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Hieronymus († 420) - Briefe
VI. Briefe an Theophilus von Alexandrien
82. Hieronymus an Theophilus

5.

Merkst Du nicht, daß ich, wie man so sagt, mit geschlossenen Augen nur das Wichtigste streife, ohne meine innerste Meinung klarzulegen? Schließlich redet auch mein Schweigen eine deutliche Sprache. Ich verstehe und billige Dein kluges Verhalten, das allein auf den Frieden innerhalb der Kirche abgestellt ist und für die Sirenengesänge nur taube Ohren hat. Im übrigen bist Du von Jugend auf mit den heiligen Schriften vertraut und weißt daher zu beurteilen, in welchem Sinne ein jedes gesagt ist. Du weißt, wie man bei einem Doppelsinn das Wort wohl abwägen muß, so daß die fremde Ansicht nicht der Verurteilung anheimfällt, aber auch die meinige nicht in Abrede gestellt wird. Doch der reine Glaube und das offene Bekenntnis kennt keine Spiegelfechtereien und keine Wortklauberei. Was man ohne Winkelzüge glaubt, dazu muß man auch ohne Winkelzüge stehen. Ich könnte zwar frei herausreden und trotz Schwerter und babylonischer Feueröfen 1 fragen: „Warum entspricht die Antwort nicht der Fragestellung? Warum ist das Bekenntnis nicht schlicht und offen?“ Alles verrät Furcht, alles ist voller Vorbehalte, alles sieht nach Zweideutigkeit aus und schreitet sozusagen über Grannen. Aber da ich auf Frieden bedacht bin, den ich sehnlichst herbeiwünsche, leihe ich meiner tiefen Erregung keine Worte. Mögen die anderen, die [S. 411] er, der Verletzte, nicht zu verletzen wagt, frisch und munter mit ihrer Anklage herausrücken! 2 Ich jedoch werde jetzt schweigen und Zurückhaltung üben, mag man sie mir nun als Unwissenheit oder Furcht auslegen. Was hätte ich als Ankläger von Johannes zu erwarten, wo er mich schon in den Staub zieht, wenn ich mich anerkennend über ihn äußere, wie er selbst zugibt?

1: Dan. 3, 6.
2: Hieronymus hat das Empfinden, daß er als Prügelknabe für Epiphanius herhalten muß.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger