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Leo der Grosse († 461) - Sämtliche Sermonen (Sermones)
Sermo XXXIX-L: Zwölf Predigten auf Quadragesima.
Sermo XL. 2. Predigt auf die vierzigtägige Fastenzeit.

3.

Wen sollte denn der nicht zu versuchen wagen, der es nicht einmal unterließ, an unseren Herrn Jesus Christus mit seinen listigen Anschlägen heranzutreten? Die Geschichte im Evangelium hat uns belehrt1 , daß unser Erlöser, der wahrer Gott war, nach einem Fasten von vierzig Tagen und Nächten den Hunger, wie wir schwachen Geschöpfe ihn fühlen, in sich aufkommen ließ. Er wollte dadurch sich auch als wahren Menschen zeigen und die gottlosen Meinungen aller2 Irrlehren von vornherein ausschließen. Da freute sich der Satan, in ihm ein Anzeichen einer leidensfähigen und sterblichen Natur entdeckt zu haben. Und um die von ihm gefürchtete Macht des Herrn auf die Probe zu stellen, sprach er: "Bist du Gottes Sohn, so befiehl, daß diese Steine da Brot werden!"3 . Natürlich hätte der Allmächtige dies gekonnt. Gar leicht hätte auf des Schöpfers Geheiß all das, was er erschaffen, die von ihm gewünschte Gestalt annehmen können, wie er ja auch beim Hochzeitsmahle, sobald er nur wollte, Wasser in Wein verwandelte4 . Allein es entsprach mehr den für unsere Erlösung getroffenen Bestimmungen, daß die List des so hochmütigen Feindes vom Herrn nicht durch seine göttliche Kraft, sondern durch seine geheimnisvolle Selbsterniedrigung vereitelt werden sollte. Als dann endlich der Satan hatte weichen müssen und der Verführer sich in all seinen Anschlägen enttäuscht sah, "da traten die Engel zum Herrn heran und dienten ihm"5 . In den listigen Versuchungen des Teufels sollte sich die rein menschliche Natur und in den Dienstleistungen der heiligen Engel das göttliche Wesen dessen offenbaren, der wahrer Mensch und wahrer Gott ist. Zuschanden mögen also die Söhne und Anhänger des Satans werden, die erfüllt von den Einflüsterungen der Schlange alle jene täuschen, die einfältigen Herzens sind! Leugnen sie ja, daß in Christus beide Naturen wirklich vorhanden sind, indem sie entweder den Menschen der Gottheit entkleiden6 oder die Gottheit des Menschen7 . Und doch ist durch zwei in die gleiche Zeit fallende beweiskräftige Begebenheiten das Verkehrte an beiden Lehren gründlich widerlegt: In dem Hunger, den der Leib verspürte, äußerte sich deutlich die vollkommen menschlich Natur, wie in dem Erscheinen der Engel zu seinem Dienste die vollkommen göttliche klar zutage trat.

1: Mt 4,111
2: hierauf bezüglichen
3: Mt 4,3
4: Joh 2,1.ff.
5: Mt 4,11
6: wie Nestorius
7: Patripassianer

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger