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Leo der Grosse († 461) - Sämtliche Sermonen (Sermones)
Sermo XXXIX-L: Zwölf Predigten auf Quadragesima.

Sermo XLVI. 8. Predigt auf die vierzigtätige Fastenzeit.

1.

Geliebteste! Wir wissen euch von solch frommem Eifer beseelt, daß viele aus euerer Mitte hinsichtlich des Fastens, das dem Osterfest des Herrn vorausgeht, unseren Mahnungen zuvorkommen. Weil aber nutzbringende Enthaltsamkeit nicht allein für eine Kasteiung des Fleisches, sondern auch für eine Läuterung der Seele vonnöten ist, so wünschen wir, daß euer Fasten so vollkommen wird, daß ihr auch jede Irrlehre aus euerem Denken ausschließt, geradeso wie ihr auf alle sinnlichen Lüste bei eueren Vergnügungen verzichtet. Bereitet sich doch der für das Osterfest, den Mittelpunkt all unserer Religionsgeheimnisse, durch rechte und vernunftgemäße Reinigung vor, dessen Herz von keinerlei Unglauben befleckt ist. Der Apostel sagt: "Alles, was nicht aus dem Glauben kommt, ist Sünde"1 . Deshalb wird auch das Fasten jener ohne Frucht und Wirkung bleiben, die der "Vater der Lüge"2 mit seinen Täuschungen berückt, die nicht das wahre Fleisch Christi labt. Wie man also den Geboten Gottes und seiner heilbringenden Lehre von ganzem Herzen untertan sein soll, so muß man sich auch vor jedem gottlosen Gedanken mit aller Sorgfalt hüten. Beobachtet doch erst dann die Seele ein heiliges und geistiges Fasten, wenn sie es verschmäht, von den Lockspeisen der Irrlehren und von dem Gifte der Unwahrheit zu kosten.

Damit setzt uns der ränkevolle und verschlagene Feind in diesen Tagen um so listiger zu, da gerade jetzt, bei der Wiederkehr des hochehrwürdigen Festes, an die gesamte Kirche allgemein die Mahnung ergeht, in die Geheimnisse ihrer Erlösung einzudringen. Der ist ein wahrer Bekenner und Verehrer der Auferstehung Christi, der an dem Leiden Jesu keinerlei Anstoß nimmt und an seiner leiblichen Geburt nicht irre wird. Haben doch manche, die sich des Evangeliums des Kreuzes Christi schämten, sogar die wahre fleischliche Natur im Herrn geleugnet, um desto dreister den für die Erlösung der Welt erlittenen Tod Jesu seines Wertes entkleiden zu können. Dabei erkannten sie nicht, daß die das Heil der Menschen bezweckende Herablassung der leidensunfähigen und unwandelbaren Gottheit des göttlichen Wortes in d e r Weise vor sich ging, daß diese vermöge ihrer Macht die eigene Natur beibehielt und gemäß ihrer Barmherzigkeit die unsrige annahm. Die Doppelnatur in Christus umfaßt also nur eine Person. Und der Sohn Gottes und der Sohn des Menschen sind nur ein Herr. Nicht unter dem Zwang der Notwendigkeit nahm dieser den Knechtszustand auf sich, sondern nach dem Ratschluß seiner Liebe ließ er sich dazu herbei; denn durch seine Macht wurde er niedrig, durch seine Macht leidensfähig und durch seine Macht auch sterblich. Auf diese Weise sollte zur Vernichtung der Herrschaft der Sünde und des Todes3 der schwache4 Leib in den Stand gesetzt werden, Sühne zu leisten, und die starke5 Natur nichts von ihrer Herrlichkeit einbüßen.

1: Röm 14,23
2: vgl.Joh 8,44
3: vgl.Röm 5,12
4: menschliche
5: göttliche

 

 

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Gregor Emmenegger