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Hieronymus († 420) - Briefe
VII. Briefe an Augustinus von Hippo
112. An Augustinus

13.

Der Kernpunkt des ganzen Problems oder richtiger Deiner Deutung ist folgender: Handeln die gläubig gewordenen Juden nach der Verkündigung des Evangeliums Christi richtig, wenn sie die Vorschriften des Gesetzes beobachten, d.h. wenn sie Opfer darbringen, wie es Paulus getan hat, wenn sie ihre Kinder beschneiden wie Paulus den Timotheus, wenn sie den Sabbat beobachten, wie alle Juden es getan haben? Wenn dies richtig ist, dann gleiten wir in die Irrlehre des Kerinth 1 und des Ebion 2 hinein, die an Christus glaubten und von den Vätern nur deshalb verurteilt wurden, weil sie die Gesetzesbräuche mit dem Evangelium Christi vermengten. Sie haben sich zum Neuen bekannt, ohne das Alte preiszugeben. Was soll ich von den Ebioniten sagen, welche sich den Anschein geben, Christen zu sein? Noch heute besteht in allen Synagogen des Orients die jüdische Sekte der Minäer, besser bekannt unter dem Namen Nazaräer, 3 welche von den Pharisäern bis zur Stunde verurteilt wird. Sie glauben an Jesus Christus, den Sohn Gottes, geboren aus Maria der Jungfrau. Er ist für sie derselbe, der unter Pontius Pilatus gelitten hat und von den Toten auferstanden ist, an den wir ja auch glauben. Aber da sie zugleich Juden und Christen sein wollen, sind sie weder Juden noch Christen. Nun bitte ich Dich! Die winzige Verwundung, die ich [S. 448] angerichtet habe, die ein Nadelstich, ja noch geringfügiger ist, willst Du heilen. Aber wie? Durch die tödliche Wunde Deiner Auffassung, welche Du mit einer Lanze von der Schwere einer Falarica, 4 wenn ich so sagen soll, beigebracht hast. Sicherlich ist es nicht so schlimm, bei der Erklärung der Schrift die verschiedenen Ansichten der Alten anzuführen, als eine überaus verabscheuungswürdige Irrlehre wieder in die Kirche einzuführen. Sind wir nämlich verpflichtet, die Juden mit ihren Gesetzen aufzunehmen, und erlauben wir ihnen die Beobachtung der Gebräuche, die sie in den Synagogen des Satans übten, 5 in den Kirchen Christi, dann werden sie — ich rede, wie ich es meine — keine Christen werden, wohl aber uns zu Juden machen.

1: Irrlehrer zur Spätzeit des Apostels Johannes, der jüdische, christliche und gnostische Lehren vermengte.
2: Der legendäre Stifter der frühchristlichen judaisierenden Sekte der Ebioniten.
3: Die Nazaräer sind die mildere, mehr dem Christentum sich nähernde Richtung der Ebioniten (vgl. B. I 377).
4: Ein gewaltiger Wurfspeer mit drei Fuß langer Eisenspitze (vgl. z.B. Vergil, Aen. IX 705).
5: Offenb. 2, 9; 3, 9.

 

 

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Einleitung zu den Briefen des Hieronymus
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger