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Hieronymus († 420) - Briefe
VII. Briefe an Augustinus von Hippo
112. An Augustinus

22.

Du wirfst mir vor, im Propheten Jonas etwas falsch übertragen zu haben. Der Bischof soll auf einen Volksaufstand hin wegen eines abweichenden Wortes beinahe um sein Priesteramt gekommen sein. Was ich aber falsch übersetzt haben soll, das gibst Du nicht an und nimmst mir damit die Möglichkeit, mich zu rechtfertigen und, was es auch immer sein mag, die Schwierigkeit zu lösen. Oder kommt am Ende gar wieder wie vor vielen Jahren der Kürbis zum Vorschein, als mir jemand, der aus der Familie der Cornelier oder des Asinius Pollio sein wollte, 1 vorwarf, ich hätte statt Kürbis Efeu gesetzt? Dazu habe ich eingehend in meinem Jonaskommentar Stellung genommen. 2 Hier will ich mich darauf beschränken, zu bemerken, daß Aquila und alle übrigen Efeu übersetzten, wo die Septuaginta Kürbis schreibt. Diese gebraucht das Wort κιττός, [S. 460] das im Hebräischen Ciceion 3 geschrieben wird und im Syrischen Ciceia heißt. Es ist dies eine Art Gewächs, welches breite Blätter hat nach Art des Weinlaubes. Wenn man es pflanzt, dann wächst es rasch zu einem Strauche hoch, ohne daß man den Stamm und die Zweige zu stützen braucht, wie es beim Kürbis und beim Efeu nötig ist, da der Stamm aus eigener Kraft sich aufrecht hält. Hätte ich also wortwörtlich übersetzt und Ciceion geschrieben, dann hätte es niemand verstanden. Hätte ich Kürbis gesetzt, dann hätte ich mich in Widerspruch gesetzt zum Hebräischen. Ich habe mich dann in Übereinstimmung mit den übrigen Übersetzern für Efeu entschieden. Wenn aber Eure Juden aus Bosheit oder Unkenntnis, wie Du selbst zugibst, mit der Behauptung kommen, die hebräischen Handschriften stimmten mit den griechischen und lateinischen überein, dann ist es klar, daß sie entweder kein Hebräisch verstehen oder daß sie sich mit ihrer Lüge über die Anhänger der Kürbislesart lustig machen wollten.

Am Schlusse meines Briefes habe ich noch eine Bitte. Zwinge den ruhebedürftigen Greis und alten Veteranen nicht mehr zum Kampfe, der ihn neuen Gefahren aussetzt! Du bist jung und stehst auf dem Höhepunkt Deiner bischöflichen Amtswaltung. Du lehre die Völker, und mit den neuen Erzeugnissen Afrikas mögen sich die römischen Speicher füllen! Mir aber genügt es, in einem Winkel meines Klosters mit einigen schlichten Hörern und Lesern zu flüstern.

1: Hieronymus bezeichnet einen gewissen Cantherius (Spottname?) als Urheber des Vorwurfs (vgl. comm. in Jon. 4, 6 — M PL XXV 1202 f.).
2: M PL XXV 1202 ff.
3: קִיקָיוֹן

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger