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Ambrosius von Mailand (340-397) - Über die Jungfräulichkeit (De virginitae)

Cap. V.

In der That: Gott ist unser Gott geworden, seitdem Christus gelitten hat; seitdem sind auch die Jungfrauen bereit, für die Tugend zu sterben. Kein Wort will ich über diese Angelegenheit, kein Wort über Personen reden. Eins ist sicher: wo die Gnade, da ist auch der Friede des Herrn. Ich will auch Niemanden öffentlich beschuldigen; ich will mich nur vertheidigen. Ich bin ja angeklagt, und irre ich nicht, so sind viele von euch unter meinen Anklägern. Ich will aber lieber die Gesinnung derselben zurückweisen, als Personen namhaft machen. Der Grund für die Anklage liegt in dem Verbrechen, daß ich die Keuschheit empfehle. [S. 156] Wer aber das nicht gerne ertragen will, der verräth sich selbst.

„Du lehrst“, sagt man, „die Jungfräulichkeit und überredest gar Manche.“ Wollte Gott, ich würde dessen überführt und es würden mir die Erfolge meines verbrecherischen Wirkens gezeigt. Ich würde wahrhaftig keine Anfechtung scheuen, wenn ich nur jene Erfolge erkännte. Ich würde mich freuen, wenn ich durch Beispiele überführt und nicht bloß mit Behauptungen todtgemacht würde. Ich fürchte indessen, es möge den Anschein gewinnen, als hätte ich mir unredliche Anwälte geworben, welche mit fremden Lobsprüchen für mich eintreten.

„Du verbietest“, lautet die Anklage weiter, „daß die zu den heiligen Geheimnissen zugelassenen und ewiger Keuschheit geweihten Jungfrauen sich vermählen.“ Ach wollte Gott, ich könnte auch die, welche dem Traualtare schon zueilen, noch zurückrufen und sie zwingen, den feuerfarbenen Hochzeitsschleier mit dem heiligen Schleier der Jungfräulichkeit zu vertauschen! Oder erscheint es denn in der That unwürdig, darauf zu bestehen, daß gottgeweihete Jungfrauen von den heiligen Altären nicht zum Traualtar geführt werden? Soll es denen, welche ihren Gatten frei wählen können, nicht auch erlaubt sein, Gott jedem Anderen vorzuziehen? So ändert sich denn für mich die ganze Sachlage, da mir nicht als Schmach erscheinen kann, was allezeit den Ruhm des Priesters erhöht: Saatkörner nämlich unversehrter Reinigkeit auszustreuen, das Streben nach Jungfräulichkeit zu fördern.

 

 

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Einleitung zur Schrift über die Jungfräulichkeit
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger