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Makarius, ps./ Symeon von Mesopotamien (4. Jhd.) - Fünfzig geistliche Homilien

40. Homilie.

1.

[S. 297] Alle Tugenden und alle Laster sind untereinander verbunden und sie hängen aneinander wie ein Kettenglied am andern.

Was die äußere Übung betrifft sowie die Frage, welcher Beschäftigung der Vorzug und der erste Platz gebühre, so wisset, Geliebte: Alle Tugenden sind untereinander verbunden. Sie sind gleichsam eine geistige Kette, eine hängt von der andern ab: Der Gebetssinn von der Liebe, die Liebe von der Freude, die Freude von der Sanftmut, die Sanftmut von der Demut, die Demut von der Dienstfertigkeit, die Dienstfertigkeit von der Hoffnung, die Hoffnung vom Glauben, der Glaube vom Gehorsam, der Gehorsam von der Einfalt. Ebenso hängt auch im Gegenteil ein Laster vom andern ab: Der Haß vom Zorn, der Zorn vom Stolz, der Stolz von der eitlen Ruhmsucht, die eitle Ruhmsucht vom Unglauben, der Unglaube von der Herzenshärte, die Herzenshärte von der Nachlässigkeit, die Nachlässigkeit von der Trägheit, die Trägheit von der Sorglosigkeit, die Sorglosigkeit von der Ungeduld, die Ungeduld von der Vergnügungssucht. Auch die übrigen Glieder der Bosheit hängen aneinander, wie auch auf der guten Seite die Tugenden untereinander in Zusammenhang und Verbindung stehen1.

1: Stiglmayr (Theol. u. Glaube III (1911) 283) weist darauf hin, daß bereits Gregor von Nyssa (De virg. Migne, P. G. XLVI 344) eine solche „geistige Kette“ (πνευματικὴ ἅλυσις) [pneumatikē halysis) kennt, wenn er auch die Laster anders aufzählt. De instit. Christ. Migne l. c. 301 spricht er den Gedanken aus, daß alle Tugenden gleichmäßig aneinanderhängen und durch ihre ununterbrochenen Staffeln zum Gipfel emporführen. Ja, die elf Staffeln bei Gregor: Einfalt, Gehorsam, Glaube, Hoffnung, Gerechtigkeit, Dienstfertigkeit, Demut, Sanftmut, Freude, Liebe, Gebetssinn entsprechen genau den zehn Stufen bei „Makarius“. Nur zählt letzterer sie in umgekehrter Reihenfolge auf. Ferner fehlt bei ihm die Stufe der δικαιοσύνη [dikaiosynē] (Gerechtigkeit), vielleicht aus Versehen eines Abschreibers. Es kämen nämlich διακονία [diakonia] (Dienstfertigkeit) und δικαιοσύνη [dikaiosynē] nebeneinander zu stehen (Stiglmayr a. a. O. Anm. 1).

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger