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Leo der Grosse († 461) - Sämtliche Sermonen (Sermones)
Sermo XXXIX-L: Zwölf Predigten auf Quadragesima.
Sermo XLI. 3. Predigt auf die vierzigtägige Fastenzeit.

3.

Laßt uns also in diesen Tagen der heiligen Fastenzeit die Werke der Nächstenliebe, die uns immer am Herzen liegen sollen, in noch ausgiebigerem Maße üben! "Seien wir barmherzig gegen alle, besonders aber gegen die Glaubensgenossen"1 , um, uns auch in der Spendung der Almosen die Güte unseres himmlischen Vaters zum Vorbild zu nehmen, "der seine Sonne aufgehen läßt über Gute und Böse und regnen läßt über Gerechte und Ungerechte!"2 . Obgleich man also namentlich den Gläubigen in ihrer Armut zu Hilfe kommen soll, so ist es doch auch Pflicht, der Bedrängnis derer seine Teilnahme zuzuwenden, die noch nicht das Evangelium angenommen haben; denn bei allen Menschen muß uns die gemeinschaftliche Natur mit Liebe erfüllen. Diese Gemeinschaft soll uns auch gegen jene gütig stimmen, die in irgendeinem Dienstverhältnis zu uns stehen, vor allem dann, wenn sie bereits durch dieselbe Gnade wiedergeboren und um den gleichen Preis des Blutes Christi erlöst sind! Haben wir ja mit ihnen auch noch d a s gemein, daß wir alle nach Gottes Ebenbild geschaffen sind. Sie unterscheiden sich von uns weder durch ihre leibliche Abstammung noch durch ihre geistige Wiedergeburt. Der Geist, durch den wir geheiligt werden, ist ein und derselbe. Wir leben in dem gleichen Glauben und eilen zu denselben Sakramenten. Laßt uns diese Einheit nicht geringschätzen und eine so weitgehende Gemeinschaft nicht für wertlos halten! Nein, gerade der Gedanke, daß d i e unsere Knechte sind, mit denen wir uns in den Dienst ein und desselben Gebieters teilen, übe auf unser ganzes Verhalten3 einen mildernden Einfluß aus! Wenn also der eine oder der andere von ihnen seinen Herrn schwerer beleidigt hat, so möge ihm in diesen Tagen der Versöhnung Verzeihung zuteil werden! Erbarmung trete an die Stelle der Strenge, und Nachsicht ersticke alle Rachsucht! Keine bleibe mehr in Gewahrsam, keiner befinde sich mehr hinter Schloß und Riegel! Denn nur wer anderen ihre Sünden verzieh, sollte auf eine Nachlassung seiner eigenen rechnen dürfen. An diese Bedingung knüpfte unser Gott seine Barmherzigkeit4 . Laßt uns darum, Geliebteste, beseitigen, was die Zwietracht schürt und zu Feindschaft aufstachelt! Aufhören soll aller Haß und schwinden jede Eifersucht! "Alle Glieder Christi"5 umschlinge das eine Band der L i e b e ; denn "selig sind die Friedfertigen, weil sie Kinder Gottes genannt werden"6 , nicht allein "Kinder" sondern auch "Erben", "Miterben Christi"7 ,. der lebt und waltet in Ewigkeit. Amen.

1: Gal 6,10
2: Mt 5,45
3: ihnen gegenüber
4: vgl.Mt 6,14 f.;18,35; Mk 11,25
5: 1 Kor 6,15
6: Mt 5,9
7: Röm 8,17

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger