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Ambrosius von Mailand (340-397) - Über den Tod seines Bruders Satyrus (De excessu fratris Satyri)
Zweites Buch: Über den Glauben an die Auferstehung

14.

79. Wundert dich das, so beachte, wer den Befehl hier gegeben: du wirst dann aufhören dich zu verwundern. Jesus Christus ist die Kraft Gottes, das Leben, das Licht, die Auferstehung der Todten: die Kraft richtete den Liegenden auf, das Leben hob seinen Schritt, das Licht vertrieb die Finsternisse und öffnete das Auge wieder, die Auferstehung erneuerte die Gnadengabe des Lebens.

80. Vielleicht veranlaßte der Herr, daß die Juden den Grabstein wegnahmen und die Grabbinden löseten, damit nicht etwa auch du besorgt seiest, wer den Stein von deinem Grabmale heben möchte. Das hieße freilich annehmen, als könne der, welcher den Geist zurückgeben konnte, den Stein nicht entfernen; als könne er die Fesseln nicht zerbrechen, während er doch den Gefesselten wandeln machte; als vermöge er nicht das Antlitz zu enthüllen, während er doch den geschlossenen Augen Licht eingeflößt, als sei er endlich außer Stande, den Felsen zu spalten, da er doch die ganze Natur umwandelte. Es sollten aber diejenigen, welche in ihrem Geiste zum Glauben sich nicht entschließen wollten, ihren eigenen Augen glauben: darum müssen sie den Stein entfernen, den Leichnam sehen, den Todtengeruch empfinden, die Grabbinden lösen. Die können ja nicht leugnen, daß er gestorben, die gesehen haben, wie er erstand; sie haben die Zeichen des Todes, die Gaben des Lebens gesehen. Werden sie nun, während sie sich bemühen, durch ihre eigene Arbeit bekehrt? Werden sie jetzt ihren Ohren glauben, was sie hörten? Werden sie durch ihre Augen [S. 397] belehrt über das, was sie sahen? Werden sie die Bande ihres Geistes zersprengen, da sie die Grabbinden lösen? Wird das Volk, während Lazarus erweckt wird, auch befreit? Werden sie selbst zum Herrn sich wenden, da sie Lazarus sich entfernen sehen? Immerhin haben Viele, die zu Maria kamen, geglaubt, da sie sahen, was geschehen war.

81. Das ist nicht das einzige Beispiel der Erweckung, das der Herr gegeben: er hat noch Andere erweckt, damit wir auf Grund der sich häufenden Beispiele zum Glauben kämen. Er hat, gerührt durch das Weinen der Mutter, den Jüngling erweckt, als er hinzutrat und die Bahre berührte mit den Worten: „Jüngling, ich sage dir, stehe auf!“ Und es richtet sich auf, der todt war, und begann zu reden. Sobald das Wort zu ihm drang, richtete er sich auf, sogleich redete er. Anders freilich ist die Tugendgnade, anders die Ordnung der Natur.

82. Soll ich noch erwähnen der Tochter des Synagogenvorstehers, bei deren Tode die Schaaren weinten, während die Klagelieder erschollen? Zum Zeugnisse, daß der Tod wirklich eingetreten, war die Leichenfeierlichkeit veranstaltete Aber wie schleunig kam auf das Wort des Herrn der Geist zurück, wie rasch richtete der wiederbelebte Leib sich auf und nahm Speise, damit auch das Zeugniß des Lebens geglaubt werde!

83. Wie ferner dürfen wir uns wundern, daß auf Gottes Geheiß die Seele zurückkehrte, das Fleisch den Gebeinen sich wieder verband, wenn wir uns daran erinnern, daß einst die Berührung des Körpers des Propheten den todten Knaben erweckte? Elias flehte, und er rief den Gestorbenen ins Leben zurück; Petrus befahl der Tabitha im Namen Christi, aufzustehen und zu wandeln, und die jubelnden Armen durften glauben, daß sie um der Wohlthaten willen ihnen zurückgegeben sei: und wir sollten nicht glauben um unseres Heiles willen? Jene erlangten die Auferstehung der Tabitha mit ihrem Weinen und Flehen, und wir sollten nicht glauben, daß unsere Auferstehung durch Christi Leiden und Sterben erworben sei? Und doch hat er, um uns zu [S. 398] beweisen, daß er für unsere Auferstehung sterbe, die Auferstehung zuerst gewirkt, als er den Geist aufgab. „Jesus rief abermals mit lauter Stimme und gab seinen Geist auf: die Gräber öffneten sich, und viele Leiber der Heiligen, die entschlafen waren, standen auf; und sie gingen nach seiner Auferstehung aus den Gräbern, kamen in die heilige Stadt und erschienen Vielen.“1

1: Matth. 27, 51 ff.

 

 

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Einleitung zur Schrift über den Tod seines Bruders Satyrus
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger