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Makarius, ps./ Symeon von Mesopotamien (4. Jhd.) - Fünfzig geistliche Homilien
37. Homilie.

9.

Wie diese Tugenden alle [Tugenden] in sich befassen, so erzeugen sie sich auch gegenseitig. Ist die erste fort, so sind alle weg. Ebenso verschwinden mit der zweiten die folgenden u. s. f.1. Wie soll einer beten [S. 290] ohne die Wirkungskraft des Geistes? Bezeugt mir doch die Schrift: „Niemand kann sagen: Herr Jesus, außer im Heiligen Geiste“2. Wie kann der geduldig sein, der ohne die Hilfe des Gebetes sich beherrschen will? Wie wird sich der, der sich nicht in allem beherrschen kann, des Hungrigen oder des Beleidigers erbarmen? Der Unbarmherzige nimmt gewiß nicht freiwillige Armut auf sich. Ferner ist der Zorn der Milchbruder der Geldsucht, mag er nun Geld bekommen oder nicht. Die tugendhafte Seele aber wird indessen in der Versammlung auferbaut (= erhebt sich zur Vollkommenheit) nicht infolge ihrer Werke, sondern auf Grund ihres Verlangens. Denn nicht das eigene Werk rettet den Menschen, sondern der, der die Kraft dazu gegeben hat. Trüge darum auch jemand die Malzeichen des Herrn, so bilde er sich doch nichts ein, mag er was immer getan haben, sondern [halte] einzig [dafür], daß das Lieben und Werkvollbringen [der Herr bewirkt]. Glaube also nicht, in einer Tugend dem Herrn je zuvorgekommen zu sein3 gemäß dem, der spricht: „Dieser ist es, der das Wollen und das Wirken in euch schafft zu seinem Wohlgefallen“4.

1: „Mak.“ vertritt die Anschauung, daß alle Tugenden nur eine sind und der Mangel der einen den aller übrigen nach sich zieht. Dieser Gedanke ist nicht originell. Ihn kennt schon die antike Ethik, besonders Sokrates und die Stoa. In der christlichen Zeit reproduziert ihn Origenes (Comm. in Matth. 25, 12 Migne, P. G. XIII 1700 A): „Wer eine Tugend hat, der hat alle und wer eine nicht hat, der hat keine.“ Ebenso äußert sich Kassian (De coenob. instit. 5, 11 Migne, P. L. XLIX—L 226 A): „Das Wesen aller Tugenden ist nur eines.“ Siehe Stiglmayr in Theologie und Glaube III (1911) 280, 283. Auch der berühmte Schriftsteller und Asket Evagrius Pontikus († nach 400), der 16 Jahre in der nitrischen Wüste zubrachte, lehrte, „die Tugend sei ihrer Natur nach nur eine.“ Stoffels in Tübinger Quartalschrift 92, 1910, S. 1041.
2: 1 Kor. 12, 3.
3: D. h. vor Erteilung seiner Gnade wirklich etwas Gutes zustande gebracht zu haben.
4: Phil. 2, 13.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger