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Hieronymus († 420) - Briefe
VII. Briefe an Augustinus von Hippo
112. An Augustinus

4.

An zweiter Stelle willst Du darüber Auskunft, warum ich in meinem Kommentar zum Galaterbrief geschrieben habe, Paulus hätte an Petrus nicht tadeln können, was er selbst getan hatte. Er hätte doch auch zum Schein an einem andern nicht rügen können, wessen er sich selbst schuldig erwiesen hatte. 1 Du behauptest, der Tadel des Apostels sei keine gekünstelte Sache gewesen, sondern ein echter Tadel. Ich solle mich nicht zum Anwalt der Lüge machen, sondern alles, was geschrieben steht, so deuten, wie es geschrieben steht. Hierauf habe ich zuerst zu erwidern, Deine Klugheit hätte sich des Vorwortes zu meinem Kommentar erinnern dürfen, wo ich von mir sage: „Bin ich so töricht oder so verwegen, daß ich mir zu leisten anmaße, was jener 2 nicht fertig brachte? Keineswegs. Vielmehr glaube ich gerade dadurch um so vorsichtiger und gewissenhafter zu handeln, daß ich in der eigenen Erkenntnis meines unzureichenden Könnens mich an die Kommentare des Origenes angelehnt habe. Dieser hat fünf Bücher über Pauli Brief an die Galater geschrieben. 3 Auch hat er das zehnte Buch seiner Stromata mit einer kurzgefaßten Erläuterung zu diesem Briefe beschlossen. Dazu hat er noch verschiedene Traktate und Scholien, die an sich schon genügen würden, verfaßt. 4 Ich übergehe Didymus, in meinen Augen ein klar Sehender, 5 und [S. 437] den Laodizener, 6 der vor kurzem aus der Kirche ausgetreten ist, den alten Häretiker Alexander, 7 Eusebius von Emesa 8 und Theodor von Heraklea, 9 die ebenfalls einige Ausführungen zu diesem Thema hinterlassen haben. Wenn ich aus diesen Autoren nur einige wenige Auszüge gemacht hätte, so wäre ein Werk entstanden, das sich hätte sehen lassen können. Um es kurz zu sagen, diese alle habe ich gelesen. Vieles davon hat sich meinem Gedächtnis eingeprägt. Dem Schreiber habe ich nun teils meine, teils der anderen Gedanken diktiert, ohne dabei auf die Ordnung, den Wortlaut und zuweilen selbst auf den Inhalt zu achten. Möge Gottes Barmherzigkeit mich davor bewahren, daß durch meine Schuld zu Schaden kam, was andere gut gesagt haben, oder daß in fremder Sprache mißfällt, was im ursprünglichen Texte großen Beifall fand.“ 10 Wenn Du also an meiner Erklärung etwas zu rügen fandest, dann war es wissenschaftliches Gebot, zu untersuchen, ob das, was ich schrieb, in einer griechischen Vorlage stand. War es dort nicht zu finden, dann hättest Du es als meine Auffassung verurteilen können. Aber eine solche Prüfung mußte vorangehen, da ich ja in meinem Vorwort offen zugab, die Kommentare des Origenes benutzt und sowohl Eigenes als auch Fremdes diktiert zu haben. Auch schrieb ich am Ende jener Stelle, derentwegen Du mich angreifst: „Sollte jemandem die Auffassung nicht zusagen, nach der Petrus sich nicht [S. 438] verfehlt und Paulus seinen Oberen nicht voreilig beschuldigen wollte, dann schuldet er eine Erklärung dafür, daß Paulus an einem anderen tadelt, was er selbst getan hat.“ 11 Damit ist der Beweis erbracht, daß ich nicht einseitig als richtig vertrete, was ich bei den Griechen las. Ich habe nur niedergelegt, was ich vorgefunden habe, um es dem Leser zu überlassen, ob er diese Deutung annehmen oder ablehnen wolle.

1: Ep. 67, 3 (Hilberg); comm. in ep. ad Gal. 2, 11 ff. (M PL XXVI 364).
2: Gemeint ist des G. Marius Victorinus, der als Greis um 355 Christ wurde, Kommentar zum Galaterbrief (M PL VIII 1145 ff.).
3: Bis auf wenige Fragmente verloren (vgl. B. II 149), ebenso die Stromata (vgl. B. II 171 f.).
4: Auch die Scholien sind nicht erhalten (vgl. B. II 121).
5: Die Auslegung des Galaterbriefes des Didymus „des Blinden“ (lebte in Alexandria ca. 313—398) ist verschollen (vgl. B. III 109).
6: Apollinaris von Laodicea (ca. 310—392), der die Vereinigung der zwei Naturen in der einen Person Christi leugnete. Der Kommentar ist nicht erhalten (vgl. B. III 287).
7: Grützmacher (II 25) denkt an den Valentinianer Alexander; vgl. Zahn, Geschichte des neutest. Kanons I 728. Leip zig 1888.
8: Eusebius von Emesa († um 359) schrieb einen Kommentar zum Galaterbrief in 10 Büchern, der nicht auf uns gekommen ist (vgl. B. III 263 f.).
9: Der Kommentar des Theodor (ca. 335—355 Bischof von Heraklea) ging verloren (vgl. B. III 265).
10: M PL XXVI 332 f.
11: M PL XXVI 367.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger