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Ambrosius von Mailand (340-397) - Über den Tod seines Bruders Satyrus (De excessu fratris Satyri)
Zweites Buch: Über den Glauben an die Auferstehung

16.

89. Gerecht und vollkommen ist der Grund, wenn nicht Alles täuscht: ich verlange aber von Christus überhaupt keinen Grund. Werde ich nur durch Vernunftgründe überzeugt, so lehne ich den Glauben ab. Wie Abraham dem Herrn glaubte, so müssen auch wir glauben, damit wir, wie wir seines Geschlechtes sind, so auch Erben des Glaubens werden. Auch David „glaubte, und darum redete er;“ auch wir müssen glauben, damit wir reden können, in der Ueberzeugung, „daß derselbe, der Jesum auferweckt hat, auch uns mit Jesu auferwecken wird.“1 Gott, der niemals lügt, hat das versprochen; die ewige Wahrheit hat es versprochen im Evangelium mit den Worten: „Das ist aber der Wille des Vaters, der mich gesandt hat, daß ich nichts von dem, was er mir gegeben hat, verliere, sondern, daß ich es am jüngsten Tage auferwecke.“2 Und als ob er geglaubt hätte, es genüge einmaliges Aussprechen dieser Wahrheit nicht, wiederholte er ausdrücklich: „Das ist nämlich der Wille meines Vaters, der mich gesandt hat, daß Jeder, welcher den Sohn sieht und an ihn glaubt, das ewige Leben habe; und ich werde ihn auferwecken am jüngsten Tage.“

90. Wer sagt dieses? Fürwahr derjenige, welcher, selbst gestorben, viele Leiber der Todten wieder auferweckte. Wenn wir nun Gott nicht glauben, werden wir auch der Erfahrung [S. 401] nicht glauben? Glauben wir nicht, was er verheißen, da er doch gewirkt, was er nicht verheißen hat? Welchen Grund, zu sterben, hätte er wohl gehabt, wenn er nicht auch einen Grund gehabt hätte, aus dem Grabe zu erstehen? Da Gott nicht sterben konnte, konnte auch seine ewige Weisheit nicht sterben: nun konnte aber nicht auferstehen, was nicht gestorben war. Das Fleisch, welches sterben konnte, nahm er wieder an; so erstand, was gestorben, während das starb, was dem Tode unterworfen war. Anders konnte auch die Auferstehung nicht gewirkt werden: „denn durch einen Menschen ist der Tod, und durch einen Menschen ist die Auferstehung von den Todten.“3

91. Der Mensch ist also erstanden, wie er gestorben war. Der Auferweckte ist der Mensch, aber der Erweckende ist Gott: damals Mensch dem Fleische nach, jetzt aber Gott, Alles in Allem. „Jetzt erkennen wir“ nach den Worten des Apostels „Christum nicht mehr dem Fleische nach,“ wohl aber besitzen wir die Huld und Gnade des auferstandenen Fleisches; und so erkennen wir ihn als „den Erstling der Entschlafenen, als den Erstgeborenen aus den Todten.“ Die Erstlinge haben aber mit der weiteren Frucht gleiche Natur; sie werden für reicheren Ertrag als Erstlingsgaben dem Herrn dargebracht, als heiliges Dankopfer für die ganze Frucht, gewissermaßen als Weihegeschenk der erlöseten Natur. Der Erstling der Entschlafenen ist Christus. Aller Entschlafenen? Gewiß; „denn wie in Adam Alle sterben, so werden auch in Christo Alle wieder lebendig gemacht.“

92. Alle erstehen; aber Niemand verzage, kein Gerechter darf das allgemeine Loos der Auferstehung betrauern, da er ja in ihr den vorzüglichsten Lohn seiner Tugend erhält. „Alle erstehen, aber ein Jeglicher in seiner Ordnung.“ Die Frucht des himmlischen Erbarmens wird Allen zu Theil; aber verschieden ist doch die Ordnung der Verdienste. Allen [S. 402] leuchtet der Tag, Alle erwärmt die Sonne, über alle Gaue ergießen die Wolken reichlichen Regen.

93. Wie wir Alle gleiche Geburt haben, so werden wir auch Alle auferstehen: wie aber im Leben Gnade und Verhalten verschieden ist, so auch in der Auferstehung. „Plötzlich in einem Augenblicke, auf den Schall der letzten Posaune werden die Todten unverweslich auferstehen, und wir werden verwandelt werden.“ Ja selbst im Tode ist Ruhe und Leben gemischt. Gut ist die Ruhe, besser aber das Leben. Darum ruft der Apostel die Schlafenden zum Leben: „Wache auf, der du schläfst, stehe auf von den Todten, und Christus wird dich erleuchten.“4 Er wird aufgeweckt, damit er lebe, damit er mit Paulus sagen kann: „Wir, die wir leben, werden denen, die entschlafen sind, nicht zuvorkommen.“5 Das ist nicht gesagt von dem gewöhnlichen Leben, das Allen, wie das Athmen, gemein ist, sondern von der Gabe der Auferstehung. Wenn der Apostel sagt: „Die Todten, die in Christo sind, werden zuerst auferstehen,“ fügt er hinzu: „Und wir, die noch leben, werden zugleich mit ihnen entrückt werden in Wolken, dem Herrn entgegen in die Luft.“

1: II. Kor. 4, 14.
2: Joh. 6, 39 f.
3: I. Kor. 15, 21.
4: Ephes. 5, 14.
5: I. Thess. 4, 14.

 

 

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Inhaltsverzeichnis
Einleitung zur Schrift über den Tod seines Bruders Satyrus
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger