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Cassian († 430/35) - Sieben Bücher über die Menschwerdung Christi (De incarnatione Domini contra Nestorium)
Drittes Buch

5. Wie es eine Gotteslästerung ist, Christo die Gottheit zu nehmen, so ist es auch gotteslästerlich, zu läugnen, daß er wahrer Mensch sei.

[S. 474] „Sondern durch Christus Jesus“, sagt er, „und Gott den Vater, der ihn auferweckt hat von den Todten.“ Da der in allweg herrliche und bewunderungswürdige Lehrer wohl wußte, daß unser Herr Jesus Christus wie als wahrer Gott, so auch als wahrer Mensch zu verkünden ist, so predigt er immer die Majestät der Gottheit, die in ihm ist, so daß er auch das Bekenntnis der Menschwerdung durchaus nicht wegläßt. Er schließt also vollständig sowohl das Scheinbild des Marcion1 durch die wahre Menschwerdung aus, als auch die Armseligkeit des Ebion durch die vollkommene Gottheit; damit nemlich nicht durch die Verkehrtheit einer dieser beiden Gotteslästerungen unser Herr Jesus Christus entweder nur für einen Menschen ganz ohne Gott, oder für Gott ohne den Menschen gehalten werde. Treffend also fügt der Apostel seiner Erklärung, daß er wie von Gott dem Vater, so auch von Gott dem Sohne gesandt sei, sogleich das Bekenntniß der Menschwerdung des Herrn bei, indem er sagt: „Der ihn auferweckte von den Todten.“ Er lehrt also, daß der wahre Leib des menschgewordenen Gottes von den Todten erweckt worden sei, gemäß jener Stelle: „Und wenn wir Christum dem Fleische nach kannten“ — wo er gut beifügt: „aber wir kennen ihn nicht mehr.“ Denn das behauptet er an ihm dem Fleische nach zu kennen, daß er auferweckt wurde von den Todten; aber darin kenne er ihn nun nicht mehr dem Fleische nach, daß er ihn nun nach Entfernung der fleischlichen Gebrechlichkeit [S. 475] nur mehr in der Kraft Gottes wisse. Er ist nemlich ein treuer und ganz geschickter Zeuge der zu verkündenden Gottheit des Herrn, da er am Anfange seiner Berufung vom Himmel in Zucht genommen die Majestät unseres von den Todten erweckten Herrn Jesus Christus nicht nur mit dem Glauben in seinem Innern erfaßte, sondern sie auch mit den Augen des Leibes bewährt gefunden hatte.

1: Marcion hatte um das Jahr 150 in Verbindung mit dem syrischen Gnostiker Cerdo zu Rom sein gnostisches System ausgebildet und lehrte wie später (ca. 270) der Perser Mani, der Vater der Manichäer, unter Anderm, daß Christus nur einen Scheinleib gehabt haben könne, da ja das Fleisch wie die ganze Materie wesentlich böse und einem bösen Princip entstammt sei.

 

 

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Einleitung zu den sieben Büchern über die Menschwerdung Christi
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger