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Ambrosius von Mailand (340-397) - Über den Tod seines Bruders Satyrus (De excessu fratris Satyri)
Zweites Buch: Über den Glauben an die Auferstehung

8.

44. Der Tod ist also keineswegs schrecklich: er ist für die Armen nicht bitter und auch für die Reichen nicht allzu schwer; er schließt keine Unbill ein gegen die Bejahrten, er ist kein Zeichen der Feigheit für die Starken; den Gläubigen droht er nicht für immer, den Weisen kommt er nicht unerwartet. Wie Viele haben ihrem vergangenen Leben lediglich durch den Tod eine Weihe verliehen! wie Viele hat die Scham gehindert, fortzuleben, während der Tod Gewinn war! Es fehlt uns nicht an Belegen, daß durch den Tod eines Einzigen große Völker gerettet, daß durch den Tod des Feldherrn die Feinde in die Flucht geschlagen sind, die Jener lebend nicht hätte besiegen können.

45. Durch den Tod der Martyrer ist die Religion vertheidigt, ist der Glaube vermehrt, die Kirche gefestigt: gesiegt haben sie im Tode, ihre Verfolger sind unterlegen. Während wir ihr Leben oft nicht kennen, ehren wir jetzt ihren Tod. Deßhalb hat auch David in seines Geistes [S. 380] Entzückung prophetisch gerühmt: „Kostbar vor dem Angesichte des Herrn ist der Tod seiner Heiligen.“ Er wollte lieber dem Tod als dem Leben den Vorzug geben. Der Tod der Martyrer selbst ist Lohn und Preis ihres Lebens: im Tode wird auch der Haß ihrer Feinde gelöset.

46. Mehr aber gilt noch, daß durch den Tod eines Einzigen die ganze Welt erlöset ist. Christus konnte gar nicht sterben, wenn er nicht wollte: aber er glaubte weder den Tod fliehen zu sollen, weil es etwa eine Feigheit einschlösse, noch hätte er uns besser, als durch seinen Tod erlösen können. Sein Tod ist Aller Leben; mit dem Zeichen seines Todes bezeichnen wir uns; seinen Tod verkünden wir betend, preisen wir opfernd: sein Tod ist unser Sieg, unser Geheimniß, und jährlich wiederkehrende Festfeier. Was sollen wir von seinem Tode noch sagen, da wir an einem göttlichen Beispiele erweisen, daß der Tod allein die Unsterblichkeit erworben, daß der Tod sich selbst erlöset hat? Zu beklagen ist somit der Tod sicher nicht, weil er ja die Ursache des allgemeinen Heiles ist: auch zu fliehen ist er nicht, da der Sohn Gottes selbst sich zu ihm herabgelassen, ihn aber nicht geflohen hat. Die Ordnung der Natur darf nicht durchbrochen werden; denn was Allen gemeinsam ist, das kann bei Einzelnen nicht eine Ausnahme erleiden.

47. Zwar in der Natur des Menschen lag der Tod nicht, er ist vielmehr erst hinein gebracht worden: Gott hat ihn ja nicht von Anbeginn, sondern nur als Heilmittel verordnet. Sehen wir aber zu, ob nicht das Gegentheil der Fall zu sein scheint! Wenn nämlich der Tod ein Gut ist, warum sagt dann die Schrift: „Gott hat den Tod nicht gemacht, sondern durch die Bosheit der Menschen ist er in die Welt gekommen.“1 In der That haftete der Tod dem Werke Gottes nicht nothwendig an, da den ersten Menschen im Paradiese der Strom alles Guten unaufhörlich zufloß. Als aber das Leben durch die Übertretung zur täglichen Arbeit verurtheilt wurde, und als unter ewigem [S. 381] Seufzen sein Elend begann: da mußte dem irdischen Uebel ein Ziel geschaffen werden, und so mußte der Tod zurückgeben, was das Leben verloren hatte. Die Unsterblichkeit ohne den Hauch der Gnade würde ja weit eher eine Last als ein Genuß sein.

48. Sehen wir genau zu, so tritt der Tod der Natur überhaupt nicht ein, sondern der Tod der Sündhaftigkeit: die Natur bleibt, die Sünde stirbt. Es ersteht, was dagewesen. Wenn es nur ersteht, wie frei vom Sündigen, so rein von früherer Schuld! Gerade das aber ist ein Zeichen, daß es sich nicht um den Tod der Natur handelt, weil wir dieselben sein werden, die wir gewesen sind: so werden wir entweder die Strafen unserer Sünden tragen, oder den Lohn für die guten Werke erhalten. Dieselbe Natur wird ja erstehen, nur mehr geehrt durch den Sold, den sie an den Tod abgetragen hat. Deßhalb sagt der Apostel: „Die Todten, die in Christo sind, werden zuerst auferstehen; dann werden wir, die noch leben und übrig geblieben sind, zugleich mit ihnen entrückt werden in Wolken, dem Herrn entgegen in die Luft, und werden so immerfort bei dem Herrn sein.“2 Jene sind also die Ersten, die Lebendigen folgen. Jenen ist das Leben süßer nach der Ruhe; den Lebendigen wird zwar ein gnadenvoller Gewinn zu Theil, aber das Heilmittel ist ihnen unbekannt geblieben.

1: Weish. 1, 1; 2, 24.
2: I. Thessal. 4, 15 f.

 

 

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Einleitung zur Schrift über den Tod seines Bruders Satyrus
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger