Titel newsletter aktuell suche Titel werke start
Makarius, ps./ Symeon von Mesopotamien (4. Jhd.) - Fünfzig geistliche Homilien
1. Homilie.

7.

Aber es könnte jemand sagen: Wie kannst du die Seele einen Leib der Finsternis nennen, da sie doch nicht deren Erzeugnis ist? So merke denn auf und verstehe es recht! Gleichwie das Kleid, das du trägst, ein anderer gemacht hat und du es anhast, wie auch das Haus ein anderer erbaut und errichtet hat und du in ihm [S. 7] wohnst, so hat auch Adam, als er Gottes Gebot übertrat und der bösen Schlange Gehör schenkte, sich selbst dem Teufel verkauft und verhandelt und es ist der Böse (= der Teufel) in die Seele eingedrungen, in dieses herrliche Gebilde, das Gott nach seinem Bilde geschaffen, wie auch der Apostel sagt: „Da er die Mächte und Gewalten entwaffnet, triumphierte er über sie am Kreuze“1. Denn deshalb ist die Ankunft des Herrn erfolgt, daß er sie austreibe und sein eigenes Haus, seinen eigenen Tempel, den Menschen, wieder in Besitz nehme. Darum wird die Seele ein Leib der Finsternis und Bosheit genannt, solange in ihr die Finsternis der Sünde herrscht, weil sie da für die arge Welt der Finsternis lebt und da in Banden liegt, wie dies auch Paulus einen Leib der Sünde und einen Leib des Todes nennt, wenn er sagt: „Auf daß der Leib der Sünde vernichtet werde“2; und wiederum: „Wer wird mich erlösen von dem Leibe dieses Todes?“3. Andrerseits wandelt in gleicher Weise die Seele, die an Gott glaubt, die von der Sünde erlöst und dem Leben der Finsternis ertötet worden ist, die das Licht des Heiligen Geistes wie ein Leben empfangen hat und darin lebt, fortan in diesem Leben, weil da das Licht der Gottheit sie gefangen hält. Denn die Seele ist weder göttlicher Natur noch von der Natur der Finsternis und Bosheit, sie ist vielmehr ein vernünftiges, herrliches, hohes und wundersames Geschöpf, ein schönes „Gleichnis und Bild Gottes“4. Infolge der Übertretung [des Gebotes] ist in sie die Bosheit der finsteren Begierden eingezogen.

1: Kol. 2, 15.
2: Röm. 6, 6.
3: Ebd. [Röm] 7, 24. — Mit dem Ausdruck „Leib der Sünde“ bezeichnet „Mak.“, wie Stiglmayr (a. a. O. S. 63) sagt, „den Komplex alles Sündhaften, das sich in vielen Gliedern, d. h. verschiedenen Lastern über das ganze vielgliedrige Menschenwesen erstreckt“, eine Auffassung, die Origenes (In ep. ad Rom. 5, 9 Migne, P. G. XIV 1045 C f.) entlehnt ist: „Peccati ipsius proprium aliquod corpus“. Nach Kassian (Coll. 24, 15 ed. Petschenig II 690) „entspricht die Vielheit der Sünde der Vielheit der Seelenkräfte“. Stiglmayr a. a. O.
4: Gen. 1, 26.

 

 

Informationen
Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Einleitung zu Makarius
Bilder Vorlage

Navigation
. 1. Homilie.
. . 
. . 2.
. . 3.
. . 4.
. . 5.
. . 6.
. . 7.
. . 8.
. . 9.
. . 10.
. . 11.
. . 12.
. 2. Homilie.
. 3. Homilie.
. 4. Homilie.
. 5. Homilie.
. 6. Homilie.
. 7. Homilie.
. 8. Homilie.
. 9. Homilie.
. 10. Homilie.

Titel Top Back Next
 
Kontakt: Griechische Patristik und orientalische Sprachen - Miséricorde - Av. Europe 20 - CH-1700 Fribourg
Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger