Titel newsletter aktuell suche Titel werke start

Diese Datenbank wird nicht mehr weiter ergänzt. Bitte verwende Sie die neue Seite hier: https://bkv.unifr.ch

Hieronymus († 420) - Briefe
VII. Briefe an Augustinus von Hippo
112. An Augustinus

8.

Dem Leser mögen meine Darlegungen nicht lästig scheinen! Vielmehr ist es mir und ihm dienlich, wenn ich beweise, daß Petrus, ehe Paulus zum Apostelamte erhoben wurde, wohl wußte, daß das Gesetz nach dem Evangelium keine Geltung mehr habe, ja daß das betreffende Dekret auf ihn selbst als Urheber zurückging. Wie groß aber des Petrus Autorität war, ergibt sich aus dem, was Paulus in seinem Briefe schreibt: „Später, nach drei Jahren, kam ich nach Jerusalem, um den Petrus [S. 442] zu sehen, und ich blieb fünfzehn Tage bei ihm.“ 1 Und im gleichen Briefe schreibt er: „Nach vierzehn Jahren ging ich zum zweiten Male mit Barnabas und Titus hinauf nach Jerusalem. Ich ging hinauf auf Grund einer Offenbarung und legte ihnen das Evangelium vor, wie ich es unter den Heiden predige.“ 2 Damit tat er kund, daß es ihm bei der Predigt des Evangeliums an der nötigen Sicherheit gefehlt hätte, wenn er sich nicht gestärkt fühlte durch die Zustimmung Petri und der übrigen Apostel, die mit diesem waren. Unmittelbar darauf fährt er fort: „Insgeheim aber auch denen, die ein gewisses Ansehen hatten, damit ich nicht etwa vergeblich laufe oder gelaufen bin.“ 3 Warum insgeheim und nicht öffentlich? Um den Judenchristen kein Ärgernis zu geben, welche glaubten, daß man das Gesetz beobachten und zugleich an den Herrn und Erlöser glauben müsse. Weil Petrus nun Tadel verdient hatte, deshalb schreibt Paulus, daß er ihm ins Angesicht Widerstand geleistet habe, als er nach Antiochia kam. Wenn auch die Apostelgeschichte nichts darüber berichtet, so können wir es doch Paulus auf seine Zusicherung hin glauben. Bevor nämlich einige Leute aus der Umgebung des Jakobus ankamen, aß Petrus mit den Heiden. Nach deren Ankunft zog er sich zurück und sonderte sich ab aus Furcht vor denen, die aus der Beschneidung waren. Mit ihm heuchelten auch die übrigen Juden, so daß auch Barnabas durch ihre Heuchelei mitgerissen wurde. „Als ich aber sah“, schreibt der Apostel, „daß sie nicht geradenwegs wandelten gemäß der Wahrheit des Evangeliums, sprach ich in Gegenwart aller zu Petrus: Wenn du als Jude nach heidnischer statt nach jüdischer Art lebst, wie kannst du dann die Heiden zwingen, nach jüdischem Gebrauch zu leben?“ 4 usw. — Für niemanden besteht darüber ein Zweifel, daß der Apostel Petrus als erster für die Auffassung eintrat, wegen deren Verletzung er jetzt zur Verantwortung [S. 443] gezogen wird. Die Ursache dieser Verletzung aber ist die Furcht vor den Juden. Denn die Schrift berichtet, daß er zuerst mit den Heiden aß. Als aber die Leute aus der Umgebung des Jakobus kamen, zog er sich zurück und sonderte sich ab aus Furcht vor denen, die aus der Beschneidung waren. Er fürchtete also die Juden, deren Apostel er war, und meinte, sie könnten an seiner heidnischen Lebensweise Anstoß nehmen und vom Glauben an Christus abfallen. Damit hätte er, statt in die Fußstapfen des guten Hirten zu treten, die ihm anvertraute Herde zugrunde gerichtet.

1: Gal. 1, 18.
2: Ebd. 2, 1 f.
3: Ebd. 2, 2.
4: Ebd. 2, 11 ff.

 

 

Informationen
Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Einleitung zu den Briefen des Hieronymus
Verzeichnisse

Navigation
I. Briefe familiären ...
II.a. Aszetische Briefe: ...
II.b. Aszetische Briefe: ...
II.c. Aszetische Briefe. ...
II.d. Aszetische Briefe: ...
III.a. Polemisch-apolo...
III.b. Polemisch-apolo...
III.c. Polemisch-apolo...
IV.a. Briefe wissensch...
IV.b. Briefe wissensch...
V. Briefe kirchenrecht...
VI. Briefe an Theophilus ...
VII. Briefe an Augustinus ...
. 103. An Augustinus ...
. 102. An Augustinus ...
. 105. An Augustinus ...
. 112. An Augustinus ...
. . Einleitung
. . 1.
. . 2.
. . 3.
. . 4.
. . 5.
. . 6.
. . 7.
. . 8.
. . 9.
. . 10.
. . 11.
. . 12.
. . 13.
. . 14.
. . 15.
. . 16.
. . 17.
. . 18.
. . Mehr
. 115. An Augustinus ...
. 134. An Augustinus ...
. 141. An Augustinus ...
. 142. An Augustinus ...
. 143. An Alypius und ...

Titel Top Back Next
 
Kontakt: Griechische Patristik und orientalische Sprachen - Miséricorde - Av. Europe 20 - CH-1700 Fribourg
Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger