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Leo der Grosse († 461) - Sämtliche Sermonen (Sermones)

Sermo LII-LXX: Neunzehn Passionspredigten.

Sermo LII. 1. Predigt über das Leiden des Herrn.

1.

Das Geheimnis des Leidens, das unser Herr Jesus, der Sohn Gottes, für die Erlösung der Menschheit auf sich nahm und durch welches er seinem Versprechen gemäß, nachdem er erhöht war, alles an sich zog1 , ist uns im Evangelium so ausführlich und anschaulich erzählt2 , daß die verlesenen Worte auf fromme und gottesfürchtige Hörer denselben Eindruck machen, als ob sie denselben Hergang mit eigenen Augen gesehen hätten. Da nun die Darstellung der Heiligen Schrift unbestreitbare Glaubwürdigkeit besitzt, so müssen wir mit Hilfe des Herrn darnach streben, auch mit unserem Geiste klar zu erfassen, womit uns die Geschichte bekannt gemacht hat. Denn seit jenem ersten und allgemeinen Sündenfalle, demzufolge "durch einen einzigen Menschen die Sünde in die Welt kam und durch die Sünde der Tod, und so der Tod auf alle Menschen überging, weil alle in jenem gesündigt haben"3 , könnte niemand der schrecklichen Herrschaft des Satans entgehen und niemand die Bande seiner grausamen Gefangenschaft von sich streifen, könnte keiner mehr den Weg zur Verzeihung finden oder den Pfad, der ihn zum Leben zurückführt, wenn sich nicht der mit seinem göttlichen Vater gleich ewige und wesensgleiche Sohn Gottes dazu herabließe, auch des "Menschen Sohn" zu sein, wenn er nicht käme, "zu suchen und selig zu machen, was verloren war"4 . So sollte also durch unseren Herrn Jesus Christus die "Auferstehung" von den Toten kommen, wie durch Adam der "Tod" gekommen war5 . Wenn nun auch nach dem unerforschlichen Ratschlusse der göttlichen Weisheit erst in jüngstvergangenen Tagen, "das Wort Fleisch geworden ist"6 , so war doch die Geburt der uns das Heil bescherenden Jungfrau nicht bloß für die Geschlechter der letzten Zeit von Nutzen. Nein, auch den früheren Jahrhunderten gereichte sie zum Segen. Die Gesamtheit derer, die im Altertum den wahren Gott verehrten, die ganze Schar der Heiligen verflossener Zeiten, sie alle lebten vielmehr in diesem Glauben und fanden durch ihn Gottes Wohlgefallen. Nur die Erlösung unseres Herrn Jesus Christus brachte den Patriarchen und Propheten und allen sonstigen Frommen Rettung und Rechtfertigung. Der erwarteten und zahlreiche Weissagungen und Vorbilder verheißenen Erlösung entsprach also auch ihre gnadenreiche Verwirklichung.

1: vgl.Joh 12,32
2: Mt 26 u.27
3: Röm 5,12
4: Lk 19,10; vgl.Mt 18,11
5: vgl.1 Kor 15,22
6: Joh 1,14

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
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