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Leo der Grosse († 461) - Sämtliche Sermonen (Sermones)
Sermo XXXIX-L: Zwölf Predigten auf Quadragesima.
Sermo XLVIII. 10. Predigt auf die vierzigtägige Fastenzeit.

2.

In dieser heiligen Gemeinde, in der das gleiche geliebt und geschätzt wird, in der man die gleichen Anschauungen hegt, gibt es, Geliebteste, keinen Platz für Stolze, Neidische oder Habsüchtige. Alles, was dem Eitlen, dem Rachgierigen, dem Schwelgerischen zur Befriedigung seiner Ruhmsucht, seines Ingrimms, seiner Zügellosigkeit dient, zählt wohl bei den Anhängern des Satans , nicht aber bei denen, die mit Christus ihren Bund geschlossen haben. Aus dem Kreise, in dem die Frömmigkeit thront, ist dies alles weit verbannt. Darum knirscht auch der "Widersacher der Unschuld" und der "Feind des Friedens". " Und weil er selbst nicht in der Wahrheit bestanden"1 und durch seine Überhebung seiner herrlichen Stellung gänzlich verlustig gegangen ist2 , grämt er sich, daß der Mensch durch Gottes Barmherzigkeit erlöst und mit den von ihm verscherzten Gütern bedacht wird. Man braucht sich nicht zu wundern, daß für den "Urheber der Sünde"3 die Rechtschaffenheit derer, die Gutes tun, eine Pein ist, und daß ihm die Standhaftigkeit jener, die er nicht zu Fall bringen kann, Qualen verursacht. Gibt es doch sogar unter den Menschen solche, die sich die Werke seiner Bosheit zum Vorbild nehmen. So verzehren sich leider viele vor Neid, wenn andere Fortschritte machen. Und weil sie wissen, daß die Tugend am Laster keinen Gefallen findet, bewaffnen sie sich zum haßerfüllten Kampfe gegen die, deren Beispiel sie nicht folgen wollen. Dagegen lieben die Diener Gottes und die Jünger der Wahrheit auch jene, die nicht die gleiche Gesinnung wie sie selber haben, und kündigen mehr den Lastern als den Menschen den Krieg an, "wobei sie niemand Böses mit Bösem vergelten"4 , sondern stets eine Besserung der Fehlenden herbeizuführen trachten. Ist es doch sehr schön und dem Wohlwollen Gottes vergleichbar, wenn jeder beim Nächsten an sich selber denkt und auch im Feinde die eigene Natur liebt. Auch haben sich schon gar viele, wie wir wissen, aus den schlechtesten Menschen zu den besten umgewandelt: Trunkenbolde wurden zu Nüchternen, Grausame zu Mitleidigen, Habgierige zu Freigebigen, Unenthaltsame zu Keuschen, Aufbrausende zu Sanftmütigen. Da ferner der Herr sagt: "Ich bin nicht gekommen, um die Gerechten zu berufen, sondern die Feinde"5 , so ist es keinem Christen erlaubt, jemand zu hassen, weil das Heil aller auf Vergebung der Sünden beruht. Auch wissen wir nicht, welchen Wert der Geist der Gnade denen verleihen wird, die durch die Weisheit der Welt zu unnützen Menschen wurden.

1: Joh 8,44
2: vgl. Job 4,18; 15,15; 2 Petr 2,4; Jud 6
3: Wh 2,24
4: Röm 12,17
5: Mt 9,13; 12,7; Osee 6,6; vgl. 1 Tim 1,15

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger