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Makarius, ps./ Symeon von Mesopotamien (4. Jhd.) - Fünfzig geistliche Homilien
15. Homilie.

14—15.

Allein du sagst: Der Herr ist gekommen und hat durch seinen Kreuzestod „über die Sünde das Urteil gesprochen“1. Sie ist nicht mehr im Innern. Wie ein Soldat, der in jemands Haus seine Waffen niederlegt, „das Recht hat“, in jenem Haus nach Belieben ein- und auszugehen, so „hat“ auch die Sünde „die Macht“2, im Herzen sich Gedanken zu bilden. Denn es steht geschrieben: „Es fuhr der Satan in Judas Herz“3. Du sagst, durch Christi Ankunft sei „über die Sünde das Urteil gesprochen“ und nach der Taufe habe das Böse keinen Nährboden mehr, um sich im Herzen Gedanken zu machen. Weißt du denn nicht, daß alle, die seit der Ankunft des Herrn bis jetzt die Taufe empfingen, sich trotzdem zuweilen bösen Gedanken hingaben? Oder haben nicht gar manche sich zur Ruhmsucht, Unzucht und Völlerei hinreißen lassen? Oder haben alle Weltmenschen, die im Schatten der Kirche sind, ein untadeliges, reines Herz? Finden wir nicht, daß nach der Taufe viele Sünden geschehen und viele fehlen? Es hat also auch nach der Taufe der Räuber noch einen [S. 128] Nährboden, um [ins Herz] einzudringen und zu schalten, wie er will. Es steht geschrieben: „Du sollst den Herrn deinen Gott lieben aus deinem ganzen Herzen“4. Allein du sagst: Ich liebe ihn und habe den Heiligen Geist5. Denkst du an den Herrn, hast du eine inbrünstige Liebe, ein brennendes Verlangen nach ihm? Bist du Tag und Nacht davon gefesselt? Hast du eine solche Liebe, dann bist du rein. Hast du [sie] aber nicht, so forsche weiter, ob du nicht, wenn irdische Dinge, schändliche, böse Gedanken [dir in den Sinn] kamen, an diese dich kehrtest, oder aber ob deine Seele sich stets zur sehnsuchtsvollen Liebe Gottes hingezogen fühlt. Denn die weltlichen Gedanken ziehen den Geist zum Irdischen und Vergänglichen hin, sie lassen ihn nicht Gott lieben oder des Herrn gedenken. Oft begibt sich der ungebildete [Fromme] zum Gebete, beugt seine Knie und sein Geist tritt in einen Zustand wonnevoller Ruhe ein. Und je mehr er gräbt und in die Tiefe geht6, desto mehr wird die Mauer der Bosheit, die [ihm] entgegensteht, niedergerissen und er kommt zu einem Schauen und Erkennen, wozu Machthaber, Weise oder Redner nicht gelangen, so daß sie das Sublime seines Geistes nicht zu fassen oder zu begreifen vermögen. Ist er ja doch mit göttlichen Geheimnissen beschäftigt. Wer Perlen nicht zu prüfen versteht, weiß deren Wert nicht abzuschätzen, weil er eben unerfahren ist. Darum verabscheuen die Christen die Herrlichkeiten der Erde, halten diese für Mist im Vergleich zu der Herrlichkeit, die in ihnen wirksam ist.

1: Röm, 8, 3.
2: Mark. 3, 15; Luk. 12, 5; Off. 11, 6.
3: Luk. 22, 3.
4: Deut. 6, 5; Matth. 22, 37; Mark. 12, 30; Luk. 10, 27.
5: Vgl. 1 Kor. 7, 40; Jud. 19.
6: Vgl. Luk. 6, 48.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger