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Leo der Grosse († 461) - Sämtliche Sermonen (Sermones)
Sermo XXXIX-L: Zwölf Predigten auf Quadragesima.
Sermo L. 12. Predigt auf die vierzigtägige Fastenzeit.

2.

Der Unterweisung des Herrn zufolge sprechen alle Kinder der Kirche unterschiedslos in ihrem Gebete; "Vergib uns unsere Schulden, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern"!1 . Ist doch niemand so fromm und niemand so gerecht, daß er nicht während dieses Lebens, das nichts als eine Versuchung ist2 , irgendeine Sünde beginge, für die ihm Verzeihung nottut. Auf allen Seiten sind wir der Gefahr ausgesetzt, Schuld über Schuld auf uns zu laden. Von erlaubten Genüssen gehen wir über zu zügellosen Ausschweifungen, indem sich in die Sorge um unsere Gesundheit die Freude an sündhaften Vergnügungen einschleicht und sich unsere Begehrlichkeit nicht mit dem begnügt, was für die Bedürfnisse unserer Natur hinreichen könnte. Daraus entsteht auch das unersättliche Verlangen nach Besitz, daraus auch der heiße Wunsch nach Berühmtheit, indem man sich entweder auf seine Abkunft oder auf seine Nachkommenschaft etwas zugute tut und so bald in seinem Vater, bald in seinem Sohne einen Grund zum Stolze sieht. Welche Tugend bietet uns nun gegen diese und andere Versuchungen, zwischen denen verschiedenartige und unbegrenzte Beziehungen bestehen, einen angemesseneren Schutz als Enthaltsamkeit? Sie ist es, die uns die Mittel an die Hand gibt und die Kraft verleiht, die Vorzüge unseres Leibes und unserer Seele noch weiter auszubilden und zu bewahren. Von allen zum Himmel führenden Bräuchen der Kirche bringt uns daher namentlich das von Gott selbst angeordnete Fasten reichen Nutzen. Wenn sich nämlich die Wünsche unseres Fleisches den Gesetzen der Enthaltsamkeit unterordnen, so übt dies auch auf unser Innenleben einen mäßigenden Einfluß aus. Wie sich der Leib der Nahrung enthält, so die Seele des Unrechts. Sagt doch der Herr: "Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit; denn sie werden gesättigt werden!"3 . So hat also das Volk Gottes geistige Genüsse und reine Freuden, die zu ersehnen und zu erstreben ihm Heil und Anerkennung bringt. Darum preist auch der Prophet Gott mit den Worten: "Kostet und sehet, daß der Herr gütig ist!"4 . Jeder, der die überall zutage tretende Süßigkeit der Gerechtigkeit und Güte der göttlichen Vorsehung in seinem Herzen empfunden und aus dem Becher himmlischer, durch keinerlei Überdruß geschmälerter Freuden getrunken hat, wird voll Bewunderung für die Schätze der Ewigkeit alle vergänglichen und irdischen Güter geringschätzen und sich an jenem Feuer erwärmen, das Gottes Liebe5 entzündet hat. Dadurch, daß sich also Kälte in Wärme und Nacht in Licht verwandelt, befreit der Heilige Geist die Herzen der Gläubigen gleichzeitig von Sünde und Finsternis.

1: Mt 6,12
2: vgl.Job 7,1
3: Mt 5,6
4: Ps 33,9
5: in ihm

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger