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Makarius, ps./ Symeon von Mesopotamien (4. Jhd.) - Fünfzig geistliche Homilien
15. Homilie.

28.

Allein viele, in denen die Gnade ist, lassen sich trotzdem von der Sünde überlisten, ohne es zu merken. Da geht es wie in einem Hause, in dem eine junge Frau und ein junger Mann beisammen sind. Läßt sie sich, durch seine Schmeicheleien verführt, mit ihm ein, dann begeht sie Ehebruch und wird verstoßen. So ist auch die furchtbare Schlange der Sünde mit der Seele zusammen, lockt und reizt sie. Läßt sie sich mit ihr ein, dann geht die unkörperliche Seele mit der unkörperlichen Bosheit des Pneumas (= der Sünde) Gemeinschaft ein, d. h. Pneuma vereinigt sich mit Pneuma, und es begeht der, der die Einflüsterung des „Bösen“ (= des Teufels) zuläßt und in sich aufnimmt, in seinem Herzen Ehebruch.1. Deine Kampfesweise besteht also darin, [S. 137] daß du in deinen Gedanken nicht Ehebruch treibst, sondern mit deiner Vernunft widerstehst, im Innern Krieg und Kampf führst, nicht nachgibst und dich in deinen Gedanken nicht an der Bosheit freust. Findet der Herr in dir Bereitschaft hierzu, dann nimmt er dich „am jüngsten Tage“2 in sein Reich auf.

1: Schon im alten Bunde erscheint das Verhältnis Gottes zum Volke Israel als ein eheliches oder bräutliches und darum der Abfall von ihm als Ehebruch und Hurerei (Jer. 2, 2; 5, 7; 9, 10; 23, 14; Os. 3, 1 ff.; Ez. 6, 9; 16, 1 ff. u. a.). Stiglmayr (Sachl. u. Sprachl. b. Makar. S. 65) macht darauf aufmerksam, daß schon vor „Mak.“ kirchliche Schriftsteller der gleichen Auffassung huldigten. Methodius von Olymp (Conv. 6, 1 Migne, P. G. XVIII 113 C—D) schreibt: „Gott hat nach seinem eigenen Bilde die Seele geschaffen. Darum ist sie vernünftig und unsterblich; denn weil sie nach dem Bilde des Eingebornen gestaltet ist, besitzt sie . . . eine unübertreffliche Schönheit. Aber eben darum entbrennen auch die Geister der Schlechtigkeit in Liebeslust zu ihr und lauern ihr auf; sie wollen die Seele nötigen, ihr göttliches, liebenswertes Bild zu besudeln, wie denn auch der Prophet Jeremias nahelegt, der Jerusalem schilt: „Das Gesicht einer Hure hast du bekommen; alle Scham hast Du abgelegt vor Deinen Liebhabern“ (3, 3). Er meint das Jerusalem, das sich den feindlichen Mächten zur Entehrung hingab. Ja, die Liebhaber sind der Teufel und die Engel seines Anhangs; die versuchen alle ihre Künste, die vernünftige und helle Schönheit unseres Herzens zu beflecken und zu besudeln in der Vermischung mit ihnen selbst, die gieren danach, Ehebruch zu tun an jeder dem Herrn verlobten Seele“ (Deutsche Übersetzung von L. Fendt, Kempten und München 1911, S. 62 in Biblioth. der Kirchenv. Dionysius Areop. Gregorius Thaumat. Method. v. Ol. S. 332). Gregor von Nyssa (De virgin. c. 15 Migne, P. G. XLVI 384 B) „findet dieses Moment der fornicatio in den verschiedenen Arten von Sünden“, z. B. im Zorn, in der Habsucht. Stiglmayr a. a. O. Siehe auch h. 26, 13.
2: Joh. 6, 39 f. 44. 54; 11, 24; 12, 48.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger