Cassian († 430/35) - Sieben Bücher über die Menschwerdung Christi (De incarnatione Domini contra Nestorium) Viertes Buch
13. Er führt nun aus, an wessen Stelle der Prophet sich gestellt habe, in jenen Worten: „Du bist unser Gott, und wir wussten es nicht.“ Er sagt also: „Du bist unser Gott, und wir wussten es nicht, Gott, der Erlöser Israels.“ Von welchen nun glaubst du am ehesten, dass sie so sagen? Auf wen glaubst du, dass es besser passe, auf die Juden oder auf die Heiden? Wenn auf die Juden — nun, die Juden haben sicherlich Christum nicht erkannt nach jener Stelle:1 „Israel aber hat mich nicht erkannt, und mein Volk mich nicht verstanden.“ Und nach der andern Stelle:2 „Und die Welt ist durch ihn gemacht, und die Welt erkannte ihn nicht; er kam in sein Eigentum, und die seinen nahmen ihn nicht auf“ [S. 517] Wenn aber auf die Heiden — nun so ist es offenbar, dass das Heidentum, welches von seinen Götzen eingenommen war, Christum nicht kannte, da es ja auch den Vater nicht kannte, und wenn es ihn jetzt kennt, ihn nur durch Christum kennt. Du siehst also, dass das gleubige Volk, mag es aus den Heiden stammen oder aus den Juden, ganz gut von sich sagt: „Du bist unser Gott, und wir wussten es nicht, Gott, Israels Erlöser.“ Ja, weder die Heiden, welche früher Götzen verehrten, kannten Gott, noch haben die Juden, welche den Herrn verleugneten, den Sohn Gottes erkannt, und deshalb sagen sowohl jene als diese ganz gut von Christo: „Du bist unser Gott, und wir wussten es nicht ;“ denn jene, welche nicht glaubten, kannten Gott ebenso wenig als jene, welche den Sohn Gottes leugneten. So muss also Christus geglaubt werden, wie die Wahrheit sagt, wie die Gottheit bezeugt, wie endlich Christus selbst predigt, der beides ist. Wozu nun, unseliger Wahntrieb, suchst du dich zwischen Gott und Christus hineinzudrängen? Wozu verlangst du, von dem Sohne Gottes seinen Leib zu trennen und strebst, Gott von sich selbst zu scheiden ? Vereintes zerteilst du und eng Verbundenes trennst du! Glaube doch in betreff Gottes dem Worte Gottes; denn durch nichts kannst du die göttliche Natur Gottes überhaupt besser bekennen, als wenn du ebendasselbe, was die Gottheit von sich lehrt, als dein Bekenntnis aussprichst. Denn wisset, dass, nach dem Propheten.3 „der Herr selbst Gott ist, der ausfindig machte jeglichen Weg der Zucht; - der wirklich auf Erden gesehen wurde und unter den Menschen wandelte. Er selbst brachte das Licht des Glaubens in die Welt, er zeigte das Licht des Heils; denn „Gott ist der Herr und leuchtete uns auf.“ Diesen also glaube, ihn liebe, ihn bekenne; denn wenn ihm, wie geschrieben steht, jedes Knie sich beugen wird derer, die im Himmel, auf Erden und unter der Erde sind, und jede Zunge bekennen wird, dass der Herr Jesus [S. 518] Christus ist in der Herrlichkeit Gottes des Vaters: so wirst du, magst du nun wollen oder nicht, eingestehen müssen, dass der Herr Jesus Christus in der Herrlichkeit Gottes des Vaters ist. Denn das ist das volle Gewicht eines vollkommenen Bekenntnisses, einzugestehen, dass unser Gott und Herr Jesus Christus immer sei in der Herrlichkeit Gottes des Vaters, Amen. [S. 519]
1: Jes 1:3 2: Joh 1:10;11 3: Bar 3:37
|