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Leo der Grosse († 461) - Sämtliche Sermonen (Sermones)
Sermo XXXIX-L: Zwölf Predigten auf Quadragesima.
Sermo XLII. 4. Predigt auf die vierzigtägige Fastenzeit.

3.

Zweifelt nicht daran, Geliebteste, daß diese frommen Übungen, zu denen ihr, wie ich zuversichtlich glaube, gerne bereit seid, dem Satan, dem Feinde aller Tugenden, ein Dorn im Auge sind! Zweifelt nicht daran, daß er die ganze Kraft seiner Bosheit aufbietet, um der Frömmigkeit in der Frömmigkeit selber eine Schlinge zu legen und jenen, die er nicht durch Kleinmut zu Fall bringen konnte, durch eitles Prahlen beizukommen. Richtiges Handeln verführt gar leicht zur Sünde des Hochmuts, und stets liegt für die Tugendhaftigkeit nächste Gefahr in der Selbstüberhebung. Denn es ist schwer, beim Lobe, das die Menschen einem guten Lebenswandel zollen, unempfindlich zu bleiben, sofern man sich nicht nach dem Worte der Schrift "bei seinem Rühmen im Herrn rühmt"1 . Wo gäbe es jemand, dessen Vorsatz jener so nichtswürdige Feind nicht zu bekämpfen wagte? Wessen Fasten sollte er nicht zu schädigen suchen, da er nicht einmal, wie ihr aus dem verlesenen Abschnitte des Evangeliums wißt2 , die Person des Welterlösers mit seinen listigen Anschlägen verschonte? Entsetzt über sein vierzig Tage und vierzig Nächte dauerndes Fasten, wollte er in listigster Weise auskundschaften, ob der Herr eine solche Enthaltsamkeit der göttlichen Gnade zu verdanken habe oder aus sich selber übe. Darum fürchtete er auch keinen Mißerfolg seines tückischen Beginnens, wenn Christus wirklich das Wesen dessen besäße, dessen Körper er besitzt. So suchte er denn zunächst voll Arglist zu erforschen, ob Jesus der Schöpfer aller Gebilde ist, der die Natur der Dinge beliebig umgestalten könnte. Zweitens gedachte er zu ergünden, ob sich in dem sichtbaren menschlichen Leibe die Gottheit verborgen halte, für die es eine Leichtigkeit wäre, ihren Weg dich die Luft zu nehmen und sich in irdischer Gestalt durch diesen leeren Raum zu schwingen. Allein der Herr wollte ihm lieber dem Grundsatze der Gerechtigkeit die wahre menschliche Natur entgegenstellen als seine göttliche Macht offenbaren. Daher verfiel der Satan drittens auf den hinterlistigen Gedanken, jenen, bei dem kein Anzeichen überirdischer Kraft zutage getreten war, durch Herrschbegierde zu versuchen und durch Verheißung der Reiche dieser Welt so weit zu bringen, daß er ihn anbete. Allein die Klugheit des Teufels wurde durch Gottes Weisheit zur Torheit, so daß der stolze Feind gerade durch das gebunden wurde, was er einst gebunden hatte, und sich nicht scheute, den zu verfolgen, der für die Welt getötet werden mußte.

1: 2 Kor 10,17; vgl.1 Kor 1,31; Jer 9,23
2: Mt 4,111

 

 

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