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Leo der Grosse († 461) - Sämtliche Sermonen (Sermones)
Sermo XXXIX-L: Zwölf Predigten auf Quadragesima.

Sermo XLIX. 11. Predigt auf die vierzigtägige Fastenzeit.

1.

Geliebteste! An allen Tagen und zu allen Zeiten gibt sich uns Gottes Güte irgendwie zu erkennen, und jeder Teil des Jahres hat seine religiösen Geheimnisse. Da wir also beständig Mittel zur Hand haben, unsere Seele zu retten, so laßt uns auch mit um so größerem Eifer der unablässig an uns ergehenden Einladung der göttlichen Barmherzigkeit Folge leisten! Was nur immer die mannigfachen Werke und Gaben der himmlischen Gnade dem Menschen zu seiner Bekehrung bieten, das wird uns jetzt alles zusammen in noch sichtbarerer Weise und in noch reichlicherem Maße vor Augen gestellt, weil1 nicht nur einzelne Ereignisse2 , sondern alle miteinander gefeiert werden sollen. Stehen wir ja, da das Osterfest naht, in der so bedeutungsvollen und heiligen Fastenzeit, die von allen Gläubigen ohne Ausnahme Beobachtung verlangt; denn niemand ist so rein und niemand so fromm, daß er nicht noch reiner und frömmer werden müßte. Wo gäbe es einen, der inmitten der Wechselfälle dieses Lebens gegen die Versuchung gefeit und frei von Schuld gefunden würde? Wer solle nicht von dem Verlangen beseelt sein, sich irgendeine Tugend zu eigen zu machen und irgendein Laster abzulegen, da uns Unglück schadet und Glück uns verdirbt und die Gefahr für uns ebenso groß ist, wenn unsere Wünsche unerfüllt bleiben, wie wenn sie im reichsten Maße gewährt werden? Gefahr liegt in großem Reichtum, Gefahr in drückender Armut. Durch jenen werden die Menschen hochmütig, durch diese unzufrieden. Der Versuchung sind wir ausgesetzt, wenn wir gesund und wenn wir krank sind; denn körperliches Wohlbefinden verleitet uns zur Gleichgültigkeit und Krankheit zur Klage. Zum Fallstrick wird uns das Selbstvertrauen, zum Fallstrick der Kleinmut. Ob unser Herz, das im Banne irdischer Dinge steht, von Freude oder Sorge erfüllt ist, das kommt auf das gleiche hinaus; denn wenn infolge eitler Genüsse unsere Kräfte schwinden, so sind wir nicht weniger krank, als wenn wir uns vor Furcht und Gram verzehren.

1: in diesen Tagen
2: unserer Heilsgeschichte

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger