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Leo der Grosse († 461) - Sämtliche Sermonen (Sermones)
Sermo XXXIX-L: Zwölf Predigten auf Quadragesima.
Sermo XLVI. 8. Predigt auf die vierzigtätige Fastenzeit.

2.

Wenn ihr also, Geliebteste, beim Lesen und Hören des Evangeliums unseren Herrn Jesus Christus teils Schmähungen ausgesetzt, teils durch Wunder verherrlicht findet, so daß in ein und derselben Person bald Menschliches zum Vorschein kommt, bald Göttliches widerstrahlt, so hütet euch, etwas davon falsch auszulegen, gleich als ob in Christus etwa nur die menschliche oder nur die göttliche Natur verkörpert wäre! Nein! Glaubt aufrichtig an beides! Betet beides voll Demut an! Darf doch das Wort nicht vom Fleische getrennt werden, darf man doch nicht deshalb, weil in Jesus die Anzeichen seiner Göttlichkeit klar zutage traten, die Beweise für seinen irdischen Leib für trügerisch halten. Wahr und zahlreich sind beim Herrn die Zeugnisse für seine Doppelnatur: Diese haben nach Gottes hohem Ratschluß den gemeinschaftlichen Zweck, uns zu der Erkenntnis zu führen, daß in allem die Gottheit am Fleische und das Fleisch an der Gottheit Anteil hat, da das unversehrbare Wort nicht von dem leidensfähigen Fleische geschieden ist. Fliehe daher, christliche Seele, die Lüge und folge als Schülerin der Wahrheit voll Zuversicht dem Berichte des Evangeliums! Geselle dich sozusagen selbst unter die Apostel und triff bald auf Grund deiner geistigen Erkenntnis, bald auf Grund des gewonnenen Augenscheins über die in der Öffentlichkeit vollbrachten Taten des Herrn deine Entscheidung! Der menschlichen Natur schreibe es zu, daß Christus als Kind von einem Weibe geboren wird, auf Gott aber führe es zurück, daß die Jungfräulichkeit der Mutter bei der Empfängnis wie bei der Geburt unverletzt bleibt!1 . Einen Knecht sieh in dem in Windeln gehüllten und in der Krippe liegenden Geschöpfe2 , für den Herrn aber halte das Wesen, das die Engel ankünden, für das die Elemente zeugen und dem die Magier ihre Verehrung erweisen!3 . Als ein Zeichen der menschlichen Natur betrachte es, daß Christus nicht dem Hochzeitsmahle fernblieb, für einen Beweis seiner Gottheit aber nimm es, wenn er Wasser in Wein verwandelte!4 . In den Tränen um den verstorbenen Freund soll sich dir das Mitgefühl offenbaren, wie wir Menschen es empfinden, dagegen mußt du an göttliche Macht denken, wenn eben dieser Tote, der schon vier Tage im Grabe lag und in Verwesung überging, durch ein bloßes Machtwort ins Leben zurückgerufen und auferweckt wird5 .Aus Speichel und Erde einen Teig zu machen, war eine rein menschliche Handlung, daß aber die damit bestrichenen Augen des Blinden wieder sehend wurden, ging zweifellos auf jene Kraft zurück, die sich zur Offenbarung ihrer Herrlichkeit eine Wirkung vorbehalten hatte, die den natürlichen Grundstoffen nicht verliehen war6 . Eine echt menschliche Gewohnheit ist es, den müden Körper durch Ruhe und Schlaf zu erquicken, dagegen ist es ein Beweis für wahre Göttlichkeit, wenn der Gewalt wütender Stürme durch einen drohenden Befehl Einhalt getan wird7 . Von menschlicher Güte und von Liebe für den Nächsten zeugt es, wenn den Hungernden Speise gereicht wird, wer aber sollte göttliches Wirken zu leugnen wagen, wenn mit fünf Broten und zwei Fischen fünftausend Menschen Weiber und Kinder nicht mit eingerechnet gesättigt werden?8 . Dadurch, daß der wahre Leib in all diesem mit der Gottheit zusammenwirkte, offenbart diese, daß sie mit dem Menschen und der Mensch mit ihr verbunden ist. Nur wenn das Wort Gottes aus dem Schoße eine Jungfrau Fleisch annahm und in ein und derselben Person zugleich das Fleisch und das Wort geboren wurde, nur so konnten an der menschlichen Natur die Wunden der von unseren Stammeltern herrührenden alten Schuld geheilt werden.

1: Mt 1,25; Lk 1,34 ff
2: Lk 2,7
3: Lk 2,1.ff.
4: Joh 2,1.ff.
5: Joh 11,32 ff
6: vgl.Joh 9,6.f
7: Mk 4,38 f
8: Joh 6,5.f.

 

 

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