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Hieronymus († 420) - Briefe
VII. Briefe an Augustinus von Hippo
112. An Augustinus

14.

Welchen Christen möchte folgende Stelle aus Deinem Briefe nicht beunruhigen? „Paulus war ein Jude. Christ geworden verzichtete er nicht auf die heiligen Gebräuche der Juden, die jenes Volk seinem Wesen entsprechend zu einer Zeit, die es nötig machte, erhalten hatte. Deshalb behielt er sie auch bei, als er bereits Christi Apostel war, um zu zeigen, daß damit keine Gefahr für diejenigen verbunden sei, welche das Gesetz nach ererbter Vätersitte beobachten wollten.“ 1 Ich bitte Dich, nimm in aller Ruhe entgegen, was ich zu solchen bedauerlichen Auffassungen zu sagen habe! Paulus soll jüdische Zeremonien beobachtet haben, als er bereits ein Apostel Christi war? Diese sollen unschädlich gewesen sein für alle jene, welche sie nach hergebrachter Vätersitte beobachten wollten? Ich behaupte im Gegenteil und vertrete es offen gegen eine ganze Welt von Gegnern: „Die jüdischen Gebräuche bergen für die Christen Verderben und Tod in sich. Wer sie beobachtet, mag er Juden- oder Heidenchrist sein, ist ein dem Teufel verfallener [S. 449] Bösewicht. Ist doch Christus das Endziel des Gesetzes, dazu bestimmt, einen jeden zu rechtfertigen, der gläubig geworden ist, 2 mag er nun aus dem Judentum oder aus dem Heidentum kommen. Wie kann er aber das Endziel sein, dazu bestimmt, einen jeden zu rechtfertigen, der gläubig geworden ist, wenn man eine Ausnahme aufstellt für den Juden?“ Im Evangelium lesen wir an verschiedenen Stellen: „Das Gesetz und die Propheten haben Gültigkeit bis auf Johannes den Täufer.“ 3 „Noch mehr gingen die Juden darauf aus, ihn zu töten, weil er nicht nur den Sabbat aufhob, sondern weil er Gott seinen Vater nannte und sich damit Gott gleichstellte.“ 4 „Aus seiner Fülle haben wir alle empfangen, Gnade um Gnade. Denn das Gesetz ist durch Moses gegeben worden, Gnade und Wahrheit aber gehen auf Jesus Christus zurück.“ 5 Für die Gnade des Gesetzes, die vorübergehend war, haben wir die bleibende Gnade des Evangeliums empfangen. An die Stelle der Schatten und Bilder des Alten Bundes trat die Wahrheit, die uns durch Jesus Christus zuteil geworden ist. Im Namen Gottes verkündet der Prophet Jeremias: „Es kommen Tage, spricht der Herr, in denen ich mit dem Hause Israel und dem Hause Juda einen neuen Bund schließen werde. Dies wird ein anderer Bund sein wie der, den ich mit ihren Vätern schloß am Tage, als ich sie an der Hand nahm und herausführte aus dem Lande Ägypten.“ 6 Beachte wohl, daß er dem Volke der Juden, welchem er das Gesetz durch Moses gegeben hatte, den Neuen Bund des Evangeliums verspricht, nicht aber den Heiden, mit denen er früher keinen Bund geschlossen hatte! Die Juden sollten nicht mehr nach dem alten abgenutzten Buchstaben leben, sondern im neuen Geiste. 7 Paulus aber, um den sich die ganze Auseinandersetzung dreht, hat hierfür an vielen Stellen, von denen ich der Kürze halber nur einige anführen will, Zeugnis abgelegt. „Ich, [S. 450] Paulus, aber sage euch, wenn ihr euch beschneiden lasset, wird euch Christus nichts nützen.“ 8 „Ihr habt keinen Anteil an Christus, wenn ihr im Gesetze eure Rechtfertigung suchet Ihr seid abgefallen von der Gnade.“ 9 „Wenn ihr euch vom Geiste führen lasset, steht ihr nicht mehr unter dem Gesetze.“ 10 Daraus folgt, daß derjenige, der unter dem Gesetze steht, den Heiligen Geist nicht besitzt, nicht in einer Art von Anpassung, wie es unsere alten Erklärer auffaßten, sondern in Wahrheit, wie Du es meinst. Welcherart aber die Gesetzesvorschriften sind, darüber soll uns Gott selbst belehren. Er spricht: „Ich habe ihnen unvollkommene Gebote gegeben und Verordnungen, die das Leben nicht in sich haben.“ 11 Dies behaupte ich nicht, weil ich mit den Manichäern und Marcion 12 das Gesetz vernichten möchte, das, wie ich weiß, nach dem Worte des Apostels heilig und geistig ist. 13 Aber nachdem der Glaube und die Fülle der Zeiten gekommen war, hat Gott seinen Sohn gesandt, gebildet aus dem Weibe und dem Gesetze unterworfen. Er soll alle erlösen, die unter dem Gesetze standen, damit uns Gott an Kindesstatt annähme. 14 Nicht mehr unter einem Erzieher sollten wir leben, sondern unter einem gereiften Herrn und Erben. 15

1: Ep. 67, 4 (Hilberg).
2: Röm. 10, 4.
3: Luk. 16, 16.
4: Joh. 5, 18.
5: Ebd. 1, 16 f.
6: Jer. 31, 31 f.
7: Röm. 7, 6.
8: Gal. 5, 2.
9: Ebd. 5, 4.
10: Ebd. 5, 18.
11: Ezech. 20, 25.
12: Die Manichäer, Vertreter eines dualistischen Systems, das gegen Ende des dritten Jahrhunderts im römischen Reich Fuß faßte, verwarfen das Alte Testament wie auch der im 2. Jahrhundert in Rom lebende Gnostiker Marcion.
13: Röm. 7, 2. 14.
14: Gal. 4, 4 f.
15: Ebd. 3, 25; 4, 7.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger