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Makarius, ps./ Symeon von Mesopotamien (4. Jhd.) - Fünfzig geistliche Homilien
45. Homilie.

5.

[S. 323] Ist in der Welt ein Weib reich, besitzt sie viel Vermögen und ein prächtiges Haus, ist sie aber ohne Schutz, so sind derer, die kommen, sie zu schädigen und ihre Wohnungen zu veröden, gar viele. Des Übermutes satt geht sie umher und sucht sich einen kräftigen, tauglichen und in allem bewanderten Mann. Hat sie nach vielem Mühen einen solchen Mann bekommen, so freut sie sich dessen, er gilt ihr als starke Mauer1. Ebenso ist die Seele seit dem Fehltritt viel von der feindlichen Macht bedrängt. Infolge der Übertretung des Gebotes ward sie zu einer großen Wüste, Witwe, vereinsamt und verlassen vom himmlischen Gemahl, ein Spielball all der feindlichen Mächte. Denn sie haben ihre Sinne verkehrt und ihr den himmlischen Sinn geraubt, so daß sie nicht mehr sieht, was von denselben gegen sie geschieht, sondern glaubt, es sei von Anfang so gewesen. Lernt sie dann durch die Predigt ihre Verlassenheit und Vereinsamung einsehen und seufzt sie im Angesichte „des menschenfreundlichen Gottes“2, so findet sie Leben und Heil. Warum? Weil sie wieder zu ihrer Verwandtschaft zurückgekehrt ist. Denn keine andere Verwandtschaft bringt solchen Nutzen wie die der Seele mit Gott und Gottes mit der Seele. Gott hat verschiedene Arten von Vögeln geschaffen: Die einen so, daß sie ihre Schlupfwinkel auf dem Lande suchen und dort ihre Lebensmittel und ihre Ruhe finden; die andern aber hat er so eingerichtet, daß sie ihren Aufenthalt im Wasser [S. 324] nehmen und da ihren Lebensunterhalt bekommen. Er hat auch zwei Welten geschaffen: Die obere [schuf] er für „die dienenden Geister“3 und bestimmte, daß sie dort leben sollten; die untere aber für die Menschen, die unter dieser Luftschicht sind. Er schuf Himmel und Erde, Sonne und Mond, Wasser, Fruchtbäume und Lebewesen mannigfacher Art. Allein in nichts von dem ruhet Gott. Die ganze Schöpfung ist von ihm beherrscht und dennoch hat er sich darin keinen Thron errichtet und keine Gemeinschaft damit geschlossen. Nur im Menschen wollte er [ruhen], mit ihm ging er Gemeinschaft ein, er ward seine Ruhestätte. Siehst du nun die Verwandtschaft Gottes mit dem Menschen und des Menschen mit Gott? Die einsichtige und verständige Seele umgeht darum alle Geschöpfe und findet Ruhe für sich nur im Herrn. Und der Herr hat beschlossen, nirgends als im Menschen [zu ruhen].

1: Es ist wohl kein Zufall, daß auf das klassische Beispiel aus der griechischen Literatur sofort ein zweites folgt, das, wie gleichfalls Stiglmayr (Sachliches und Sprachliches bei Mak. S. 57 f.) festgestellt hat, offenkundig an eine Persönlichkeit aus dem homerischen Sagenkreise erinnert, nämlich an die von den übermütigen Freiern hartbedrängte Penelope.
2: Tit. 3, 4.
3: Hebr. 1, 14.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger