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Hieronymus († 420) - Briefe
VI. Briefe an Theophilus von Alexandrien
82. Hieronymus an Theophilus

3.

Ich bitte Dich nun, mich geduldig anzuhören und nicht etwa die Wahrheit als Schmeichelei zu deuten. Wer hält mit Dir gegen seine Überzeugung Kirchengemeinschaft? Wer streckt die Hand aus, 1 um zu gleicher Zeit sein Gesicht von Dir wegzuwenden? Wer bietet Dir beim heiligen Mahle den Judaskuß? Ich glaube, wenn Du kommst, dann entsetzt sich die Schar der Mönche nicht; vielmehr freut sie sich, wenn sie Dir um die Wette entgegengeht und aus der Wüste Schlupfwinkeln hervorkommt, um Dich durch ihre demütige Haltung zu gewinnen. Wer veranlaßt sie, herauszukommen? Doch nur die Liebe zu Dir. Wer einigt die in der Wüste Zerstreuten zu einer Gemeinschaft? Doch nur Deine Zuneigung. Denn dem Vater soll Liebe [S. 407] zuteil werden. Der Vater, der zugleich Vater und Bischof ist, muß geliebt, darf aber nicht gefürchtet werden. Es ist eine alte Weisheit: „Wen einer fürchtet, den haßt er; wen einer haßt, dem wünscht er den Tod.“ 2 Deshalb verscheucht auch in unserem Briefe, da nun einmal die Kleinen mit Furcht beginnen, die vollkommene Liebe die Furcht. 3 Du forderst nicht, daß die Mönche Deine Untergebenen seien; dafür sind sie es aber von sich aus um so mehr. Du entbietest ihnen den Bruderkuß, sie aber beugen ihren Nacken. Du trittst ihnen gegenüber auf wie ein einfacher Soldat und offenbarst dadurch Deine Führernatur. Du bist wie einer unter vielen und hebst Dich dadurch heraus wie einer aus vielen. Sofort wehrt sich die Freiheit, wenn sie mit Gewalt unterdrückt wird. Niemand erreicht mehr von einem freien Menschen als der, welcher ihn nicht in seinen Dienst zwingt. Wir kennen die kirchlichen Gesetze. Wir wissen wohl, daß es verschiedene Rangordnungen gibt. Durch Lesung und durch das täglich sich uns bietende Beispiel haben wir bis in unser Lebensalter vieles gelernt, vieles erfahren. Wer mit Skorpionen schlägt und meint, daß seine Finger dicker als seines Vaters Lenden seien, 4 zerstört gar schnell das Reich des sanftmütigen David. Bekanntlich hat das römische Volk nicht einmal an einem Könige Überhebung geduldet. 5 Jener Führer des israelitischen Heeres, der Ägypten mit zehn Plagen heimsuchte, dessen Befehl Himmel, Erde und Meere gehorchten, wird als der sanftmütigste aller Menschen, welche damals die Erde trug, gepriesen. 6 Vierzig Jahre hindurch behielt er die Führung, weil er die Überlegenheit, die mit der Macht verbunden zu sein pflegt, durch Güte und Sanftmut ausglich. Er wird von seinem Volke gesteinigt und betet für seine Steiniger. 7 Lieber will er aus dem Buche Gottes getilgt werden, als daran schuld sein, daß die ihm [S. 408] anvertraute Herde zugrunde geht. 8 Er wollte es jenem Hirten nachmachen, von dem er wußte, daß er die irrenden Schafe auf seinen Schultern heimtragen werde. 9 Heißt es ja: „Der gute Hirt gibt sein Leben für seine Schafe.“ 10 Auch der Jünger des guten Hirten will im Fluche sein statt seiner Brüder und Verwandten dem Fleische nach, statt des israelitischen Volkes. 11 Wenn nun der Apostel umkommen will, damit die Verlorenen nicht zugrunde gehen, um wieviel mehr müssen nicht gute Eltern darauf achten, daß sie ihre Kinder nicht zum Jähzorn treiben und durch ein Übermaß von Härte auch die gefügigsten zu Trotzköpfen umwandeln!

1: Zur Entgegennahme der Eucharistie.
2: Cicero, De offic. II 7, 23.
3: 1 Joh. 4, 18.
4: 3 Kön. 12, 10 f.
5: Tarquinius Superbus.
6: Num. 12, 3.
7: Exod. 17, 4.
8: Exod. 32, 31 f.
9: Luk. 15, 5.
10: Joh. 10, 11.
11: Röm. 9, 3 f.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger