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Hieronymus († 420) - Briefe
VII. Briefe an Augustinus von Hippo
112. An Augustinus

16.

Wir haben nun von Dir gehört, was der Apostel Paulus als schlecht am Judentum preisgegeben hat. Jetzt möchte ich von Dir wissen, was er denn Gutes von ihm beibehalten hat. Du wirst sagen: „Die Gebräuche des Gesetzes, welche die Juden nach Vätersitte übten, wie sie auch von Paulus geübt wurden, ohne daß er ihnen irgendwelche Notwendigkeit für das Heil beimaß.“ 1 Ich verstehe nicht recht, was Du mit dieser Einschränkung „ohne irgendwelche Notwendigkeit für das Heil“ sagen willst. Wenn sie das Heil nicht nach sich ziehen, weshalb beobachtet man sie? Muß man sie aber üben, dann bewirken sie auch sicher das Heil, zumal wenn ihre Übung die Krone des Martyriums sichern kann. Man würde sie doch nicht beobachten ohne das Empfinden, daß sie zum Heile beitragen. Denn sie gehören doch nicht zu den gleichgültigen Dingen, die zwischen gut und böse liegen, wie die Philosophen sagen, Enthaltsamkeit ist etwas Gutes, Üppigkeit ist etwas Schlechtes. Zwischen beiden liegen Dinge, denen keine sittliche Wertung zukommt, wie Spazierengehen, die Verdauung, das Schneuzen und Auswerfen. Diese Dinge sind weder gut noch schlecht. Du magst sie tun oder nicht tun, sie werden Dir weder als Gerechtigkeit noch als Ungerechtigkeit angerechnet werden. Die Beobachtung der Gesetzesbräuche kann aber nichts Gleichgültiges sein. Sie ist entweder gut oder böse. Du hältst sie für gut, ich bezeichne sie als schlecht. Schlecht ist sie aber nicht bloß für die Heidenchristen, sondern auch für die Juden, die zum Glauben gekommen sind. Wenn ich recht sehe, willst Du in dieser Sache einer Gefahr ausweichen, gerätst dafür aber in eine zweite. Du willst nichts mit den Schmähungen eines Porphyrius zu tun haben, verfängst Dich aber in den Fallstricken der Ebioniten, wenn Du Dich dahin entscheidest, daß die [S. 453] Judenchristen das Gesetz beobachten müssen. Weil Du aber einsiehst, wie gefährlich Deine Behauptung ist, deshalb suchst Du sie mit den überflüssigen Worten abzuschwächen: „Ohne irgendwelche Notwendigkeit für das Heil. Nicht seien sie zu beobachten in dem Sinne, wie die Juden es glaubten, aber auch Heuchelei und Verstellung seien unerlaubt, wie sie Paulus bei Petrus beanstandete.“ 2

1: Ep. 67, 6 (Hilberg).
2: Ep, 67, 6 (Hilberg).

 

 

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Einleitung zu den Briefen des Hieronymus
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger