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Ambrosius von Mailand (340-397) - Die Flucht vor der Welt (De fuga saeculi)

2. Die gesetzlichen Ordnungen über die alttestamentlichen Freistätten enthalten die Mahnung, die Welt zu fliehen.

5. Auch die Schrift lehrt uns, die Welt zu fliehen und einzig Gott zu folgen. Oder was anders liegt in den Worten: „Ihr sollet euch die Städte bestimmen, die zur Zuflucht der Flüchtlinge sein sollen, die Blut vergossen haben aus Versehen. Sechs Städte sollen bestimmt sein zur Zuflucht der Flüchtlinge; drei sollen jenseits des Jordan, drei aber im Lande Chanaan sein.“ Nach dem offenkundigen Wortlaute werden hier freilich nur Denjenigen, welche um eines Todschlages willen flüchtig sind, Zufluchtsstätten bereitet: wir müssen aber den tieferen Sinn zu ergründen suchen. Vier Umstände sind es, die uns mahnen, dem geheimnißvollen Sinne jener Worte nachzugehen. Zuerst ist zu erforschen, warum die sechs Städte, welche zur Zuflucht dienen sollen, gerade aus den Levitenstädten, nicht aber aus dem Erbtheil der übrigen Stämme genommen sind; zweitens, warum gerade sechs Städte ausgesondert sind, — gleichgiltig ist die vorgeschriebene Zahl ja sicher nicht; drittens, warum die Hälfte der Städte jenseits des Jordan, die andere Hälfte im Lande Chanaan liegen soll. Viertens darf auch nicht unerörtert bleiben, warum die Zeit genau umschrieben ist, innerhalb welcher der Flüchtling in jenen Freistädten wohnen darf: — bis zum Tode des Hohenpriesters nämlich, da der Mörder nach dem Tode des Hohenpriesters in seine Stadt zurückkehren durfte.

6. Zunächst hätten wir zu untersuchen, warum gerade Levitenstädte dem Verbrecher eine Zuflucht bieten sollen. Diese Wahl ist durchaus passend: die Leviten sollten die Welt fliehen, damit sie Gott allein gefallen; sie sollten Vaterland, Eltern, Kinder, die ganze Verwandtschaft verlassen, damit sie allein Gott anhangen möchten. So war auch schon zu Abraham gesagt: „Gehe fort aus deinem Lande, aus deiner Verwandtschaft und aus dem Hauses [S. 430] deines Vaters!“ Wollte man einwenden, Abraham sei kein Levit gewesen, so erwidere ich mit dem Apostel: „Und durch Abraham hat auch Levi, der den Zehenten empfing, den Zehenten geben müssen; denn er war noch in den Lenden des Vaters, als Melchisedech ihm entgegen kam.“ 1 Und auch der Herr spricht zu Leviten, wenn er seinen Aposteln sagt: „Wer mir nachfolgen will, der verleugne sich selbst und folge mir nach.“ Freilich ist zu Allen gesagt von dem Apostel: „Ihr seid ein auserwähltes Geschlecht, ein königliches Priesterthum, ein heiliges Volk, ein an Kindesstatt angenommenes Volk.“ 2 Das ist eben in der Fülle der Zeit eingetreten, wo alles Andere weichen muß. Christus hat Alle berufen, er bietet sich Allen dar; Alle sollen ihm folgen. Allen hat er das Reich und das ewige Leben verheissen.

7. Derjenige aber, dessen „Erbtheil der Herr ist“, darf sich um Nichts als um Gott kümmern, darf in dieser Sorge durch kein anderes Geschäft sich behindern lassen. Was immer dabei anderen Pflichten zugewendet wird, Das wird dem pflichtmäßigen Dienste Gottes geradezu entzogen. Die eigentliche Flucht des Priesters besteht eben in der Beseitigung aller häuslichen Sorgen, in der Losreissung auch selbst von den theuersten Menschen: Derjenige, welcher Gott dienen will, muß sich auch den Seinigen versagen. Das Gesetz ordnet also mit Recht an, daß die Flüchtlinge zu Denen fliehen, die selbst Flüchtlinge sind. Diejenigen, welche die Welt vergessen haben, sollen Die aufnehmen, welche die Fehler und Sünden ihrer Vergangenheit verurtheilen und selbst das Vergessen des vergangenen Lebens anstreben; welche gut zu machen wünschen, was sie in der Welt vollbracht haben. Wer die Seinigen fliehen will, Der wird ein Diener des heiligen Altares des Herrn. Darum sagt auch der Heiland: „Wer ist meine Mutter, wer sind meine [S. 431] Brüder?“ 3 Ich erkenne keine Mutter, keinen Bruder an, will der Herr sagen; ich kenne selbst die nächsten Angehörigen nicht: mir sind Die Mutter und Brüder, welche das Wort Gottes hören und befolgen. Auch der Diener Gottes sieht nur auf das Wort, wenn er Diejenigen kennt und aufnimmt, in denen das fleischgewordene Wort wirksam ist. Darum ist er ein Flüchtling vor der Welt und vor der Macht seiner eigenen Leidenschaften; er entsagt Allen, so daß er mit Elias ausrufen kann: „Ich allein bin übrig geblieben.“ 4 Aber doch ist Niemand allein, mit dem Christus vereint ist, und der Herr selbst sagt: „Ich bin nicht allein, denn der Vater ist mit mir.“

8. Der Grund also, warum die Levitenstädte den flüchtigen Verbrechern geöffnet waren, liegt darin, daß die Leviten eben Diener Gottes waren: ihnen lag also ob, die göttlichen Vorschriften auch rücksichtlich Derjenigen auszuführen, die sich mit einer Todesschuld belastet hatten. Die Kirche stützt sich aber bei ihrem Verfahren nicht auf eigens erlassene Gesetze, vielmehr will sie lediglich, daß der Priester dem Gebote des Herrn folgt. Wir brauchen nur zu erinnern an das Wort des Apostels, der auch ein Levit genannt werden kann: „Ich habe solchen Menschen dem Satan übergeben zum Verderben des Fleisches, damit der Geist gerettet werde am Tage unseres Herrn Jesus Christus.“ 5 Getroffen von dem priesterlichen Schwerte möge das Fleisch in uns ersterben, wenn nur die Seele das Leben bewahrt.

9. Von den sechs Freistädten deutet die erste auf die Erkenntnis des Wortes und auf das Leben nach seinem Vorbilde. Wer zu jener Erkenntnis gekommen ist, Der ist auch frei von Strafe nach dem Ausspruche unseres Herrn: „Ihr seid nun rein um des Wortes willen, das ich zu euch geredet habe.“ 6 und nach dem weiteren Ausspruche: „Das [S. 432] ist das ewige Leben, daß sie dich erkennen, den wahren Gott, und den du gesandt hast, Jesus Christus.“ 7 Damit ist gewissermaßen die Hauptstadt, der Mittelpunkt angedeutet, um welchen die anderen fünf Städte liegen. Die zweite Stadt deutet auf die Betrachtung des göttlichen Schöpfungswerkes hin, während die dritte auf die Erwägung der königlichen Macht und der ewigen Majestät Gottes hinweist. Die vierte Stadt soll zur Beschauung der göttlichen Erbarmung mahnen. Die fünfte Stadt lehrt, was das göttliche Gesetz befiehlt, die sechste, was es verbietet. 8 Wie groß ist also die Fülle der göttlichen Erbarmung; wie groß sind die Reichthümer seiner Güter! Im Hinblicke auf die Neigungen der Einzelnen und auf die menschliche Gebrechlichkeit, durch welche wir oftmals mit Widerstreben und wider unseren Willen in Schuld und Sünde geführt werden, hat die göttliche Güte uns jene Zufluchtsstätten bereitet. Die Zahl „sechs“ soll uns daran erinnern, daß, wie die Welt in sechs Tagen erschaffen wurde, so auch eine gleiche Anzahl von Freistätten wider die Fehler der Welt als Rettungsplätze aus den Schiffbrüchen dieser Zeit geboten werden sollte.

10. Der erste Rettungsplatz bietet sich für Denjenigen, welcher trotz seines guten Willens in Schuld verstrickt wurde, wenn er ohne irgend welchen Aufschub, um volle Sicherheit zu finden, zu dem Gipfel aller Schöpfung eilt, wo das ewige Wort in dem geheimnißvollen Schooße des Vaters weilt: dort ist der Quell der Weisheit, aus dem der Unsterblichkeitstrank für das ewige Leben quillt. An zweiter Stelle bietet sich eine andere Rettung von den Sünden der [S. 433] Welt, für Denjenigen, welcher zur vollen Erkenntniß jenes höchsten Gutes nicht vordringen kann, weil er entweder langsamer in seiner Fassungskraft oder in seiner Glaubensentschließung ist, während man mit frischer Geisteskraft und mit scharfer Prüfung zu den höchsten Geheimnissen gelangt. Ein Solcher betrachte wenigstens die Werke Gottes, und aus Dem, was geschaffen ist, schließe er auf den Urheber eines so wunderbar erhabenen Werkes: aus der Güte der Schöpfung —und der Herr selbst sagte, daß Alles sehr gut sei, — wird das ewige, unerschaffene, höchste Gut selbst erkannt. Wenn die Ordnung, das Ziel und die Schönheit der Schöpfung betrachtet wird, muß dann nicht auch der trägste und schwerfälligste Geist angetrieben werden, den Herrn zu lieben? Wir lieben die Eltern, denen wir unser Dasein verdanken; um wie viel mehr müssen wir dann Den lieben, der unser wie der Eltern Schöpfer ist! Wird also auch die schöpferische Kraft Gottes selbst nicht wahrgenommen, so wird sie doch aus den Werken erkannt. Die Werke verkünden den Schöpfer, so daß er, der nicht erfaßt werden kann, doch der Kenntniß sich nicht verschließt. Deßhalb sagt auch der Herr Jesus: „Wenn ihr meinen Worten nicht glaubet, so glaubet doch wenigstens meinen Werken!“ Eine wahrhaftige, eine gute Freistadt ist Das, die für die Huld ihres Erbauers Zeugniß ablegt und dadurch unser Herz anregt, nach Demjenigen zu verlangen, der um unsertwillen solche Schönheit in das Werk seiner Hände gelegt zu haben scheint. An dritter Stelle bietet sich die Betrachtung der königlichen Macht und Gewalt, damit wir dem Könige uns unterwerfen, wenn wir dem Vater die Ehre versagen. Wird doch oft genug der Mensch aus Furcht vor dem Vorgesetzten gehorsam, wenn er des eigenen Heiles sonst auch in thörichtem Undanke vergessen möchte: wie man ja auch die Nothwendigkeit der Mäßigkeit zugibt, obgleich man die Schönheit der Tugend nicht anerkennt. So führt der Zwang zur Besserung, wo die Tugend schon hätte zur Herrschaft kommen müssen.

11. Das deuten uns die drei Städte jenseits des Jordan [S. 434] an: Zufluchtsstätten für höhere Weisheit. Vor Allem sollen wir zuerst bemüht sein, die Schuld zu fliehen durch geistige Erwägung als Ebenbilder Gottes. Als Solche sind wir nach dem Ausspruch des Herrn selbst geschaffen. „Lasset uns den Menschen machen,“ sprach er, „nach unserem Bilde und Gleichnisse!“ Darin ist somit das Gesetz für jene erste Freistadt gegeben. Können wir aber wegen der Gebrechlichkeit des Fleisches und wegen der Lockungen der Welt unseren Geist nicht so formen und erhalten, dann sollen wir im ehrfurchtsvollen Hinblicke auf unseren Schöpfer und Vater und in der umfassenden Hingabe eines Kindes Sünde und Schuld wieder beseitigen. Die Liebe bedeckt ja die Menge der Sünden. Schließt demnach die erste Freistadt die Sünde aus, so nimmt die zweite sie hinweg; und darum lautet ihre Gesetzesregel: „Du sollst den Herrn deinen Gott lieben aus deinem ganzen Herzen, aus deiner ganzen Seele und aus allen deinen Kräften.“ Wenn wir endlich aber so armseligen, geschwächten Geistes sind, daß wir die Fülle und Huld dieser Liebe nicht in uns aufnehmen können, so bietet sich uns die dritte Stätte, sofern uns dort die Furcht vor der göttlichen Macht beugt. Da gilt das Wort: „Du sollst Gott deinen Herrn anbeten und ihm allein dienen.“ Damit sind die Haupttugenden gegeben; sie sind das Eigenthum nur Weniger, sicher nicht der Mehrzahl: darum werden sie auch durch die Städte jenseits des Jordan versinnbildet. Wir sollen entweder das Urbild in uns in lauterster Heiligkeit ausprägen, oder wir sollen Gott mit kindlicher Liebe zugethan sein, oder wir sollen ihn in Unterthänigkeit als unseren König verehren und anbeten.

12. Diejenigen, welche aber den Jordan überschreiten, — in dem Namen Jordan liegt eigentlich ein Herabsteigen: 9 [S. 435] Diejenigen, welche also hinabgestiegen sind von jenen erhabeneren Tugenden zu diesen niederen, d. h. Diejenigen, in welchen die Heiligkeit, die Liebe und die demüthige Furcht nicht festwurzeln konnte: Diese haben nähere Zufluchtsstätten, denen sie zueilen können. Wenn sie Fehlern verfallen und nicht freiwilligen Vergehungen erliegen, so dürfen sie hoffen, daß Gott auch mit ihnen versöhnt werden kann, sofern sie nur Verzeihung erbitten; sie dürfen hoffen, daß sie gebessert werden, wenn sie nur die Weisungen des himmlischen Bundes befolgen, nach welchen sie entweder in voller Unschuld sich gestalten oder von Sünde und Schuld zurückgerufen werden. Das deuten uns die folgenden im Jordangebiete liegenden Städte an; sie mahnen uns, daß wir uns Gott wieder geneigt machen, daß wir befolgen, was er befiehlt, daß wir meiden, was er verbietet. Somit ist das Streben nach der göttlichen Versöhnung, die Befolgung seiner Gebote, das Vermeiden jeglicher Übertretung der Weg, auf dem wir die gesetzgeberische Vorsehung wie die sühnende Erbarmung Gottes verehren. 10

13. Es erübrigt noch die Erörterung des vierten Punktes, warum nämlich mit Rücksicht auf den Tod des hohen Priesters gesagt ist: „Der Todtschläger soll aber in der Freistadt bleiben, bis der Hohepriester gestorben ist.“ 11 Wenn wir den Wortlaut ansehen, so wird die Auslegung fraglich. Vor Allem scheint für den Flüchtling mehr der Zufall als eine billige Prüfung des Sachverhaltes maßgebend zu sein; sodann ist der Verlauf bei durchaus gleicher [S. 436] Lage ungleich, da ja der Hohepriester schon einen Tag nach dem Eintritte des Flüchtlings in die Freistadt sterben kann. Welcher Rechtsspruch gilt aber für die zwischenliegende ungewisse Zeit? Da also der Wortlaut solche Schwierigleiten enthält, so suchen wir den geistigen Sinn. 12 Und wer anders wäre jener Hohepriester, als der Sohn Gottes, das ewige Wort, dessen Fürsprache beim Vater wir uns erfreuen? Er ist gänzlich frei von allen Sünden, von den freiwilligen wie von den zufälligen Übertretungen; in ihm besteht Alles, was im Himmel und was auf Erden ist. 13 Alles wird erhalten durch das Band, durch die Macht des Wortes, in welchem Alles seinen Urgrund hat; in ihm [S. 437] und durch ihn ist Alles geschaffen, in ihm wohnt die ganze Fülle. Darum bleibt Alles bestehen, so lange er will, so lange er es umschlingt und mit seinem allmächtigen Willen erhält; was er umschließt, Das kann ohne seinen Willen nicht aufgelöst werden. Das Wort lebt immerdar, aber vor Allem lebt es in den Seelen der Gerechten; niemals stirbt Der, in welchem die Fülle der Gottheit wohnt, der selbst die ewige Kraft Gottes ist. Uns aber stirbt er, wenn er von unserer Seele scheidet, zwar nicht in dem Sinne, daß unsere Seele der Verwesung anheimfiele, sondern so, daß sie gelöst und geschieden wird von der Vereinigung mit ihm. Das ist in Wahrheit ein Sterben, wenn die Seele von dem ewigen Worte verlassen wird; dann hat sie aber auch sofort allen, auch den freiwilligen Sünden Eingang gestattet. 14

1: Hebr. 7, 10.
2: I. Petr. 2, 9.
3: Matth. 12, 48.
4: III. Kön. 19, 14.
5: I. Kor. 5, 5.
6: Joh. 15, 3.
7: Joh. 17, 3.
8: Diese allegorische Deutung der Bestimmungen über die Freistädte lehnt sich enge an Philo de profug IV, 262 sqq. ed. Pfeiffer.
9: Nach Philo, der den Namen als κατάβασις faßt; und allerdings kann die Etymologie dahin führen: יׄרְדֵן von יָרַד rinnen, was ja selbstverständlich auch ein Herabrinnen ist.
10: Die Ausdeutung der drei dießseits des Jordan liegenden Städte ist eine nicht ganz verständliche Umschreibung des gleichfalls als Spielerei geltenden philonischen Dictums: Αἱ ἐντός εἰσι τρεῖς, ἡ ἵλεως, γ’ προστακτικὴ τῶν ποιητέων, ἡ ἀπαγορευτική τῶν μὴ ποιητέων.“ A. a. O. S. 270.
11: Jos. 20, 6 im Anschlusse an IV. Mos. 35, 9—29; V. Mos.19, 1—13.
12: Ambrosius folgt fast wörtlich den Ausführungen Philo’s. Die Schwierigkeit, welche Beide finden, fällt aber ganz, wenn man bedenkt, daß die Flucht in die Freistadt nicht den Charakter der Verbannung oder überhaupt einer Strafe hatte, sondern die Bergung unter den Schutz der göttlichen Gnade war. Der Tod des Hohenpriesters aber wirkt sühnend auch für den unfreiwilligen Todtschläger. Auf diesen sühnenden Charakter des Todes des Hohenpriesters weist auch der Zusatz im Texte: „Den man mit dem heiligen Öle gesalbt hat.“
13: Die Aeusserungen Philo’s über den Logos benutzt der heilige Ambrosius nur auszüglich, offenbar wegen der die Einheit Gottes aufhebenden Beimischungen. Schon oben, wo der Heilige mahnt, daß wir das göttliche Urbild in uns zum Abdrucke bringen sollen, hat er das philonische ἀρχέτυπον herübergenommen: „Ut exprimas quasi imago archetypum.“ Hier läßt Philo den Logos Alles zusammenhalten, setzt aber hinzu: er habe die ganze Welt wie ein Gewand umgethan. Als den Hohenpriester mit sühnender Kraft faßt er ebenfalls den Logos und sagt auch seinerseits im Anschlusse an III. Mos. 21: "Der Hohepriester soll niemals zu einem Todten gehen,“ daß der Logos in der sündigen Seele nicht ferner wohnen könne; darum sei die Seele, die in der Sünde lebe, todt (θάνατος δὲ ψυχῆς ὁ μετὰ κακίας ἐστὶ βίος.). Abgesehen von der Abhandlung: „De Abel et Cain“ hat Ambrosius wohl in keiner Schrift Philo stärker benützt als hier. Das Verständniß ist durch diese Benützung um so mehr erschwert, als Philo gerade bei seiner Logoslehre in den größten Widersprüchen und Unklarheiten sich bewegt.
14: „Denique incipit statim anima peccatis patere voluntariis." Nach Philo’s Anschauung ist es unmöglich, daß, der Logos in einer Seele wohnt, diese auch nur in eine unwillkürliche Sünde falle (ἀμέτοχος γὰρ καὶ ἀπαράδεκτος παντὸς ειναι πέφυκεν ἁμαρτήματος.) Das volle Gegentheil tritt beim Scheiden des Logos ein.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger