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Leo der Grosse († 461) - Sämtliche Sermonen (Sermones)
Sermo XXXIX-L: Zwölf Predigten auf Quadragesima.
Sermo XLIII. 5. Predigt auf die vierzigtägige Fastenzeit.

4.

Laßt uns daher zu Gottes Barmherzigkeit unsere Zuflucht nehmen, die uns überall entgegentritt! Und damit das heilige Osterfest des Herrn mit einer würdigen Feier begangen wird, sollen alle Gläubigen ihr Herz Gott wohlgefällig machen! Grausame Strenge verwandle sich in Milde und Jähzorn in Sanftmut! Alle mögen sich gegenseitig ihre Verfehlungen verzeihen! Nicht sinne der auf Rache, der für sich selbst um Nachsicht fleht! Beten wir doch: "Vergib uns unsere Schulden, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern!"1 . Darum legen wir uns selbst die stärksten Fesseln an, wenn wir nicht erfüllen, wozu wir uns offen bereit erklären. Wenn daher diese hochheilige Vereinbarung, die wir in unserem Gebete treffen, nicht in all ihren Bedingungen eingehalten wurde, so möge wenigstens jetzt ein jeder sein Gewissen erforschen und durch Nachsicht für die Beleidigungen anderer Tilgung seiner eigenen Sünden erlangen! So sagt der Herr: "Wenn ihr den Menschen ihre Fehler vergebt, so wird euer Vater, der im Himmel ist, auch euch euere Sünden vergeben"2 . Auf kurzem Wege erreicht ein jeder die Erfüllung seiner Bitte, da von der Versöhnlichkeit des Betenden der Spruch des Richters abhängt. Er, der voll Erbarmen und Gerechtigkeit das Flehen der Menschen anhört, hat es sich für den Fall, daß wir uns nachsichtig zeigen, zum Rechtsgrundsatz gemacht, dort keine Strenge walten zu lassen, wo er kein Verlangen nach Rache wahrnahm. Für die Gütigen und Sanftmütigen geziemt es sich aber auch, freigebig zu sein. Nichts ist angemessener, als daß sich der Mensch seinen Schöpfer zum Vorbild nimmt und nach dem Maße seines Vermögens des Himmels Werkzeug wird. Wenn nämlich die Hungrigen gespeist, die Nackten bekleidet und die Kranken gepflegt werden, hilft da nicht Gott durch die Hand seines Dieners? Offenbart sich da nicht in der Güte des Knechtes die Gnade des Herrn? Obwohl dieser für die Ausübung seiner Barmherzigkeit keinen Helfer braucht, handhabt er doch in d er Weise seine Allmacht, daß er sich der Menschen bedient, um der Menschen Not zu lindern. Mit Recht dankt man also Gott für die empfangenen Liebesdienste; denn Gottes Wirken ist es, das sich in seinen Dienern zeigt. Darum sprach auch der Herr selbst zu seinen Jüngern: "So leuchte euer Licht vor den Menschen, daß sie euere guten Werke sehen und eueren Vater preisen, der im Himmel ist!"3 . Mit eben diesem Vater und dem Heiligen Geiste lebt und waltet er als Gott in Ewigkeit. Amen.

1: Mt 6,12
2: ebd 6,14
3: Mt 5,16; vgl.1 Petr 2,12

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger