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Ambrosius von Mailand (340-397) - Über die Jungfräulichkeit (De virginitae)

Cap. XIV.

„Da fanden mich die Wächter, die in der Stadt umhergehen.“ Welches ist diese Stadt, wer sind die Wächter? Das ist jene Stadt, von der geschrieben steht:1 „Ihre Thore werden am Tage nicht geschlossen werden, denn Nacht wird nicht daselbst sein.“ Es ist das himmlische Jerusalem, in welches du nur mit voller, unbefleckter Reinheit treten kannst: nichts Gemeines kann dort eingehen.

Finden wir nun die Stadt, so wollen wir in sie eintreten und anstaunen ihr Licht, ihre Mauern, ihre Bewohner, ihre Fundamente, und auch die Wächter der Mauern. Wie aber werden wir dort Zugang finden? Dort ist Leben, aber es ist nur ein Weg, der zum Leben führt, und dieser Weg ist Christus: ihm also müssen wir folgen. Im Himmel selbst ist die Stadt gegründet. Wie wir dort hingelangen, lehrt uns Johannes, wenn er sagt:2 „Und er führte mich im Geiste auf einen großen, hohen Berg und zeigte mir die heilige Stadt Jerusalem, welche von Gott aus dem Himmel herabstieg.“ Im Geiste also müssen wir uns dorthin aufschwingen; das Fleisch kann nimmer hin gelangen.

„Es hatte aber die Stadt eine hohe, große Mauer mit zwölf Thoren, auf den Thoren zwölf Engel, und Namen waren darauf geschrieben, welches die Namen der zwölf [S. 178] Stämme Israels sind.“ Auf den Thoren standen die Namen der Patriarchen, auf den zwölf Grundsteinen der Mauer aber die Namen der Apostel; der Eckstein ist Christus, auf dem der ganze Bau ruhet. Gott aber ist außer- und innerhalb, er ist überall; „denn die Stadt hat die Klarheit Gottes.“ Darum also seid ihr, heilige Jungfrauen und ihr Alle, die ihr gerecht seid und unbefleckt die Reinheit euerer Seele bewahret, darum seid ihr Mitbürger der Heiligen und Hausgenossen Gottes. Dort werdet ihr Theil haben an der Herrlichkeit des himmlischen Vaterlandes, wenn ihr Christus dort gesucht habt, wenn ihr eingetreten seid durch den Glauben und kostbare Tugendwerke; dort werdet ihr verklärt sein in dem Lichte, das die Patriarchen umstrahlt, gegründet auf die Apostel, in stetem Verkehr mit den Engeln.

Wer nun Christus allezeit gesucht hat, der kann, wenn er treu aushält, den Engeln Gottes begegnen, welche die Stadt bewachen. Nur müßte er den Herrn suchen auch auf dem Lager nach den Worten des Psalmisten: „So habe ich dein gedacht auf meinem Lager;“ bei Nacht, in Erinnerung an jene Worte: „In der Nacht erhebet eure Hände zu meinem Heiligthume.“ Er müßte ihn suchen auch in der Stadt, aber in der Stadt unseres Gottes; auf dem Markte, aber auf jenem, wo der Richter des göttlichen Gesetzes sitzet, und auf den Gassen, wo Jene versammelt sind, welche eingeladen werden zu dem himmlischen Gastmahle.

Wenn aber Jemand geschmückt mit solch’ hehren Verdiensten zu den Engeln kommt, wie kann er verwundet werden? Es gibt ein gutes Schwert, das heilsame Wunden schlägt. Oder trifft das Wort des Herrn nicht so, ohne zu schaden? Das sind die Wunden der Liebe; und „besser sind die Wunden des Liebenden, als die listigen Küsse des Hassers.“3 Das Wort des Herrn läutert und reinigt. „Selig aber sind, die ein reines Herz haben, denn sie werden Gott anschauen.“

1: Offenb. Joh. 21, 25.
2: Offenb. Joh. 21, 10.
3: Sprüchw. 27, 6.

 

 

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Einleitung zur Schrift über die Jungfräulichkeit
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger