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Hieronymus († 420) - Briefe
VI. Briefe an Theophilus von Alexandrien
82. Hieronymus an Theophilus

2.

Aber werden wir zum Ziele kommen, da in unserer Macht nur der Wille zum Frieden, nicht der Friede selbst liegt? Wenn auch der gute Wille bei Gott, selbst wo er nur Vorsatz bleibt, seinen Lohn erhält, so erfüllt das unvollendete Werk doch den, der gern möchte, mit Trauer. Das wußte auch der Apostel, daß der Friede nur dann ganz vollkommen sein wird, wenn man auf beiden Seiten den guten Willen voraussetzen darf. Darum schreibt er: „Soweit es an euch liegt, haltet Frieden mit allen Menschen!“ 1 Und der Prophet schreibt: „Friede! Friede! Aber wo ist Friede?“ 2 Das hat keinen Wert, mit dem Munde den Frieden fordern, ihn dann aber durch die Tat unmöglich machen. Es sind zwei verschiedene Dinge, fordern und vormachen, mit lauten Worten die Eintracht preisen, in Wirklichkeit aber sklavische Unterwerfung verlangen. Auch wir wünschen den Frieden, ja wir wünschen ihn nicht bloß, sondern wir bitten darum. Aber um den Frieden Christi bitten wir, um den wahren Frieden, um einen Frieden ohne Feindseligkeit, um einen Frieden, der nicht den Kriegskeim in sich birgt, um einen Frieden, der nicht Gegner unterjocht, sondern in Freundschaft vereinigt. Warum sollen wir Herrschsucht Frieden nennen und nicht jedem Ding seinen wahren Namen geben? Wo Haß obwaltet, da spricht man von Feindschaft; und nur, [S. 406] wo Liebe herrscht, kann von Friede die Rede sein. Wir lehnen es ab, die Kirche zu spalten oder uns von der Gemeinschaft mit den Vätern zu trennen. Vielmehr sind wir, um einmal diesen Ausdruck zu gebrauchen, von der Wiege an mit katholischer Milch genährt worden. Niemand ist mehr kirchlich gesinnt als der, welcher niemals unter die Häretiker gegangen ist. 3 Aber wir kennen keinen Frieden ohne Liebe und keine Kirchengemeinschaft ohne Frieden. Wir lesen ja im Evangelium: „Wenn du dein Opfer am Altare darbringst, und es fällt dir ein, daß dein Bruder etwas wider dich hat, so laß deine Opfergabe am Altare und gehe zuvor hin und versöhne dich mit deinem Bruder, und dann komme wieder, um deine Gabe darzubieten!“ 4 Wenn wir nicht einmal unsere Gaben ohne friedliche Gesinnung darbringen können, um wieviel weniger können wir in diesem Zustande Christi Leib empfangen? In welcher Verfassung soll ich bei der Eucharistie Christi Amen antworten, 5 wenn ich an der Liebe desjenigen zweifeln muß, der sie mir darreicht?

1: Röm. 12, 18.
2: Jer. 6, 14 (nach LXX).
3: Anspielung auf Johannes als Anhänger des Origenes.
4: Matth. 5, 23 f.
5: Vgl. BKV V 54 (Griechische Liturgien).

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger