immer seiest, der du über ihre Geburt lästerst — hat vielleicht die Jungfrau Maria Das, was geschehen ist, aus eigenen Kräften gethan und vollendet, daß ihr in einer so großen Sache und bei einem so großen Werke die menschliche Schwäche entgegengehalten wird? Wenn also in dieser Sache etwas durch Menschenwerk geschehen ist, dann suche nach menschlichen Verhältnissen; wenn aber alles Geschehene Gottes Macht ist, was achtest du dann auf die menschliche Unmöglichkeit, wenn du doch siehst, daß die Wirksamkeit eine göttliche ist? Aber das Weitere hierüber nachher; für jetzt wollen wir ausführen, was wir kurz vorher angefangen haben zu sagen, damit Alle wissen, daß du in pelagianischer Asche Feuer suchst und mit neuem gottesräuberischem Hauche alle Funken aufweckst.

 

 

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Einleitung zu den sieben Büchern über die Menschwerdung Christi
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger