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Hieronymus († 420) - Briefe
V. Briefe kirchenrechtlichen und pastoralen Inhaltes
146. An den PresbyterDer Ausdruck Presbyter wurde in diesem Briefe bei der Übersetzung mit Absicht belassen. Evangelus

1.

Bei Isaias lesen wir: „Der Tor redet Törichtes.“ 1 Da höre ich von einem, der sich zu dem Wahne versteigt, die Diakone über die Presbyter, d.h. über die Bischöfe zu stellen. Der Apostel lehrt mit aller Deutlichkeit, daß Presbyter und Bischöfe auf der gleichen Stufe stehen. Wie kann sich da der Diener der Tische und der Witwen unterfangen, sich hochnäsig über die Männer zu erheben, auf deren Gebet hin Leib und Blut Christi gegenwärtig werden? Zur Stütze meiner Behauptung verweise ich auf die Schriftstelle: „Paulus und Timotheus, Diener Jesu Christi, an alle Heiligen in Christus Jesus, die in Philippi sind, samt ihren Bischöfen und Diakonen.“ 2 Wird noch ein anderes Zeugnis gewünscht, dann erinnere ich an die Apostelgeschichte, wo der Apostel Paulus zu den Priestern einer Einzelkirche spricht: „Habet acht auf euch und auf die ganze Herde, über welche euch der Heilige Geist als Bischöfe gesetzt hat, um die Kirche des Herrn zu leiten, die er sich mit seinem Blute erkauft hat.“ 3 Sollte sich etwa jemand in seiner Streitsucht darauf versteifen, zu behaupten, in einer Kirche habe es nie mehrere Bischöfe gegeben, dann will ich ihm eine weitere Stelle vor Augen führen, aus der sich aufs deutlichste ergibt, daß sich Bischöfe und Presbyter gleichstehen. Sie lautet: „Deshalb habe ich dich in Kreta zurückgelassen, damit du Ordnung schaffst, wo Mängel sind, und Presbyter in den einzelnen Städten einsetzest nach den Richtlinien, die ich dir gegeben habe: Ein solcher muß tadellos sein, eines Weibes Mann. Seine Kinder müssen gläubig sein und dürfen nicht den Vorwurf der Liederlichkeit [S. 386] und Unbotmäßigkeit auf sich ziehen. Denn der Bischof muß als Gottes Verwalter unbescholten sein.“ 4 Ferner schreibt Paulus an Timotheus: „Vernachlässige nicht die Gnadengabe der Weissagung, welche dir verliehen wurde durch die Handauflegung des Presbyteriums!“ 5 Auch Petrus läßt sich in seinem ersten Briefe wie folgt vernehmen: „Als Mitpresbyter, als Zeuge der Leiden Christi und als Teilhaber der zukünftigen Herrlichkeit, die einst offenbar werden soll, bitte ich die Presbyter unter euch, die Herde Christi zu weiden und zu leiten, und zwar ungezwungen, aus freien Stücken gemäß dem Willen Gottes.“ 6 Im griechischen Texte finden wir den überaus treffenden Ausdruck ἐπισκοπεύοντες, von dem sich ja das Wort Bischof (episcopus) herleitet. Wer möchte sich erkühnen, die Zeugnisse solcher Männer geringschätzig beiseite zu schieben? Für alle Fälle soll auch der Donnersohn, die Tuba des Evangeliums, den Jesus am meisten liebte, der von der Brust des Erlösers die Ströme seiner Lehre trank, 7 seine Stimme laut werden lassen. Er schreibt: „Der Presbyter an die Herrin Electa und ihre Kinder, die ich in Wahrheit liebe.“ 8 Und in einem anderen Briefe schreibt Johannes: „Der Presbyter an den geliebten Gajus, den ich in Wahrheit liebe.“ 9 Wenn man dann später einen einzelnen auswählte, welcher den übrigen vorgesetzt wurde, so geschah dies, um Spaltungen vorzubeugen. Denn es hätte zur Unterwühlung der Kirche führen müssen, wenn ein jeder die Macht hätte an sich reißen können. So wählten die Presbyter zu Alexandrien von den Tagen des Evangelisten Markus an bis zu den Bischöfen Heraklas 10 und Dionysius 11 immer einen aus ihrem Kollegium aus, [S. 387] verliehen ihm einen höheren Rang und nannten ihn Bischof. Sie handelten in etwa wie ein Heer, das sich einen Feldherrn wählt, oder wie die Diakone, welche den eifrigsten aus ihrer Schar kürten und zum Archidiakon erhoben. Was tut der Bischof, wenn man von der Spendung der Weihe absieht, was der Priester nicht auch tut? Man darf sich die Kirche der Stadt Rom nicht anders denken wie die Kirche des ganzen Erdkreises. Gallien und Britannien, Afrika und Persien, der Orient und Indien und alle barbarischen Völker beten den einen Christus an und beobachten die eine Regel der Wahrheit. Will man sich aber auf eine Autorität berufen, dann ist die der ganzen Welt größer als die Roms. Mag jemand Bischof sein, wo immer es sei, zu Rom, zu Gubbio, 12 zu Konstantinopel, zu Reggio, 13 in Alexandria oder in Tanis, 14 Würde und priesterliches Amt bleiben sich gleich. Einfluß und Reichtum mögen den einen Bischof herausheben, Armut und Einfachheit einen anderen in den Hintergrund treten lassen, aber schließlich sind sie alle Nachfolger der Apostel.

1: Is. 32, 6.
2: Phil. 1, 1.
3: Apg. 20, 28.
4: Tit. 1, 5 ff.
5: 1 Tim. 4, 14.
6: 1 Petr. 5, 1 f.
7: Mark. 3, 17; Joh. 13, 23; 21, 20.
8: Joh. 1, 1.
9: 3. Joh. 1, 1.
10: Heraklas war als Nachfolger von Origenes Leiter der Katechetenschule zu Alexandrien, dessen Bischofsstuhl er von 231 bis 247 innehatte.
11: Dionysius der Große, von 247 bis ca. 264 Bischof von Alexandrien.
12: Bischofsstadt in der Provinz Perugia.
13: Beide Reggio (Oberitalien und Kalabrien) sind seit dem 4. Jahrhdt. Bistümer.
14: Eine im A. T. öfters erwähnte ägyptische Stadt am östlichen Nilarm, heute San mit bedeutenden Ruinenfeldern. Im 4. Jahrhdt. als Bischofssitz nachweisbar (vgl. Gams, Series episcoporum 461).

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger